Buchtipp

Unser Buchtipp im DK vom 18.11.19

Renate Feyl - Die unerlässliche Bedingung des Glücks

Buchhandlung Sabine Jünemann

Kiepenheuer & Witsch, 428 Seiten, 24,00 €

Wer gut erzählte historische Romane liebt, für den ist das neue Buch von Renate Feyl genau die richtige Lektüre. Sie beschreibt den Beginn der deutschen Arbeiterbewegung in Deutschland anhand der Begegnung zwischen Ferdinand Lassalle und der Gräfin Sophie von Hatzfeldt in so starken Bilder, dass man glaubt, sich mitten im Geschehen zu befinden. Der Student Lassalle macht es sich zur Aufgabe, der zwanzig Jahre älteren Gräfin bei der Scheidung von einem der reichsten und einflussreichsten Männern des Landes zu helfen, der ihr in den vielen Jahren Ehe nur Leid in jeglicher Form zugefügt hat. Sie wiederum unterstützt den temperamentvollen Lassalle zusammen mit ihrem jüngsten Sohn Paul bei seinen politischen Aktivitäten.

Auch durch Verleumdungen, Erpressungen und Gefängnisaufenthalte lassen sie sich nicht davon abhalten, für ihre Sache zu kämpfen. Die Gräfin Hatzfeldt mit Hilfe von Lassalle für ihre persönliche Freiheit und beide zusammen auch für die Freiheit aller und dem damit verbundenen Umbruch. Ein leichter, unterhaltsamer Einstieg in die Zeit der Revolution und die Anfänge der Sozialdemokratie, behutsam verpackt in eine spannende Geschichte von Verrat und Liebe.

Von Karin Skrzypczak



Unser Buchtipp im DK vom 11.11.19

David Walliams - Banditen-Papa

Buchhandlung Sabine Jünemann

Rowohlt Verlag, 434 Seiten, 15,00 €

Väter gibt es in allen Größen und Liebenswürdigkeiten, einen Banditen-Papa jedoch kann nicht jeder sein Eigen nennen.

Franks Vater ist einer der besten Stockcar-Rennfahrer Englands. Seit seinem verhängnisvollen Unfall jedoch geht es leider mit ihm bergab. Einfallsreich wie er ist, geht er einen Handel mit einem Mann ein, der nicht ganz rechtschaffen ist. Mr. BIG hält sich für den größten Gangsterboss der Stadt, was nicht ganz zutrifft. So nimmt das Verhängnis seinen Lauf, denn der Deal hat sich als ganz schlecht erwiesen, und Frank steht plötzlich ohne seinen geliebten Papa da, da dieser vorerst ins Gefängnis muss. Frank muss sich etwas einfallen lassen, um seinem Papa aus dem Schlamassel zu helfen, denn 10 Jahre ohne Papa sind einfach zu lang.

Bei David Walliams sind immer Kinder die Helden, da die Erwachsenen manchmal einfach zu dumm sind. Und natürlich darf Raj der Kioskbesitzer nicht fehlen, eben jener Verbündete, der schon aus den anderen Büchern bekannt ist und den Kindern stets unverlangt Tipps und Süßigkeiten gibt.

Ein Buch voller gemeiner Gangster, wilden Verfolgungsjagden, schusseligen Polizisten und vielen weiteren stürmischen Ideen, wie immer genial illustriert von Tony Ross. Für Menschen ab 12 bis 99 Jahre mindestens.

Von Sarah Klecker



Unser Buchtipp im DK vom 4.11.19

Tom Saller - Ein neues Blau

Buchhandlung Sabine Jünemann

List Verlag, 416 Seiten, 20,00 €

Alles beginnt mit dem Wunsch Friedrich des Großen nach einem besonderen Blauton für sein neues Porzellan. Es war eine Ära, in der das weiße Gold die Herrscher geradezu süchtig machte. Nach mühseligen Versuchen gelingt es, und der Monarch tauft jene Farbe „bleu mourant“ und verleiht der Manufaktur ein königliches Privileg.

Über 200 Jahre später lebt die junge Lili Kuhn in Berlin ohne eine Idee, was sie mit ihrer Zukunft anfangen soll. Durch einen Zufall lernt sie den Direktor der nunmehr Staatlichen Porzellan Manufaktur kennen, und ihr wird klar, was sie werden möchte. Porzellanmalerin und -gestalterin. Sie lernt auf Burg Giebichenstein, zu jener Zeit innovativsten Schule für Kunst und Handwerk nach dem Bauhaus, mit Gerhard Marcks und Marguerite Friedländer als Ausbilder. Das drohende Unheil nimmt sie noch nicht wahr – noch ist die NSDAP nur eine politische Partei. Dennoch muss sie wenig später fliehen und kehrt erst viele Jahre später wieder nach Deutschland zurück in ihr Elternhaus.

Alt und allein sucht sie Gesellschaft und findet sie in Anja, einer 18-jährigen Gymnasiastin kurz vor dem Abitur, aufsässig und mindestens eben so verschlossen wie die alte Dame. Sie nähern sich nur zögerlich an. Als sich die beiden Frauen einander öffnen und unausgesprochene Wahrheiten ans Tageslicht kommen, klärt sich so manches Geheimnis. Nur eines bleibt rätselhaft: Was hat es mit der mysteriösen Porzellanschale auf sich, die Lili ihr ganzes Leben wie ihren Augapfel gehütet hat?

Ein wunderschöner zeitgeschichtlicher Roman, klug und geistreich mit einer enigmatischen Prise. Ach ja, und über Porzellan erfährt man en passent auch noch eine ganze Menge.

