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Unser Buchtipp der Woche

Unser Buchtipp im DK vom 18.9.17
Buchhandlung Sabine Jünemann

Candice Fox - Fall

Suhrkamp Verlag, 470 Seiten; 15,95 €

Frank Bennet von der Mordkommission Sidney hat bereits viele Opfer gesehen. Er ist seinen Weg trotz eigener Verletzungen und Verluste gegangen. Gerade im Moment hat er das Gefühl, vor der größten Herausforderung seit langem sowohl im Job als auch in seinem Privatleben zu stehen. Bisher konnte er sich immer auf seine Partnerin Eden verlassen, doch deren Rekonvaleszenz ist nach ihrer letzten Zusammenarbeit noch nicht abgeschlossen.

Als die Leiche einer Joggerin mit zerschundenem Gesicht in einem der großen Parks in Sydney gefunden wird und kurz darauf zwei weitere Tote entdeckt werden, ist eins klar: Ein Serienmörder treibt in der Stadt sein Unwesen. Insgeheim sorgt sich Bennet jedoch mindestens ebenso sehr um Eden wie um den Killer. Er weiß um ihre Gefährlichkeit, und eines Nachts bewahrheiten sich seine Befürchtungen. Bisher ist ihr noch niemand sonst auf die Schliche gekommen, aber was ist, wenn sie sich von jemandem unter Druck gesetzt fühlt? Wie wird sie sich dann entscheiden?

Fall ist der bisher letzte Band der Reihe um die Kinder des Hades. Was aus ihnen geworden ist, passt gerade richtig in den jetzt beginnenden Herbst, ist er vielleicht doch auch der Beginn des Herbstes in Frank Bennets Leben. Dieser Krimi ist tiefgründig und von einer Spannung, die unter die Haut geht.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 11.9.17
Buchhandlung Sabine Jünemann

John Boyne - Der Junge auf dem Berg

Fischer Verlag, 304 Seiten; 16,99 €

Die Schrecken des 1. Weltkriegs haben lange Schatten auf Pierrots Leben geworfen. Der Junge ist 7 Jahre alt, als er zuerst seinen Vater und kurz darauf auch seine Mutter verliert. Seither ist nichts mehr so, wie es einmal war. Es gibt keine Familie mehr, an die er sich halten kann. In seiner Heimatstadt Paris kann ihn keine der Nachbarsfamilien aufnehmen, da sie selbst kaum genug zum Überleben haben. So landet Pierrot in einem Waisenhaus bei Orleans.

Hier, bei Adele und Simone, lebt er unter Gleichaltrigen, auch wenn er außer Josette keine Freunde hat. Wie glücklich ist er, als er eines Tages erfährt, dass er zu einer Tante ziehen darf. Sie wohnt allerdings nicht in Paris, sondern weit weg auf einem Berg. Einen ganzen Tag wird die Reise dauern, von Orleans über Mannheim und München nach Salzburg, wo er abgeholt wird. Hier wird der Junge von nun an also auch auf diesem Berg leben, wo seine Tante für den Führer arbeitet, der auf keinen Fall gestört werden darf, besonders nicht von einem Kind.

Es dauert eine Weile, bis Peter, wie Pierrot hier gerufen wird, sich eingewöhnt. Je mehr er allerdings vom Herrn des Berghofes lernt, desto mehr verändert sich sein Wesen. Er wird herrisch und genießt seine Macht, die er, obwohl noch ein Kind, durchaus auszunutzen weiß. Sollte die in Peter angelegte Saat Wurzeln in ihm schlagen? Wir wollen es nicht hoffen.

John Boynes Buch ist die Geschichte einer Verführung. Exemplarisch beschreibt er am Schicksal seiner Hauptfigur die Indoktrination einer ganzen Generation, die am Ende des zweiten Weltkriegs noch Halbwüchsige waren. Dieses Buch ist Mahnung und Warnung zugleich und daher gleichermaßen wichtig und lesenswert. Es spricht wie schon die anderen Titel des Autors sowohl Kinder als auch Erwachsene an und animiert zur generationsübergreifenden Debatte.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 4.9.17
Buchhandlung Sabine Jünemann

Taran Bjornstad und Christopher Grav - Der Krokodildieb

Beltz & Gelberg, 127 Seiten; 6,95 €

Odd reimt sich auf Birnenkompott!

Das ist noch der netteste Scherz, den sich seine Klassenkameraden mit ihm erlauben. Da sein Kopf wie eine Birne aussieht und „Odd“ auf englisch sonderbar bedeutet, ist der kleine Odd ein gefundenes Fresse für seine Klassenkameraden. Auch zu Hause hat er es als Jüngster nicht leicht.

Sein großer Bruder ist Kapitän der Fußballmannschaft und ein wahrer Torgarant und seine Schwester ist ein Ass in Biologie, darf einen Hamster ihr Eigen nennen und ist außerdem noch eine gute Reiterin. Klar, das Odd sich da minderwertig fühlt.

Erst die Begegnung mit Rolf, dem reptilienkundigen Tierpfleger, verhilft ihm zu mehr Selbstbewusstsein. Als Odds Klasse den Zoo besucht ist Odd der Einzige, der sich traut, einen Glattstirnkaiman zu streicheln. Mette, ein Mädchen aus seiner Klasse ist schwer beeindruckt und bringt Odd damit auf eine sehr ausgefallene Idee. Ahnen Sie welche?

Für Odd beginnt das aufregendste und gefährlichste Abenteuer seines jungen Lebens. Endlich fühlt er sich krokodilstark und weiß sich auch gegen die dummen Sprüche der übrigen Klassenkameraden zur Wehr zu setzen.

Amüsant und gleichzeitig lehrreich zu lesen, vermittelt das Buch aufmunternde Gedanken für alle kleinen Jungen, die sich immer wieder zurückgesetzt fühlen.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 28.8.17
Buchhandlung Sabine Jünemann

Annika Brockschmidt, Dennis Schulz - Goethes Faust und Einsteins Haken

Rowohlt Verlag, 216 Seiten; 9,99 €

Welches akademische Gebiet ist nutzbringender und spannender: die Naturwissenschaft oder die Geisteswissenschaft? Naturgemäß haben Physiker auf diese Frage eine ganz andere Antwort als Germanisten. Ob die jeweilige Sichtweise jedoch objektiv richtig ist, möchte dieses Buch gerne klären. In 11 Kapiteln lassen Annika Brockschmidt und Dennis Schulz verschiedene Forscher, wissenschaftliche Theorien, Irrlehren, Schriftsteller und bedeutende Zitate gegeneinander antreten. Am Ende wird sich zeigen, wer sowohl auf den verschiedenen Gebieten, als auch insgesamt die Nase vorn hat.

Wenn Sie selbst parteiisch sind in der Frage nach dem besseren Zweig der Wissenschaften, können sie mit diesem Titel überprüfen, ob Sie wirklich im Recht sind. Sind sie jedoch ganz offen, lassen Sie sich doch einfach überraschen, auf welche Seite Sie sich schlagen sollten. 'Goethes Faust und Einsteins Haken' ist ein abwechslungsreich geschriebenes Sachbuch, dass wahrlich zum Schmökern einlädt.

Jeder, der vielseitig interessiert ist, wird hier zahlreiche spannende und unterhaltsame Anekdoten finden. Auch Menschen, die sonst eher wenig lesen, werden sich mit diesem Buch sehr wohlfühlen: Jede einzelne 'Kampfrunde' ist genauso fesselnd wie knapp geschrieben, so dass sie alles Nötige erfahren, ohne dass sich die Abschnitte in ausufernden Erklärungen ergehen. Hierfinden Sie die wissenschaftlich bedeutsamsten Themen knackig auf den Punkt gebracht. Also Ring frei!

Von Liisa Schmidt



Unser Buchtipp im DK vom 21.8.17
Buchhandlung Sabine Jünemann

Elisabeth Hermann - Stimme der Toten

Goldmann Verlag, 544 Seiten; 20,00 €

Judith Kepler jagt Gespenster. Es sind die Geister ihrer Vergangenheit, die sie als kleines Mädchen traumatisiert und verstört zurückließen. Als erwachsene Frau fristet sie ihr Leben als Putzfrau und Tatortreinigerin. Was soll sie auch anderes tun, hat sie doch ihre Kindheit und Jugend vergeudet.

Als ihr Chef Dombrowski sie zu ihrem neuen Einsatzort beordert, ahnt Judith nicht, dass dies ihr Leben gehörig durcheinanderwirbeln wird. Die Spuren des Toten, die sie beseitigen soll, erweisen sich als nicht die einzigen. War es also kein Selbstmord, sondern Mord?

Durch einen Hinweis an die Polizei gerät die Cleanerin jedoch selbst ins Fadenkreuz der Mächtigen. Ihr bleibt nichts anderes übrig, als ihren Mentor Quirin Kaiserley anzurufen, der ihr bereits früher aus der Patsche geholfen hat. Dass sie damit allerdings auch die Toten aufschrecken würde, wäre ihr im Traum nicht eingefallen. Geschweige denn, wie weit die Verstrickungen reichen. Bis in die rechte Szene, den wieder erstarkenden kalten Krieg und die technischen Möglichkeiten der Computerfreaks hinein - und bis zu ihrer eigenen Familie, deren letzte Überlebende sie, soweit es ihr bekannt ist, ist.

Ein Stück Zeitgeschichte, dessen grausame Spannung bis zur letzten Zeile fesselt.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 14.8.17
Buchhandlung Sabine Jünemann

Anne Gesthuysen - Sei mir ein Vater

Piper Verlag, 419 Seiten; 11,00 €

Mit 15 Jahren landet Lilie als Gastschülerin in einem winzigen Kaff bei Xanten am Niederrhein. Hier wirkt die junge Pariserin wie ein Paradiesvogel unter Krähen. Trotzdem wird ihr ihre Gastfamilie mehr zugetan sein, als ihre eigentlichen Eltern es je sein werden. Sie fühlt sich geborgen und sicher, so dass sie den Vater ihrer Gastschwester Hanna eines Tages fragt, ob sie ihn auch Vater nennen dürfe.

Jahrzehnte später erfährt Lilie von Hanna, dass der Mann, der ihr näher stand als ihr eigener Erzeuger, Krebs im Endstadium hat und bald sterben wird. Kurz entschlossen reist sie an den Niederrhein, im Gepäck eine zusammengerollte Leinwand mit einem Gemälde ihres Vorfahren George Augutte.

Kurz vor der erschreckenden Nachricht wurde in ihre Pariser Wohnung eingebrochen und das Bild sollte gestohlen werden. Durch ihre verfrühte Heimkehr wurde der Täter gestört und das Bild beschädigt zurückgelassen.

Was mag dieses Bild wert sein? Lilie war bisher über ihre malenden Vorfahren nicht sonderlich gut informiert. Hannas Vater empfiehlt ihr, einen befreundeten Restaurator und stürzt sich mit Tochter und Ziehtochter in das letzte große Abenteuer seinen Lebens. Frei nach dem Motto: Wir haben keine Chance? Nutzen wir sie!

Anne Gesthuysens Roman erzählt mit einfühlsamen Worten die Geschichte dieser Patchworkfamilie, die ihren Beginn mit der einfachen Bitte „Sei mir ein Vater, mein eigener hat kein Interesse“ nahm.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 7.8.17
Buchhandlung Sabine Jünemann

Sue Monk Kidd - Die Erfindung der Flügel

btb Verlag, 494 Seiten; 9,99 €

Der Roman „Die Erfindung der Flügel“ entführt den Leser nach Charleston, USA, in die Zeit von 1803 bis 1838, als die wenigen Weißen die Schwarzen, die eigentlich in der deutlichen Überzahl waren, als Sklaven hielten. Es wird abwechselnd aus der Sicht von Sarah, der anfangs elfjährigen Tochter eines Richters am Obersten Gericht von South Carolina, und der zehnjährigen Hetty, Tochter einer im gleichen Haus als Näherin dienenden Schwarzen, erzählt. Sarah bekommt trotz ihres massiven Widerstands Hetty zum Geburtstag geschenkt. Beide Mädchen sind Außenseiterinnen in ihrer jeweiligen Welt, und das verbindet sie mehr als normalerweise in der damaligen Zeit zulässig war. In ausdrucksstarken Bildern wird das Leben in dieser Zeit beschrieben, die brutale Behandlung der Dienenden durch ihre Herrschaften ebenso wie die Schwierigkeiten besonders von Mädchen und Frauen, dem Ganzen etwas entgegenzusetzen. Ein Buch für alle, die Geschichten über starke Frauenpersönlichkeiten mögen und sich zusätzlich gern in die Vergangenheit entführen lassen.

Zusätzlich erfährt man im Anhang auch etwas über die fast vergessene Geschichte der wahren Sarah und ihrer Schwester Angelina, die für die damalige Zeit radikal für Frauenrechte sowie für die Abschaffung der Sklaverei kämpften.

Von Karin Skrzypczak



Unser Buchtipp im DK vom 31.7.17
Buchhandlung Sabine Jünemann

Gail Honeyman - Ich, Eleanor Oliphant

Ehrenwirth Verlag, 528 Seiten; 20,00 €

Eleanor gilt als sonderbar und wird von ihren Kollegen gemieden. Das stört die junge Frau nicht besonders, denn sie liebt es, für sich zu sein. Nachdem sie als 10-Jährige einen Wohnungsbrand überlebt hat, war ihre Kindheit vom Leben in verschiedenen Pflegefamilien geprägt. Nach Erreichen der Volljährigkeit darf sie endlich in eine eigne Wohnung ziehen und ist froh, nur bei der Arbeit auf andere Menschen zu treffen.

Als sie ausnahmsweise doch mal ein Rockkonzert besucht, ist es um sie geschehen. Der charismatische und gut aussehende Sänger hat es ihr angetan. Sie entscheidet sich, an ihren sozialen Fähigkeiten und ihrem Aussehen zu arbeiten. Nebenbei recherchiert sie alles über das Objekt ihrer Begierde, was es zu finden gibt. So will sie ihren vermeintlichen Seelenverwandten für sich gewinnen. Nach einer ausführlichen Typberatung mit neuem Styling sowie einigen Übungstreffen mit ihrem Kollegen Raymond fühlt sie sich endlich bereit für ihren Eroberungsfeldzug.

Das geplante Treffen mit dem Künstler auf einem seiner Konzerte endet jedoch ganz anders, als Eleanor es sich erträumt hatte. Es steht nicht am Beginn einer erfüllten Beziehung, sondern ist für sie vielmehr Anlass zu einer Reise in die eigene Vergangenheit. Miss Oliphant muss sich lang verdrängten Wahrheiten stellen und findet dabei Dinge heraus, nach denen sie niemals suchen wollte. Wie gut, das Raymond sich dabei als besserer Freund erweist, als Eleanor es sich je hätte vorstellen können.

Von Liisa Schmidt



Unser Buchtipp im DK vom 24.7.17
Buchhandlung Sabine Jünemann

Elizabeth Bard - Meine zauberhafte Eisdiele

Fischer Verlag, 461 Seiten; 9,99 €

Eine Amerikanerin in Paris? Damit beginnt für Elisabeth Bard nur ihr Leben in Frankreich. Sehr schnell verschlägt es sie in die Provence. Als junge Frau hätte sie sich nicht träumen lassen, dass sie dort eine Eisdiele ihr Eigen nennen würde. Ihre Gedanken gingen eher in Richtung Pariser Maisonettewohnung in guter Wohnlage und vor allem mit reizendem Ehemann samt Nachwuchs.

Das Interesse ihres Gemahls für einen widerständigen Literaten der Resistance ist jedoch der Anlass für eine Reise in das pittoreske Dorf Céreste in der Nähe von Avignon. Es ist Liebe auf den ersten Blick! Dann erfährt das junge Paar auch noch, dass das Wohnhaus des berühmten französischen Dichters René Char zu verkaufen ist. Nach kurzer Bedenkzeit schlagen sie zu. Vorerst war es nur als Sommeridylle gedacht. Manchmal allerdings ändern sich die Lebensumstände, so dass das Paar dauerhaft in die Provence zieht.

Dieser zauberhaften Romanbiographie ist man als Leser sofort verfallen. Das liegt nicht nur an den kuriosen Erlebnissen, die der Kauf des alten Hauses auf dem Lande mit sich bringen. Genauso wunderbar sind die Rezepte, die nach jedem Kapitel zum Kochen einladen. Mein Favorit ist das Dessert aus weißen Pfirsichen mit Blaubeeren und Rosensirup. Einfach zum dahinschmelzen. Wer weiß, vielleicht werde ich im nächsten Leben Köchin?

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 17.7.17
Buchhandlung Sabine Jünemann

Kelly Doust - Aimées geheimer Wunsch

Kiepenheuer & Witsch, 410 Seiten; 9,99 €

Ende des 19ten Jahrhunderts bestickte eine junge Frau anlässlich ihrer bevorstehenden Vermählung den Kragen ihres Hochzeitskleides selbst mit Perlen, Pailletten und glitzernden Kristallen. Ihr verarmter Vater hatte ihr einen Ehemann ausgesucht, in der Hoffnung, durch diese Verbindung wieder zu Ansehen zu gelangen. Über hundert Jahre lang wird dieser Kragen von Generation zu Generation weitergereicht. Er gelangt von Europa nach Asien und von dort einmal um die ganze Welt zurück nach England.

Hier erwirbt ihn schließlich die Auktionarin Maggie als Bestandteil einer Ramschkiste für fünf britische Pfund. Nach einer Reinigung erstrahlt das zunächst unscheinbare Stück in voller Pracht. So erregt er die Aufmerksamkeit der jungen Frau mit dem Faible für den Vintagelook und einem Auge für Qualität. Sogleich versucht sie das Geheimnis ihres Fundstückes zu ergründen. Ihre Spurensuche führt sie auf den Portobello Market und immer tiefer in die Geschichte hinein, die sich um dieses Stückchen Stoff rankt. Zusammen mit dem Leser stößt sie auf ein Geheimnis, das in seinem Inneren verborgen ist.

Schmerz und Liebe gehen mit dem Besitz dieses Kragens einher, der Begierde genauso ausgelöst hat wie Leid und Verlust. Er ist Symbol für den Wunsch einer jungen Frau, die sich verzehrte nach dem Gefühl, geliebt und begehrt zu werden („Iss mich, trink mich, liebe mich“) und doch so ganz anders leben musste.

Wer weiß, vielleicht gelingt es Ihnen den geheimnisvollen Inhalt des Kragens zu erraten.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 10.7.17
Buchhandlung Sabine Jünemann

Cay Rademacher - Gefährliche Côte Bleue

Dumont Verlag, 314 Seiten; 15,00 €

Für alle, die gut geschriebene Kriminalromane lieben, ist soeben ein neuer Provence-Krimi von Cay Rademacher erschienen. Der vierte Fall für Kapitän Roger Blanc spielt diesmal an der Côte Bleue, einem Küstenstreifen, der im Schatten der Côte d’Azur steht und neben zerklüfteter Küsten mit vielen versunkenen Schiffen auch nicht so schöne, aber allmählich verfallende Industrieanlagen bietet. Zum Schutze von Tauchern der Regierung wird Kapitän Blanc mit seinem Kollegen Lieutenant Marius Tonon von seinem Chef in diese Region geschickt.

Während er noch die Idylle der Landschaft vom Wasser aus genießt, taucht im Meer ein toter Taucher auf, der durch eine Harpune starb. Was anfangs noch wie ein Unfall eines Schatztauchers aussieht, entpuppt sich rasch als Mord, der sich im Umfeld von Umweltschützern, Industrieabfällen und einer Olympiabewerbung für diese Küstenregion abspielt. Noch mit der Aufklärung des ersten Mordes beschäftigt, kommt es zu einem zweiten Todesfall, und Roger Blanc hat es abermals mal mit einer brisanten Ermittlung zu tun. Spannend wie immer und mit dieser besonderen Liebe zur Landschaft und der dort lebenden Menschen ist auch dieser Roman wieder sehr empfehlenswert.

Von Karin Skrzypczak



Unser Buchtipp im DK vom 3.7.17
Buchhandlung Sabine Jünemann

Jenny Colgan - Sommer in der kleinen Bäckerei am Strandweg

Piper Verlag, 449 Seiten; 9,99 €

Polly Waterford hat endlich auf der geliebten, der cornischen Küste vorgelagerten Insel als Bäckerin Fuß gefasst. Ihr Leben könnte kaum besser sein, denn endlich scheint sie ihr Glück gefunden zu haben. Doch mit dem Tod ihrer alten Vermieterin ändert sich schlagartig alles. Die Erben wollen die Bäckerei selbst betreiben, so dass Polly vor dem Nichts steht. Wovon soll sie nun ihr Heim, den Leuchtturm, abbezahlen und womit überhaupt ihre Brötchen verdienen? Guter Rat ist teuer.

Zumal ihr Freund Huckle zuhause in Amerika gebraucht wird. So steht Polly vorerst allein vor ihrem Berg von Problemen. Auch wenn die Insulaner ihr zu helfen versuchen, es dauert eine Weile, bis die junge Frau sich berappeln kann und ihr die passende Idee kommt.

Sie wird einen Foodtruck kaufen und ihre Ware mobil anbieten. Ehe sich diese neue Geschäftsidee umsetzen lässt, müssen allerdings diverse Schwierigkeiten überwunden werden. Außerdem ist da auch noch Neill, der Papageientaucher, der für ein Wildtier viel zu zutraulich ist. Statt zu fliegen watschelt er lieber auf dem Boden herum; nicht ganz ungefährlich für den kleinen Vogel! Schließlich gehört ein Papageientaucher in seine Kolonie und sollte gefiederte Freunde um sich haben.

Aber das sollten sie lieber alles selbst lesen. Dieses Buch ist eine kurzweilige Sommerlektüre, gerade richtig für den Strandkorb oder den Sonnenstuhl im Garten.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 26.6.17
Buchhandlung Sabine Jünemann

Graham Moore - Die letzten Tage der Nacht

Eichborn Verlag, 458 Seiten; 22,00 €

1888 - Drei-Kaiserjahr in Preußen. In Amerika beginnt die industrielle Revolution. Sie nimmt endgültig Fahrt auf, nachdem Edison die Glühbirne entwickelt und Graham Bell das Telefon. Edison der Tüftler schwebt die Elektrifizierung der Stadt New York vor. Wenn ihm das gelungen ist, soll der ganze Kontinent folgen. Die Sache hat nur einen winzig kleinen Haken: Edison besitzt zwar das Patent für die Glühirne, doch er setzt auf Gleichstrom. Sein Kontrahent George Westinghouse hat seinerseits ein Leuchtmittel erfunden und setzt auf Wechselstrom. Zwischen den beiden Konkurrenten steht der junge Anwalt Paul Cravath.

Dessen Mandat lautet: Edison des Patentschwindels zu überführen. Der Jurist ist noch ganz entsetzt über den Zwischenfall, dessen Zeuge er unfreiwillig wurde. Ein Mann verglühte als lebende Fackel nach einem Unfall mit einer offenen Stromleitung. Nicht gerade ein positives Zeugnis für seinen Mandanten, genauso wenig jedoch für Thomas Alva Edison. Außerdem stellt sich die Frage, wie die Nichtigkeit des von Edison angemeldeten Patents zu beweisen ist, eine wahre Herkulesaufgabe. Paul Cravaths Wille, zu gewinnen, ist unbändig. Eine Eigenschaft, die er mit seinem Gegner teilt.

George Moore ist mit dem Roman 'Die letzten Tage der Nacht' ein packendes und interessant zu lesendes Buch gelungen, das auch von seinen brillanten Charakterstudien der Hauptfiguren lebt. Gleichzeitig beschreibt er die Anfänge der Elektrifizierung und damit auch den Aufschwung Amerikas zur Wirtschaftsmacht gegen Ende des vorletzten Jahrhunderts. Außerdem sind ihm brillante Charakterstudien der Hauptfiguren geglückt. Als Leser fiebert man mit, dass jedem der große Wurf gelingen möge.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 19.6.17
Buchhandlung Sabine Jünemann

Genevieve Cogman - Die flammende Welt

Lübbe Verlag, 448 Seiten; 16,00 €

Im dritten Teil der Reihe um die unsichtbare Bibliothek geht es dieses Mal ganz buchstäblich heiß her. Die Portale, die in die außerdimensionale Bücherei führen, gehen neuerdings immer wieder in Flammen auf, wenn die Bibliothekare von ihren Aufträgen zurückkehren möchten. Irene Winters, die unangefochtene Heldin dieser Fantasy-Serie, bekommt dieses Phänomen am eigenen Leibe zu spüren.

Hat sie sich bereits so viele Feinde gemacht, dass es sich hier um zugegebenermaßen recht wahllos ausgeführte Anschläge auf sie handelt? Schließlich wird sie nicht nur von diesen Explosionen bedroht, sondern zudem von Werwölfen gekidnappt, mit Giftspinnen überhäuft und von undurchschaubaren Elfen verfolgt. Als sie jedoch eine Nachricht vom Erzschurken Alberich erhält, wird schnell klar, dass weit mehr auf dem Spiel steht, als nur ihr eigenes Leben.

Dieser Band entführt Sie nicht nur in ein alternatives Frankreich zur Revolutionszeit. Es nimmt Sie mit in eine phantastische, detailreiche und liebevoll gestaltete Welt voller Charaktere, die gleichermaßen lebendig und glaubwürdig sind. Wenn Sie Bücher und fantastische Literatur genauso mögen, ist Cogmans Reihe unverzichtbar für Sie, in die sie mit diesem in sich abgeschlossenen Roman einsteigen können. Er steht seinen Vorgängern in Spannung, Ideenreichtum und sprachlicher Qualität in nichts nach. Wenn es Ihnen wie mir geht, werden Sie jedoch auf keine Zeile verzichten wollen, so dass Teil 1 und 2 mit Sicherheit auch bald Teil ihrer ganz eigenen Bibliothek sein werden.

Von Liisa Schmidt



Unser Buchtipp im DK vom 12.6.17
Buchhandlung Sabine Jünemann

Anna Quindlen - Ein Jahr auf dem Land

Penguin Verlag, 318 Seiten; 10,00 €

Als Rebecca Winter beschließt, ihr Apartment an der 5th Avenue in New York zu vermieten, um statt dessen aufs Land zu ziehen, hat das keinen Sehnsuchtscharakter, sondern ganz prosaische Gründe. Ihr Ruhm als Fotografin der Frauenbewegung ist verblasst. Geldsorgen plagen sie, und hinzu kommt die Abhängigkeit ihres Sohnes und ihrer Eltern von ihr. Die Mutter dämmert dement in einem Pflegeheim dahin, der Vater wird daheim von einer Pflegerin betreut. Ihr Sohn Ben, der ewig arbeitslose Filmstudent und glücklose Schauspieler liegt ihr ebenso auf der Tasche. Das sind die Probleme, die Rebeccas Leben erschweren und gelegentlich verzweifeln lassen.

Auf dem Land sind die Lebenshaltungskosten zwar niedriger, aber Fotoaufträge bekommt man dort keine, auch wenn es Motive zuhauf gibt. Glücklicherweise hat Rebecca Aussicht auf eine Gastprofessur an einem College, so dass nach der Verleihung eines Kunstpreises ihr Einkommen vorerst gesichert scheint. Das Landleben stellt jedoch eine besondere Herausforderung dar, auch wenn es immer wieder neue Inspirationen mit sich bringt. Und dann sind da noch die kauzigen Dorfbewohner, die ihre eigenen Gründe haben, Rebecca in die Dorfgemeinschaft aufzunehmen.

Dieser Roman vermittelt einem sehr charmant das Glück des Augenblicks und den Wert der kleinen Dinge, anrührend und nachdenklich zugleich, einfach zum wohlfühlen.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 5.6.17
Buchhandlung Sabine Jünemann

Petra Oelker - Zwei Schwestern

Rowohlt Verlag, 173 Seiten; 12,00 €

13 Jahre sind seit Luthers Thesenanschlag zu Wittenberg vergangen. Das Land ist gespalten, und auch in den Hansestädten rumort es. Im Februar 1530 ziehen noch vor Tagesbeginn Männer mit Äxten, Keulen und Spitzhacken vor das Kloster, das in Harvestehude außerhalb der Stadt liegt. Da die Klosterfrauen nicht freiwillig weichen wollen, hat der Magistrat der Stadt beschlossen, das Kloster dem Erdboden gleich zu machen.

Doch wohin sollen die Schwestern des Konvents unter diesen Umständen gehen? Einige von ihnen haben Verwandte in der Stadt, zählen gar zu den Magistratsfamilien, wie Reimare Hogenstraat. Doch was ist mit den Übrigen? Schutzlos sind sie den Unbillen der Natur und der Niedertracht ihrer Mitmenschen ausgeliefert, zumal in Hamburg nur noch der reformierte Glaube geduldet wird.

Einige wenige ehemalige Klosterschwestern finden sich in einem ehemaligen Dominikanerkloster zu einer Laienschwesterschaft zusammen. Sie pflegen Alte und Kranke oder geben Privatunterricht, denn die Gründung einer Schule wurde ihnen untersagt. Damit sind sie abhängig von der Mildtätigkeit ihrer Familien. Reimare zweifelt derweil, ob sie wie einige ihrer ehemaligen Konventschwestern heiraten soll. Vielleicht weiß ihre Schwester Anna Rat. Die hat als wohlhabende Kaufmannswitwe schon früh die verwaiste jüngere Schwester bemuttert.

Doch auch Anna Zumfeld plagen Sorgen. Ihr Testament ist überholt. Die Legate für Seelenmessen zum Gedenken für die Verstorbenen gelten nicht mehr, ebenso wenig die Ablassbriefe. Hinausgeworfenes Geld! Wie soll Sie nun ihren Besitz verteilen? Klug und sorgfältig müssen die beiden Frauen nun handeln. Beide Schwestern müssen nach der Reformation neue Wege beschreiten. Entscheidungen von großer Tragweite sowohl in finanzieller als auch in religiöser Beziehung stehen an.

Petra Oelkers Erzählung über die Reformation schildert am Beispiel der beiden Schwestern, wie nah und gleichzeitig fern sich Menschen in Religionsfragen sind. Das schön gestaltete Geschenkbuch lebt auch von Andrea Oftermanns gelungenen Illustrationen, die mit ihren feinen Aquarellen die Wirkung des Textes untermalt.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 29.5.17
Buchhandlung Sabine Jünemann

Louise Miller - Die Zutaten zum Glück

Insel Verlag, 408 Seiten; 14,95 €

Olivia ist Patissière in einem der angesehensten Clubs in Boston, bis sie diesen beim Servieren des Desserts in Flammen aufgehen lässt. Fluchtartig verlässt sie daraufhin die Stadt und kommt übergangsweise bei ihrer besten Freundin unter. Sich in einer Kleinstadt im Herzen Neuenglands zurechtzufinden, ist nicht so einfach. Da das Geld knapp ist, nimmt sie also eine Stelle im örtlichen Landgasthof an, um ihre Finanzen aufzubessern und bei nächster Gelegenheit weiterzuziehen.

Der Gedanke an die Kürze ihres Aufenthalts hilft Olivia dabei, ihre eigenwillige Chefin, die ewig kochende Gerüchteküche und ihre eher provisorische Unterkunft zu ertragen. Als sie Martin und seine Verwandtschaft kennenlernt, die ihr Herz im Sturm erobern, fühlt sie sich seit vielen Jahren erstmals als Teil einer Familie, die so groß und herzlich ist, wie sie es selbst nie erlebt hat. Langsam entdeckt Livy, wie sie mittlerweile liebevoll genannt wird, die guten Seiten an ihrem neuen Leben. Sie lüftet das Geheimnis hinter dem jährlichen Backwettbewerb, findet einen Platz in der lokalen Band und macht aus ihrer kleinen Hütte ein kuscheliges Zuhause. Als sie feststellt, dass sie schwanger ist, hat sie ein Problem. Als Vater kommt nur Martin in Frage, dessen Verlobte sie gerade kennen gelernt hat. Wird sie nun ein weiteres Mal alle Brücken hinter sich abbrechen, oder schafft sie es, dieses Problem irgendwie zu lösen?

Dieser Schmöker hat wirklich glückmachendes Potenzial und alle wichtigen Faktoren beisammen: Liebe und Familiengeschichte mit tollen Charakteren, Naschwerk und Musik. Wenn Sie ein Wochenende im Garten planen, kaufen Sie sich dieses Buch sowie ein leckeres Stück Kuchen, und ihrem Vorhaben wird nichts mehr im Wege stehen.

Von Liisa Schmidt



Unser Buchtipp im DK vom 22.5.17
Buchhandlung Sabine Jünemann

J.L. Carr - Wie die Steeple SINDERBY Wanderers den POKAL holten

Dumont Verlag, 191 Seiten; 20,00 €

Bald beginnt sie wieder, die Zeit ohne Fußball! Keine WM, nur noch die Relegationsspiele und nicht zu vergessen, das Endspiel um den DFB-Pokal

. Immer mit von der Partie ist die Hoffnung der Fans, dass auch ihr Verein aus der untersten Spielklasse den Pokal ein einziges Mal gewinnen möge. Sollten sie auch ein Herz für die „Underdogs“ haben, dann sollten, nein müssen sie die Geschichte der Sinderby Wanderers kennenlernen.

Um es mit Albert Uderzo auszudrücken, ein kleines unbeugsames Dorf mit einer Mannschaft aus Freizeitkickern, trainiert vom Dorfschullehrer und wild entschlossen, die Großen das Fürchten zu lernen. Denn eines steht fest: Letztendlich benötigt man zum Fußballspielen nur einen Ball und zwei Mannschaften, jede bestehend aus 10 Spielern plus Torwart. Ist der Dorfclub erst mal richtig zusammengesetzt, hat er den Überraschungseffekt auf seiner Seite, sofern er auch noch das für sich beste Spielfeld auswählt. Schließlich kennt die Heimmannschaft die Tücken Ihres Fußballplatzes am besten.

Es hätte in den 70ger Jahren auch niemand gedacht, dass ein Delmenhorster Fußballverein zuhause den damals starken Bundesligisten Borussia Mönchengladbach schlagen würde, oder gar Deutschland in Brasilien 7:1 gegen deren Heimmannschaft gewönne.

J. L. Carr hat hier viel mehr geschrieben als eine kleine Geschichte über Fußball. Es ist eher eine Story über den unbändigen Willen zu gewinnen! Ein Buch, das für jeden Trainer zur Pflichtlektüre gehören sollte!

Wenn Sie noch kein Geschenk für ihren fußballbegeisterten Liebsten haben, hier wäre das passende Präsent ... und vergessen Sie den neuen Vereinsfanschal nicht.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 15.5.17
Buchhandlung Sabine Jünemann

María Dueñas - Wenn ich jetzt nicht gehe

Insel Verlag, 588 Seiten; 24,00 €

Vor vielen Jahren machte sich Mauro Larrea mit seinen zwei kleinen Kindern Mariana und Nicolas von Spanien aus auf den langen, beschwerlichen Seeweg nach Mexiko. Er wollte einen Neuanfang wagen, nachdem seine Frau im Kindbett gestorben war. Um seine kleine Familie durchzubringen, nahm er Arbeit in einer Silbermine an und brachte es nach langen, entbehrungsreichen Jahren schließlich zu eigenen Silberminen und dadurch zu erheblichem Reichtum. Seine Tochter ist inzwischen gut verheiratet und steht kurz vor der Entbindung ihres ersten Kindes, und sein Sohn ist so gut wie verlobt und weilt gerade für ein Jahr in Europa.

Plötzlich bricht alles, was Mauro sich aufgebaut hat, über ihm zusammen, und er steht vor dem Bankrott. Als einzigen Ausweg sieht er die Flucht nach vorn in einen erneuten Neuanfang. Wieder leiht er sich Geld unter miserablen Bedingungen von einem Pfandleiher und gibt dafür seinen letzten Besitz, seine große Stadtvilla, und hat nur wenige Monate Zeit sie wieder auszulösen. Mit dem gleichen Mut der Verzweiflung und dennoch großer Zuversicht wie schon einmal geht er nach Kuba, bevor alle merken, dass er finanziell ruiniert ist. Die unsicheren Zeiten in Mexiko in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts veranlassen einige in seinem Umfeld, ihm Geld anzuvertrauen, um es in Kuba, dem fernen Paradies, gut anzulegen.

Ein ebenso spannendes wie farbenprächtiges Porträt Mexikos und Kubas lässt María Dueñas vor unseren Augen entstehen. Ein wunderbarer Roman, eine großartige Autorin!

Von Karin Skrzypczak



Unser Buchtipp im DK vom 8.5.17
Buchhandlung Sabine Jünemann

J. H. Peace - Die Hatz

Piper Verlag, 316 Seiten; 9,99 €

Samantha Willis' Streit mit ihrem Lebensgefährten bringt sie auf die schlechteste Idee ihres Lebens: Ein Mädelsabend ohne Grenzen soll es werden. Nach dem feuchtfröhlichen Abend, den sie mit einer alten Freundin verbringt, erwacht sie auf der Ladefläche eines Pickups irgendwo im australischen Busch. Ihre letzten Erinnerungen sind verschwommen. Nur noch vage erinnert sie sich, in ein Auto gestiegen zu sein. Der Fahrer war der Barkeeper des letzten Lokals, das sie mit ihrer Begleitung aufgesucht hat. Verkatert und durstig versucht die junge Frau nun, die fehlenden Puzzlestücke zusammenzusetzen. Dass ihre Hände gefesselt wurden, hat allerdings nichts Gutes zu bedeuten.

In wessen Fänge mag sie wohl geraten sein? Ist es ein perverser Psychopath? Falls ja, ist der Entführer dieses Mal an die falsche Frau geraten. Samantha Willis ist Polizistin und müsste ihren Dienst am Samstag Mittag um 12:00 Uhr antreten. Ihr Nichterscheinen würde mit großer Wahrscheinlichkeit eine Suchaktion auslösen.

Obwohl Täter und Opfer bekannt sind, folgt man als Leser mehr als neugierig dem Handeln der Protagonisten. Bis zum Schluss bleibt dabei die Hoffnung, dass es der jungen Frau gelingen möge, ihrem Entführer zu entkommen. Wenn Sie erfahren möchten, wer hier die Katze und wer die Maus ist, lassen Sie sich diesen ungewöhnlichen Psychothriller nicht entgehen.

Eine neue australische Autorin, die es zu entdecken lohnt.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 1.5.17
Buchhandlung Sabine Jünemann

Sarah Schmidt - Weit weg ist anders

Insel Verlag, 262 Seiten; 15,00 €

Die Rentnerinnen Edith und Christel sind grundverschieden. Wahrscheinlich wären die beiden Frauen sich nie begegnet, wenn sie nicht die gleiche Kureinrichtung hätten besuchen müssen. Trotz der unterschiedlichen Charaktere und wenig gemeinsamer Interessen verbringen die Berlinerin und die Norddeutsche aus Husum ein wenig Zeit miteinander, um sich bis zu ihrer Heimreise zu beschäftigen.

Das hält Christel nicht davon ab, ihre neue Bekanntschaft auf eine Reise nach Baden-Baden einzuladen. Die Frau, die so viel resoluter ist als sie selbst, erscheint ihr genau die richtige Begleitung zu sein, um diesen Ausflug vor ihrer besorgten Tochter zu rechtfertigen. Wenn sie nicht von der Berliner Schnauze ihrer neuen Freundin profitieren kann, dann wird sie sich nie durchsetzen können.

Auch Edith erkennt durchaus die Vorteile, die dieser Ausflug mit sich bringen kann. Zwar ist ihre Gastgeberin eine kleinmütige Provinzmaus, aber so kann sie dem Stress der Haussanierung entkommen, die in ihrer großstädtischen Heimat ansteht. Schnell jedoch wird aus der Zweckgemeinschaft ein Frauenpaar, das gemeinsam durch Dick und Dünn geht. Gemeinsam erleben sie mehr Abenteuer, als sie sich haben träumen lassen.

Dieser Roman ist ein unterhaltsamer Schmöker über zwei alte Damen, die ihr Leben endlich in die eigene Hand nehmen wollen. Sie schaffen es nicht nur, gemeinsam alte Gewohnheiten zu überwinden sondern auch andere Wege zu gehen, die ihnen plötzlich ganz neue Perspektiven eröffnen.

Von Liisa Schmidt



Unser Buchtipp im DK vom 24.4.17
Buchhandlung Sabine Jünemann

Mamen Sánchez - Heftiges Umarmen im Eingangsbereich der Pension verboten

Thiele Verlag, 364 Seiten; 20,00 €

Die schönste Pension der Welt will die Anfang vierzigjährige Cecilia eröffnen! Sie hat sich von ihrem Mann getrennt, den sie nach vielen Jahren vergeblicher Versuche, schwanger zu werden, bei einer Affäre ertappt hat.

Als Anwältin in Madrid arbeitend und immer unglücklicher werdend, zieht es sie an den Rand der Stadt in das Haus, das sie von ihren Großeltern geerbt hat. Ideal als Pension, wie sie findet, geeignet für junge Studentinnen, die eine sichere Unterkunft suchen. Dramatische Verwicklungen beginnen schon bei der Hausbesichtigung mit dem örtlichen Bauunternehmer, der selbst früher mit seinen Eltern in diesem Haus lebte. Ein junger, illegaler Einwanderer aus Kenia nutzte das seit zwei Jahren leer stehende Haus als Unterschlupf und wird gleich von Cecilia unter ihre Fittiche genommen, um beim Umbau zu helfen. Eine geheimnisvolle Schatulle wird entdeckt, eine Haushälterin taucht wie aus dem Nichts auf, und die drei Studentinnen, die in die fertige Pension einziehen, könnten unterschiedlicher nicht sein.

Drama, Liebe, Intrigen und Verwicklungen – auch krimineller Natur – lassen nicht lange auf sich warten. Ein Liebesroman, der einfach alles bietet, was das Herz begehrt. Gut zu lesen an einem kühlen regnerischen Apriltag, aber auch durchaus als Lektüre für den Urlaub geeignet.

Von Karin Skrzypczak



Unser Buchtipp im DK vom 17.4.17
Buchhandlung Sabine Jünemann

Brian Sewell - PAWLOWA oder wie man eine Eselin um die halbe Welt schmuggelt

Insel Verlag, 172 Seiten; 14,00 €

Die Tierliebe der Briten ist fast schon sprichwörtlich zu nennen.

Eines Tages errettet Mr. B eine junge Eselin. Diese ist eigentlich noch viel zu klein, um die Last zu tragen, die man ihr aufgebürdet hat. Kein Insistieren ob des zu verpassenden Fliegers hält Mr B. von seinem Rettungsversuch ab. Er bleibt zurück im nächtlichen Peschawar mit einer gerade entwöhnten Eselin, die er aufgrund ihrer dünnen staksigen Beine nach der berühmten Ballerina Pawlowa nennt, ohne Aussicht auf ein Dach über dem Kopf und keinen Schimmer, wie er wieder nach London gelangen soll.

Ein alter Apotheker erbarmt sich seiner und verarztet das „Pflegekind“, sorgt für ein Nachtlager und gibt seinem späten Gast gleichzeitig noch viele wertvolle Tipps.

Von Peschawar bis London sind es grob geschätzt 5000 Meilen. Fliegen geht mit dem kleinen Tier nicht, bleibt also nur der Fußmarsch über die Schmuggelpfade. Das einzige größere Problem: Das Tierchen darf pro Tag nicht mehr als 5 Meilen laufen!

Da ist guter Rat teuer. Wie so oft findet sich aber eine hilfreiche Hand, die Mr. B und seiner Eselin unterstützend unter die Arme greift.

Ein modernes Märchen, das einem den Tag versüßt und einen angenehm entspannt nach Beendigung der Lektüre schmunzelnd zurücklässt. Ein feines Tässchen englischen Tees dazu kann auch nicht schaden.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 10.4.17
Buchhandlung Sabine Jünemann

Knut Krüger - Nur mal schnell das Mammut retten

dtv junior, 221 Seiten; 12,95 €

Schon lange wünscht sich der zehnjährige Henry sehnlichst ein Haustier. Am liebsten einen Hund, aber bei seinen Eltern beißt er auf Granit. Weder Hund noch Katze, geschweige denn Vogel oder Maus, da ist nichts zu machen!

Zufällig findet er im Wald ein verlassenes ... ja, was ist das denn für ein ungewöhnliches Etwas? Er nimmt das zottelige Wesen mit vier Beinen und einem Rüssel vorerst mal mit nach Hause. Da die Eltern in den Urlaub fahren, kommt Henrys Großmutter zu ihm zu Besuch und auch, um auf ihn aufzupassen.

Mit Hilfe von Zoe und Finn, seinen besten Freunden, verheimlicht er ihr die Existenz des Tieres, bei dem es sich wohl um ein kleines Mammut handeln muss. Gemeinsam versorgen die drei Freunde das verspielte Mammut, das sie inzwischen liebevoll Norbert nennen. Sie finden heraus, was es braucht. Sogar die Zugspitze besuchen sie, weil sie denken, dass ein Mammut Kälte mag. Am besten geht es Norbert aber, wenn er Zitronen bekommt. Und ob Henry ihn behalten darf?

Glücklicherweise ist da die englische Großmutter. Vielleicht kann die es ja richten, dass Henry sein ungewöhnliches Haustier behalten darf.

"Nur mal schnell das Mammut retten" ist eine quirlige Familien- und Freundschaftsgeschichte, die zum Selberlesen schon für geübte Achtjährige etwas ist. Sie eignet sich auch wunderbar zum Vorlesen.

Von Liisa Schmidt



Unser Buchtipp im DK vom 3.4.17
Buchhandlung Sabine Jünemann

Margit Ruile - Dark Noise

Loewe Verlag, 288 Seiten; 14,95 €

Zafer liebt es, mit seinem Computer zu arbeiten. Zum Einen ist er mit seinen Bildbearbeitungsprogrammen richtig gut, zum Anderen sind Computer keine Menschen, mit denen er nicht so gern umgeht. Als er per E-Mail den Auftrag bekommt, ein Überwachungsvideo und ein Foto zu manipulieren, ist er sofort dabei. Nur zu gern beweist er seinem anonymen Auftraggeber, wie schnell und professionell er ist.

Kurz darauf findet er auf seinem Konto einen unglaublich hohen Geldbetrag vor, und die von ihm bearbeiteten Bilder werden im Zuge einer Mordermittlung in allen Nachrichten gezeigt. Panik überkommt Zafer. Wird nun dank seiner Hilfe nach einem Unschuldigen gefahndet?

Nun fühlt er sich verfolgt und beobachtet. Auch die sympathische Programmiererin, die er vor kurzem kennen gelernt hat, scheint etwas mit den Ereignissen zu tun zu haben. Gemeinsam beginnen die Beiden gegen alle Widerstände, zu ermitteln. Bald sehen sie sich einem Gegner gegenüber, der größer und weitaus mächtiger ist, als sie selbst es sind. Gelingt es ihnen zusammen mit einigen guten Freunden und vereinten Kräften, wie David zu sein, der Goliath zu Fall bringt?

Margit Ruile hat mit diesem All-Ager einen technikaffinen Thriller geschrieben, der junge Männer ab 15 genauso anspricht wie Computer interessierte Leser, die hochaktuelle Spannungsliteratur zu schätzen wissen. Lassen Sie sich diesen fesselnden Krimi auf keinen Fall entgehen!

Von Liisa Schmidt



Unser Buchtipp im DK vom 27.3.17
Buchhandlung Sabine Jünemann

Jenny Blackhurst - Das Mädchen im Dunkeln

Lübbe Verlag, 431 Seiten; 10,00 €

Die Freundinnen Bea, Eleanor und Karen gelten seit vielen Jahren als eingeschworenes Trio. Immer haben sie aufeinander aufgepasst, auch wenn ihre Wege sich ein wenig auseinanderdividiert haben. Bea lebt als gutsituierte Single-Frau allein, Elenor ist verheiratet und hat zwei Kinder, und Karen hat eine Liaison mit Michael, der leider verheiratet ist.

Eines Tages wird Karen, die als Psychiaterin in einer Gemeinschaftspraxis arbeitet, von einer jungen Frau aufgesucht. Sie heißt Jessica Hamilton und stellt sich mit den Worten 'Sie können mich nicht wieder hinkriegen' vor. Von diesem Satz fühlt Karen sich natürlich herausgefordert, denn ihre Patienten wieder hinzubekommen, ist schließlich ihr Beruf. Sie ahnt allerdings nicht, auf welches Katz-und-Maus-Spiel sie sich da eingelassen hat. Die beiden Frauen sind einander absolut ebenbürtig, zumal beide Geheimnisse haben, die besser unangetastet bleiben sollten.

Dies ist Jenny Blackhursts zweiter Roman nach dem Erstling 'Die stille Kammer'. Er lädt mit seinen beiden parallel geführten Handlungssträngen den Leser geradezu dazu ein, seinen kleinen grauen Zellen das Äußerste abzuverlangen. Ein raffinierter Psychothriller und großartiges Kopfkino. Manchmal wünscht man sich, besser das Licht angelassen zu haben, bevor man schlafen geht.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 20.3.17
Buchhandlung Sabine Jünemann

Margret Greiner - Charlotte Berend–Corinth und Lovis Corinth

Herder Verlag, 295 Seiten; 14,99 €

„Ich will mir selbst gehören, nicht heiraten, keine Kinder haben und Malerin werden, wenn ich erwachsen bin.“ So dachte Charlotte als 10-jährige. Etwas verändert haben sich ihre Wünsche schon 4 Jahre später. Da liegen ihr die Jungs reihenweise zu Füßen. Noch mehr ändert sich Charlottes Sinn, als sie in der Ausstellung der Berliner Secessionisten 16-jährig das Bild der Salomé von Lovis Corinth entdeckt. Sie ist tief beeindruckt. Da dieser bekannte Berliner Maler auch noch Unterricht anbietet, sucht sie ihn hoffnungsvoll mit ihrer Mappe auf. Die Probestunde, die er ihr zugesteht, fällt glücklicherweise zufriedenstellend aus. Zukünftig darf Charlotte sich zu Corinths Schülerinnen zählen. Viele hat er nicht, da die meisten Elevinnen seinen Ansprüchen nicht genügen. So bleibt zum Schluss nur Charlotte übrig, der er ein hohes Talent bescheinigt. Damit soll sich der Wunsch der jungen Charlotte erfüllen: Sie wird Malerin werden, sich in einen der größten Berliner Künstler verlieben und ihn heiraten; ihren Lovis Corinth.

Trotz oder gerade wegen des großen Altersunterschieds harmonieren die beiden so unterschiedlichen Charaktere bis auf wenige Ausnahmen gut. Hinzu kommt die besondere Fähigkeit der jungen Frau, nicht nur den Haushalt führen zu können, sondern gleichzeitig Muse und Modell ihres Mannes zu sein und darüber hinaus auch noch selbst als Malerin tätig zu sein. Das ist keine Kleinigkeit, weder damals, noch heute.

Mit diesem kurzen Exkurs möchte ich sie auf eine Frau neugierig machen, die es als eine der Wenigen schaffte, auch später im Exil produktiv und erfolgreich zu sein. Margret Greiner hat es in dieser Roman-Biographie geschafft, Charlotte Berend-Corinth eine Stimme zu geben, die zu hören sich lohnt.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 13.3.17
Buchhandlung Sabine Jünemann

Paul Mendelson - Die Straße ins Dunkel

Rowohlt Verlag, 395 Seiten; 16,99 €

Colonel Vaughn de Vries arbeitet seit Jahrzehnten bei der Polizei in Südafrika. Als weißer Ermittler hat er es dabei nicht einfacher als seine farbigen Kollegen. Ganz im Gegenteil, immer wieder wird ihm unterstellt, er habe Vorurteile. Zu seinem Leidwesen kann er diesen Vorwurf nicht ganz von sich weisen, auch wenn er Ungerechtigkeit, Korruption und Gewalt hasst.

Als eine weiße Kunstmäzenin ermordet wird, scheint der Fall schnell klar zu sein. Die anstößigen Bilder, die sie zuletzt präsentiert hat, zogen den Zorn einer christlichen Gemeinde auf sich. Ein Mitglied dieser Gruppe wird bald seinerseits tot aufgefunden, mit der Tatwaffe und einem Flyer der Galerie im Rucksack, gestorben offenbar an einer Überdosis Drogen.

De Vries erscheint diese Lösung jedoch inszeniert zu sein. Die Verbindung der Toten und ihrer Familie zu hochrangigen Politikern deutet doch ganz andere Motive an. Als der Ermittler sich von anderen Polizisten verfolgt und ausspioniert fühlt, ahnt er, dass die Täter in den eigenen Reihen zu finden sein könnten.

Paul Mendelsons spannender Thriller entführt uns ins düstere Herz Südafrikas. Gleichzeitig stellt er uns Menschen vor, die gegen alle Widerstände für Gerechtigkeit und gegen den allgegenwärtigen Rassenhass und politische Verstrickungen kämpfen, obwohl sie selbst zutiefst geprägt sind von dem System, in dem sie aufgewachsen und zu Hause sind.

Von Liisa Schmidt



Unser Buchtipp im DK vom 6.3.17
Buchhandlung Sabine Jünemann

Jacky Fleming - Das Problem mit den Frauen

Kiepenheuer und Witsch, ohne Paginierung; 12,00 €

Fragen Sie sich manchmal auch, weshalb der Weltfrauentag eingeführt wurde? Haben Sie im Geschichtsunterricht der Schule auch nur eine knappe Handvoll bedeutender Frauen kennengelernt? Oder wussten Sie, dass ihre Arme angeblich immer zu kurz und die Gehirne stets zu klein seien, um wirklich Herausragendes zu leisten? Dieses Buch erklärt Ihnen mit beißendem Humor, warum. Auf jeder Seite finden wir eine Illustration mit einem passenden Kommentar, der beleuchtet, wie Frauen im Laufe der Geschichte von Männern gesehen wurden.

Oftmals ist der Blick des anderen Geschlechts dabei nicht gerade schmeichelhaft, sondern voller Klischees und niederschmetternder Fehleinschätzungen. Heutzutage wird den Frauen natürlich sehr viel mehr zugetraut, wie man an der Besetzung der gut dotierten Vorstandsposten sehen kann. Trotzdem ist es erhellend, zu sehen, mit welchen Vorurteilen Frauen zu kämpfen hatten. Heute ist das natürlich kein Problem mehr, oder etwa doch?

Schwarzer Humor vom Feinsten!

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 27.2.17
Buchhandlung Sabine Jünemann

Daniel Speck - Bella Germania

Fischer Verlag, 622 Seiten; 14,99 €

In Mailand zeigt Julia ihre Modekollektion: Ein riesiger Triumph, denn eine große Modefirma kauft die gesamte Kollektion und bittet um neue Entwürfe. Nun ist es endlich geschafft, mit 36 Jahren musste Julia lange auf einen Erfolg wie diesen warten. Eines verwirrt die Modeschöpferin jedoch sehr.

Wer ist der ältere Herr, der ihr so herzlich gratuliert und behauptet, ihr Großvater zu sein? Julia ist als Halbwaise bei ihrer Mutter, einer Journalistin, aufgewachsen. Ihr Vater, ein italienischer Gastarbeiter, ist ihres Wissens nach vor vielen Jahren verstorben. Misstrauisch weist Julia den alten Herrn namens Vincent Schlewitz ab.

Das Foto, das er der jungen Frau zeigt, bringt sie allerdings ins Grübeln. Es zeigt Vincent als jungen Mann in Begleitung einer hübschen, gut gekleideten Italienerin auf der Piazza del Duomo in Mailand. Die Ähnlichkeit zwischen der abgebildeten Frau und Julia selbst ist frappierend. Ein Schock für Julia! Sollte ihre Mutter sie etwa zu ihrer Herkunft belogen haben? Ihre Nachforschungen bringen Julias Familienbild ins Wanken.

Daniel Specks wunderbarer Roman über die Zeit des Hüftschwungs und des Wirtschaftswunders ist eingebettet in eine geheimnisvolle Familiengeschichte. Dieses Buch lässt sich so rasch lesen, wie sich ein leckeres Gelato im Italienurlaub vernaschen lässt. Sollte Sie bei diesem Wetter die Sehnsucht nach dem Süden packen, in diesem Roman wird sie befriedigt. Viel Spaß!

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 20.2.17
Buchhandlung Sabine Jünemann

Elena Ferrante - Die Geschichte eines neuen Namens

Suhrkamp Verlag, 623 Seiten; 25,00 €

Wer schon „Meine geniale Freundin“ von Elena Ferrante mit Begeisterung gelesen hat, wird sich auch der Sogwirkung des zweiten Teils „Die Geschichte eines neuen Namens“ nicht entziehen können. Elena und Lila auf ihrem weiteren Lebensweg zu begleiten, ist wieder genauso spannend, unterhaltsam und teilweise von erschreckender Deutlichkeit und Brutalität geprägt. Das Leben für die inzwischen verheiratete siebzehnjährige Lila bringt neben Wohlstand und gesellschaftlichem Ansehen eine frühe, mit einer Fehlgeburt endende Schwangerschaft mit sich. Die gleichaltrige Elena hingegen erreicht ihren mit viel Arbeit verbundenen Abschluss an der Schule in Neapel, der ihr die Möglichkeit eines Studiums eröffnet. Der Lebensweg der beiden jungen Frauen driftet immer weiter auseinander. Dennoch verlieren sie sich nicht ganz aus den Augen und haben jede für sich das Gefühl, dass es die jeweils andere besser getroffen hat.

Auch dieser Teil lebt von dem Kontrast des Neapels der kleinen Leute und dem intellektuell politischen Umfeld der Studierenden, die sich immer wieder begegnen, ohne sich wirklich zu verstehen. Ein wunderbarer Roman, den man einfach nur lesen sollte, ohne dass zu viel vorher verraten wurde. Es lohnt sich einfach wieder Elena Ferrante zu lesen.

Von Karin Skrzypczak



Unser Buchtipp im DK vom 13.2.17
Buchhandlung Sabine Jünemann

Maiken Nielsen - Und unter uns die Welt

Wunderlich Verlag, 445 Seiten; 19,95 €

Was für ein Abenteuer, was für eine Ära! Die Zeppeline prägten die Zwischenkriegszeit des 20sten Jahrhunderts. Sie waren für manche Menschen nicht nur der Weg in ein neues Zeitalter, sondern auch ein Mittel zur Verwirklichung Ihrer Träume. Genauso ergeht es Christian Nielsen, einem Matrosen von der Insel Sylt, der nur knapp als Schiffbrüchiger seine erste Fahrt um Kap Hoorn überlebt hat.

Wie vielen anderen Insulanern Nordfrieslands bleibt ihm nichts anderes übrig, als sein Geld als Matrose zu verdienen, da Arbeitsplätze auf den Inseln rar sind. Seine Ziele sind höher gesteckt. Er will fliegen lernen, als Nautiker auf einem Zeppelin arbeiten und die Welt sehen. Letzteres konnte er zwar schon als Matrose, aber die Erde von oben zu betrachten, verspricht doch buchstäblich einen ganz anderen Blickwinkel. Ein dorniger Weg liegt vor ihm, zumal sich die wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse gravierend verändern.

Maiken Nielsen hat mit diesem Roman nicht nur die spannende Geschichte ihres Großvaters beschrieben, sondern auch packend die Zeit zwischen dem ersten und zweiten Weltkrieg dargestellt: eine Zeit reich an Entbehrungen, gleichzeitig aber voller Lebenslust, eine Ära des technischen Fortschritts und Aufbruchs. Durch die Möglichkeit, den Atlantik durch die Luft zu überqueren, rücken nicht zuletzt ganze Kontinente zusammen. Natürlich kommt auch die Liebe nicht zu kurz, so dass dieser Roman sowohl männliche, als auch weibliche Leser gefangen nimmt.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 6.2.17
Buchhandlung Sabine Jünemann

Mary Morris - Die Musik der verlorenen Kinder

Aufbau Verlag, 380 Seiten; 12,99 €

Jeder Junge träumt seinen eigenen, ganz besonderen Traum. Benny Lehrmann möchte Jazz-Pianist werden. Leider goutieren weder seine Eltern noch sein Musiklehrer diese Stilrichtung. Zu sehr ist sie den Erwachsenen verbunden mit Bars, in denen Whisky und Bier in Strömen fließt und der Schmelztiegel Chicago Schwarze und Weiße zusammentreffen lässt.

Zuwanderer aus der alten Welt, die es über New York hierher geschafft haben und Schwarze aus dem Süden, die der Ruf der Freiheit und Gleichheit im Norden angezogen hat: Alle bringen ihre Musik mit, und die Klänge und Rhythmen ergeben eine neue Mischung, die einem entweder sofort ins Blut geht oder als Negermusik verdammt wird.

Benny verfällt dieser Musik mit Haut und Haar und nutzt geschickt die Botengänge, die er für die Mützenfabrik seines Vaters erledigt. Die Auslieferung der Kopfbedeckungen erfolgt in ganz Chicago, also auch in den Kneipenvierteln. Findig, wie der 15-Jährige ist, verschafft er sich Zutritt zu den Kneipen und Spelunken, aus denen die Töne erklingen, die für ihn die Welt bedeuten. Täglich aufs Neue setzt er sich so gegen seinen Vater durch, der in Benny bereits seinen Nachfolger sieht, der die Fabrik weiter voranbringen wird. Vollends kompliziert wird Bennys Leben durch ein großes Schiffsunglück auf dem Michigansee, der nicht nur sein Leben noch mehr durcheinanderwirbelt, sondern auch auf ein ganz besonderes Mädchen treffen lässt.

Kann sie Bennys große Liebe, die Musik, vielleicht vergessen machen?

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 30.1.17
Buchhandlung Sabine Jünemann

Clare Mackintosh - Alleine bist du nie

Bastei-Lübbe, 441 Seiten; 10,90 €

Mehr Sicherheit durch Überwachung ist auch in London ein großes Thema. Die U-Bahn und ihr Umfeld werden weitläufig videoüberwacht. So gibt es von jedem, der sie regelmäßig benutzt, ein ziemlich genaues Bewegungsprofil. Tauchen dann auf einmal Fotos von Frauen, die mit der U-Bahn auf dem Weg zur Arbeit fast täglich unterwegs sind, in Zeitungsannoncen auf, die sich zwischen Hotlines und anderen dubiosen Anzeigen befinden, und wird dann eine von ihnen ermordet aufgefunden, kann man schon eine gewisse Nervosität, wenn nicht sogar Angst verspüren. So geht es jedenfalls Zoe Walker, geschieden, zwei erwachsene Kinder und mit neuem Lebensgefährten in einem Londoner Vorort wohnend, als sie plötzlich auch ihr Foto entdeckt und Zusammenhänge sieht, die außer ihr anfänglich nur noch die junge Polizistin Kelly vermutet. Wer beobachtet all diese Frauen und warum? Und in welcher Gefahr befindet sich Zoe wirklich?

Unsagbar spannend wird hier eine mitreißende Geschichte erzählt, deren Ende man kaum erwarten kann. Claire Mackintosh hat hier mit ihrem zweiten Buch nach dem großen Erfolg ihres Erstlings „Meine Seele so kalt“ einen ebenso faszinierenden wie spannenden Psychothriller nachgelegt.

Von Karin Skrzypczak



Unser Buchtipp im DK vom 23.1.17
Buchhandlung Sabine Jünemann

Tom Hillenbrand - Gefährliche Empfehlungen

KiWi Verlag, 408 Seiten; 9,99 €

Xavier Kieffer, der luxemburgische Sternekoch, unterstützt seine Freundin Valerie Gabin, die gerade das große Jubiläum des im Familienbesitz befindlichen Verlags feiert. Sie bringt unter anderem den legendären 'Guide Bleu', den französische Gastroführer par exellence heraus. Natürlich sollen nun alle jemals erschienenen Bände präsentiert werden, nur fehlen dem Verlag einige Exemplare aus der Anfangszeit.

Besonders der Jahrgangsband von 1939 scheint sehr gesucht, ja geradezu begehrt zu sein. Genau dieses Buch wird trotz größter Sicherheitsvorkehrung am Abend der Jubiläumsfeier gestohlen. Das ist jedoch nicht das einzige Verbrechen in dieser Nacht. Es gibt auch noch einen Toten zu betrauern, den Leiter der französischen Nationalbibliothek. Jener hatte den äußerst seltenen 'Guide bleu' von 1939 zur Verfügung gestellt.

Für Kieffer ist nun guter Rat teuer. Was hat es mit dem veralteten Restaurantführer auf sich? Die Sternerestaurants von damals sind doch längst passé. Birgt das Buch womöglich noch ein anderes Geheimnis? Dem Luxemburger schwant Böses und den Gästen seines Lokals ebenso. Bereits mehrmals wurde ihr geschätzter, kochender Freund in Abenteuer verwickelt, die der Gesundheit nicht zuträglich waren.

Mit Xavier Kieffer ist Tom Hillenbrand eine wunderbar bodenständige und kauzige Figur gelungen der man mit viel Vergnügen durch seine verwickelten Fälle folgt. Ganz nebenbei lernt man noch etwas über Land, Leute und lokale Küche. Ein wahrer Schmaus für Augen und Bauch. Bon Appetit.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 16.1.17
Buchhandlung Sabine Jünemann

Stephen Hawking - Haben schwarze Löcher keine Haare?

Rowohlt Verlag, 52 Seiten; 10,00 €

Stephen Hawking ist wohl der bekannteste lebende Physiker, der nicht nur durch seine Genialität beeindruckt, sondern auch durch seine körperliche Verfassung berührt. Bereits mit 20 erfuhr er von seiner Erkrankung an ALS, die ihm laut seines Arztes nur noch wenige Monate Lebenszeit lassen sollte. In diesem Jahr ist anlässlich seines 75sten Geburtstags dieser kleine Band, der zwei seiner Vorträge enthält, erschienen.

In beiden übersichtlichen und auch für Laien nachvollziehbaren Texten geht es um schwarze Löcher, die Hawking Zeit seines Forscherlebens faszinieren und beschäftigen. Er beschreibt, wie diese Himmelskörper entstehen, was passiert, wenn man einem begegnet, und wie sie nach bestehenden Regeln der Physik beschrieben werden müssen. Er macht aber auch klar, wie viele Fragen im Zusammenhang mit diesen Objekten noch offen sind. Einige Beobachtungen, die Astrophysiker auf diesem Feld gemacht haben, führen zu Paradoxien, die Hawking durch die Überlegungen, die er in den letzten Jahren angestellt hat, aufzulösen versucht.

Wenn Sie also erfahren möchten, was es mit der Hawking-Strahlung, dem Informationsparadoxon und haarigen schwarzen Löchern auf sich hat, lesen Sie dieses Buch. Dem Popstar der theoretischen Physik ist es mal wieder gelungen, abstrakte Inhalte verständlich und vor allem unterhaltsam darzustellen. Für Alle, denen dieses Lesevergnügen fast ein wenig zu schnell ausgelesen ist, finden sich außerdem Hinweise auf weitere Werke des Wissenschaftlers im Anhang des Buches, die man am liebsten gleich alle auf einmal erwerben möchte, um noch mehr zu lesen.

Von Liisa Schmidt



Unser Buchtipp im DK vom 9.1.17
Buchhandlung Sabine Jünemann

Guinevere Glasfurd - Worte in meiner Hand

List Verlag, 431 Seiten; 9,99 €

Wer bereits einmal in Amsterdam gewesen ist, wird vielleicht die Tafel vor dem Haus Nummer 6 am Westermarkt gelesen haben: "Hier wohnte im Jahr 1634 René Descartes." Zum damaligen Zeitpunkt gehörte das Haus dem englischen Buchhändler Thomas Sergeant. Für ihn arbeitet die Magd Helena Jans van der Strom, die sowohl sehr tüchtig, als auch des Lesens und des Schreibens kundig ist.

Fasziniert vom ununterbrochenen Arbeitseifer des Gastes erkundigt sich die Bedienstete neugierig nach den Studien des Philosophen. Descartes zeigt sich sowohl überrascht als auch erfreut über das Interesse der jungen Frau. Ihr ein wenig von seinen Kenntnissen zu vermitteln, fällt ihm nicht schwer.

Zwischen den Beiden entspinnt sich eine anrührende Liebesgeschichte, die natürlich nicht folgenlos bleibt. Helena gebiert ein kleines Mädchen, das sie Francine nennt. Im Gegensatz zu anderen illegitimen Verbindungen, bei denen die schwangere Gespielin verstoßen wird, bleibt das Paar einander verbunden. Descartes kümmert sich auch weiterhin um seine Liebste und versucht gleichzeitig, Helena nicht nur finanziell abzusichern, sondern ihrer beider Leben auf soliden Grund zu stellen.

Aber lesen Sie selbst, wie es den Beiden ergeht. Auch Sie werden Helena und ihrer feinsinnigen, wissbegierigen Natur restlos verfallen. Ein Frauenschicksal, das anrührt und nachdenklich stimmt.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 2.1.17
Buchhandlung Sabine Jünemann

Ilke S. Prick - Vergissmeinnicht war gestern

Insel Verlag, 258 Seiten; 9,00 €

So hatte sich Marieke den Jahresabschluss nicht vorgestellt, allein in einer Berliner Hinterhofwohnung. Das Knallen der Feuerwerkskörper im Ohr und das hellerleuchtete Vorderhaus als Anblick. Das Neue Jahr beginnt für sie mit einem schweren Kater, nachdem sie sich allein von diesem alten Jahr verabschiedet hat, nach der Trennung von ihrem Zahnarztfreund.

Geweckt wird sie von Ihrer Schwester Alexandra, die ihr doch allen Ernstes rät, dessen Affäre, die Marieke zum Auszug aus dessen Haus bewog, doch als Midlifecrisis abzutun. Aber nicht mit Marieke, deren wilder künstlerischer Geist langsam wieder erwacht, auch wenn sie sich in der Hinterhofwohnung nur als Mieterin auf Zeit sieht, sozusagen übergangsweise.

So nach und nach lernt die Mitvierzigerin nicht nur wieder das Malen und Zeichnen, sondern entdeckt auch ihre Umgebung neu, ganz zu schweigen von Ihrem Job als Taxifahrerin, der ihren Broterwerb darstellt. Die ganze Hausgemeinschaft aus Vorder- und Nebenhaus trifft sich an der großen Kastanie im Innenhof, die dort seit vielen Jahrzehnten steht und einen eigenen Mikrokosmos gebildet und so die Bewohner im Umfeld gleichsam auch mit einbezogen hat.

Für Marieke ist diese Solidargemeinschaft ein Glücksfall, lehrt diese sie doch nicht nur wieder Freude am Leben zuhaben, sondern lässt sie auch ihre ureigenste Farbe, das changierende BLAU wiederfinden, das sie schon fast verloren geglaubt hatte.

Ein wunderbarer Schmöker für den Jahreswechsel mit dem sich das neue Jahr positiv begrüßen lässt.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 26.12.16
Buchhandlung Sabine Jünemann

Catharina Ingelmann-Sundberg, Regine Kämper - Jetzt kriegt jeder was ab

Fischer Verlag, 378 Seiten; 9,99 €

In diesem Roman läuft das Rentner-Quintett Märtha, Snille, Kratze, Stina und Anna-Greta zu Hochform auf. Glücklich dem Altenheim entkommen, wollen sie auch anderen Senioren helfen, einen schönen Lebensabend zu verbringen. Aber wie unterstützt man Pflegeheime und Kultureinrichtungen, wenn man kaum genug Geld hat, um selbst über die Runden zu kommen?

In Las Vegas gelingt es den delinquenten Rentnern dann, ein Casino auszunehmen und mit mehreren Millionen im Gepäck heimzukehren. Doch nachdem sie sich eine Villa gekauft und ihnen der Rest ihres Geldes abhandengekommen ist, stehen sie mit ihren wohltätigen Plänen wieder ganz am Anfang.

Den alten Leuten kommen jedoch immer neue Ideen, wie Sie ihr leeres Konto füllen können. Pläne zum Überfallen von Banken und Museen werden geschmiedet und umgesetzt. Auch die Rockerbande aus dem Nachbarhaus fordert Aufmerksamkeit ein, denn die Biker mit ihren Lederoutfits und Tätowierungen sind so gefährlich, wie sie aussehen.

Dieser Roman ist durch seine amüsante Handlung voller Wendungen sehr unterhaltsam zu lesen. Wenn Sie nach der anstrengenden Weihnachtszeit einfach mal ein lustiges Buch schmökern möchten, liegen Sie mit 'Jetzt kriegt jeder was ab‘ genau richtig.

Von Liisa Schmidt



Unser Buchtipp im DK vom 19.12.16
Buchhandlung Sabine Jünemann

Arnaldur Indridason - Nacht über Reykjavik

Bastei-Lübbe, 381 Seiten; 10,99 €

Der junge Streifenpolizist Erlendur Sveinsson ist nachts unterwegs in der isländischen Hauptstadt Reykjavik und trifft bei seinen Fahrten auf Betrunkene, Drogendealer, Gewalt in Familien und auch auf viele Obdachlose. Einer von ihnen ist Hannibal, dem er häufiger begegnet und dessen plötzlicher Tod durch Ertrinken ihn nicht zur Ruhe kommen lässt. So fängt er in seiner Freizeit an, Nachforschungen anzustellen. Erlendur trifft sich mit anderen Obdachlosen und nimmt auch Kontakt mit Hannibals Familie auf. Da er sich auch für andere, nicht aufgeklärte Verbrechen interessiert, fällt ihm bald ein möglicher Zusammenhang zu einer etwa zur gleichen Zeit als vermisst gemeldeten Frau auf. Nach einer Feier ist sie nicht mehr zu Hause bei ihrem Mann angekommen. So streift Erlendur auf eigene Faust durch Reykjavik und nähert sich immer mehr der Lösung dieser beiden scheinbar nur für ihn interessanten Fälle.

Wer die Island Krimis von Arnaldur Indridason gerne liest, wird sich sicherlich freuen, hier den Einstieg in die Reihe um den späteren Ermittler Erlendur Sveinsson zu bekommen. Für alle anderen ist es die wunderbare Gelegenheit, erstmalig die Island Krimis für sich zu entdecken. Spannende, gute Unterhaltung ohne unnötige Brutalitäten. Fesselnd bis zum Ende!

Von Karin Skrzypczak



Unser Buchtipp im DK vom 12.12.16
Buchhandlung Sabine Jünemann

Natalie Meg Evans - Das Geheimnis der Hutmacherin

Heyne Verlag, 622 Seiten; 9,99 €

Anfang der 40er Jahre sind die bekanntesten Hutmacherinnen von Paris Henriette Junot und Coralie de Lirac, die sich erbitterte Gefechte um die beste und schönste Kollektion liefern. Mme Junots Hutsalon galt bisher als das Nonplusultra. Coralie, die erst seit kurzem Besitzerin einer Hutmanufaktur ist, stellt jedoch sehr kreative und unkonventionelle Kopfbedeckungen her. Über ihr früheres Leben erzählt die Neueinsteigerin tunlichst nichts und umgibt sich mit einer geheimnisvollen Aura.

Knapp drei Jahre zuvor war Cora, wie sie eigentlich heißt, in Begleitung eines deutschen Kunsthändlers aus London nach Frankreich eingereist. Damit folgte sie ihrem sehnlichsten Wunsch, Paris kennen zu lernen und dort eigene Hüte zu modellieren. Ihr Talent spricht sich schnell herum, und trotz einiger Widrigkeiten gelingt es ihr, eine neue Identität anzunehmen und eine Karriere zu starten, die ihresgleichen sucht.

Als jedoch die Wehrmacht Frankreich besetzt und Paris erobert, ist guter Rat teuer, zumal Cora eine Freundin beherbergt, die als Jüdin in Lebensgefahr schwebt. Wer wäre besser geeignet, zu helfen, als ihr ehemaliger Freund, der Kunsthändler? Immerhin ist er als Generalmajor der Besatzungsarmee in der Lage, die richtigen Papiere zu besorgen. Wird er das aber auch tun?

'Das Geheimnis der Hutmacherin' ist ein spannendes Buch über eine Frau, die mutig und gewitzt ihren eigenen Weg geht, um ihre Träume zu verwirklichen. Manchmal einem Schelmenroman gleich ist die Handlung mit der Tragik der historischen Ereignisse verknüpft. Ein Schmöker, so ganz das Richtige für kalte Wintertage.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 5.12.16
Buchhandlung Sabine Jünemann

Caroline Bernard - Rendezvous im Café de Flore

Aufbau Verlag, 432 Seiten; 12,99 €

"Sous le ciel de Paris ..."

Der richtige Ort für einen Hochzeitstag. Lili Marlène wird dorthin von ihrem Mann Jean-Louis eingeladen. Sie ist entzückt, hat sie doch als junge Frau dort studiert und sich damals Hals über Kopf in die Stadt verliebt und freut sich darauf, ihrem Mann die geliebten Plätze von damals zu zeigen.

Vor Ort zeigt sich, dass Jean-Louis Paris gar nicht mag und nur wegen einer Oldtimer-Ausstellung mitgekommen ist. Wütend lässt Lili ihren Gatten stehen. Sie entscheidet sich spontan für einen Besuch des Musée d'Orsay, auf den sie sich insgeheim schon lange freut. Maler, ihre Bilder und die verschiedenen Kunststile will sie neu entdecken. Auf das Bild, dass sie dabei als erstes erblickt, ist sie jedoch nicht gefasst.

'Nach dem Ball' von David Marlow Scott von 1939 zeigt ein Abbild, das ihr selbst bis auf das Muttermal gleicht, wie ihr auch ein anderer Besucher der Ausstellung bestätigt. Wer mag die Frau auf dem Bild sein? Die kunsthistorischen Instinkte und vor allem der Familiensinn Lili Marlènes sind geweckt. Irgendwo muss sie doch etwas über ihre rätselhafte Doppelgängerin herausfinden können. Lili beginnt nicht nur eine Reise in ihre eigene Vergangenheit, sondern auch in die Geschichte ihrer Familie. Die Geheimnisse, die sich dabei auftun, vermitteln nicht nur das spannende Leben einer früheren Generation, sondern geben auch Lili Marlènes Leben neuen Schwung.

Ein spannender Roman über die Rätsel der Liebe und die Irrwege des Lebens. Magnifique!

Von Sabine Jünemann