Ein Buch für alle die Freude am Genuss schöner Dinge haben.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 28.10.19

Caroline Bernard - Frida Kahlo und die Farben des Lebens

Buchhandlung Sabine Jünemann

Aufbau Verlag, 352 Seiten, 12,99 €

Wie ein Wirbelwind fegt die siebzehnjährige Frida Kahlo durch die Gänge der Preparia, der Vorbereitungsschule auf die Uni in Mexiko-Stadt. Sie hat sich verspätet und ist mit ihren Freunden verabredet, um gemeinsam nach Hause zu fahren. In letzter Minute erreichen sie und ihr bester Freund den Bus, der in ihren Vorort fährt.

Plötzlich, ein schrilles Kreischen! Der Bus ist mit einer Straßenbahn zusammengestoßen, und unter den Verletzten ist Frida: Eine Eisenstange hat ihren Körper durchbohrt, so dass sie aussieht wie eine gefolterte Gepfählte aus den Zeiten der Reconquista.

Es wird Monate und viele Operationen dauern, bis die junge Frau wieder halbwegs gesund ist. Während ihrer Rekonvaleszenz in einem Gipskorsett ans Bett gefesselt, langweilt sie sich halb zu Tode. Erst als ihr Vater ihr einen Malkasten mit Aquarellfarben schenkt, beginnt sie wieder aufzuleben. Zuerst bemalt sie ihr Gipskorsett mit vielen bunten Blumen, bis es aussieht wie die farbenfrohen Blusen der Indiofrauen. Immer weiter übt sie und fertigt erste Porträts ihrer Familienmitglieder, dann jeden, den sie zum Modellsitzen überreden kann. Es entstehen ausdrucksstarke Bilder, die ihresgleichen suchen.

Sobald sie wieder laufen kann, versucht sie sich mit ihren Freunden zu treffen. Dabei wird sie Zeugin der Niederschlagung eines Aufstandes gegen ausbeutende Fabrikbesitzer. Dieser Vorfall lässt sie in die kommunistische Partei eintreten. Hier lernt sie bei einer Fiesta Diego Rivera, den bekanntesten Maler Mexikos, kennen und verfällt ihm rettungslos.

Die beiden werden ein Paar. Trotz aller Liebe und Leidenschaft schockieren die Beiden ihre Umwelt mehr als einmal. Ihre Beziehung ist von gegenseitiger Verletzungen geprägt. Auch Fridas Kinderwunsch bleibt wegen der zurückbehaltenen Schäden vom Unfall unerfüllt. All ihre Kraft fließt nun in ihre Malerei, und es entstehen Werke von berührender, teils verstörender und beeindruckender Schönheit.

Die Spätfolgen des Unfalls fordern schließlich ihren Tribut, und Frieda stirbt 1954 am 13. Juli mit nur 47 Jahren. Diego Rivera lässt ihre Habe und Haus für 15 Jahre verschließen. Das es fast 50 Jahre dauern sollte bis das Leben der bekanntesten Malerin Mexikos wieder bekannt und erforscht wird, ist eine andere Geschichte.

Als Einführung in Frieda Kahlos Leben und Wirken ist dieser Roman gut geeignet und sehr lesenswert. Wer Hunger auf mehr hat, findet unzählige Bildbände und Biographien über diese Ausnahmekünstlerin, die vertiefendes Wissen vermitteln.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 21.10.19

Jenny Blackhurst - Mein Herz so schwarz

Buchhandlung Sabine Jünemann

Bastei-Lübbe Verlag, 396 Seiten, 11,00 €

Wir befinden uns auf einer Hochzeit, alle sind vergnügt, die Braut macht einen Spaziergang entlang der Klippen, schaut bedächtig auf die Hochzeitsgäste, sinniert, und stürzt sich im nächsten Moment die Klippen hinab.

Jenny Blackhurst wirft uns und die Protagonisten kopfüber in einen etwas anderen Kriminalfall hinein, um dann in aller Seelenruhe jeden an der Nase herumzuführen. Es wird in erster Linie aus der Sicht der besten Freundin Rebecca erzählt, mit Rückblenden aus der Sicht der Braut Evie. Und gleich nach dem Sturz offenbart eben jene beste Freundin, dass sie eingeweiht war in Evies Absichten. Doch warum?

Nach und nach enthüllt sich die ganze Misere, die diese junge Frau in den Tod stürzen ließ. War es tatsächlich Selbstmord? Der Ehemann ist überzeugt, es muss Mord gewesen sein. Oder könnte sie gar...?

Hier geht es um eine Frauenfreundschaft die stark aus dem Gleichgewicht geraten ist. Um Erpressung und fiese Geheimnisse. Die strahlende Evelyn und die unscheinbare stille Rebecca, die immer an Evies Seite ist. Ohne die sie nicht kann und es nun muss.

Der Roman kommt ein bisschen wie eine (sehr gute!) Telenovela her, deren viele Wendungen und Offenbarungen immer wieder angenehm überraschen. Dieser Krimi kommt ohne Blut und Leiche aus und spielt mit den Gefühlen der Leser, bis sie nicht mehr wissen wessen Herz so schwarz ist, um dafür möglicherweise über Leichen zu gehen.

Die Autorin schafft es bist zum letzten Kapitel, einen im Ungewissen zu lassen, um das Ganze dann mit einem Knall aufzulösen. Kein klassischer Krimi, sondern ein guter Spannungsroman.

Seien Sie gewarnt, der Titel wird dem Inhalt gerecht.

Von Sarah Klecker



Unser Buchtipp im DK vom 14.10.19

Armin Strohmeyr - Uns gehört die Welt – Schreibende Frauen erobern die Fremde

Buchhandlung Sabine Jünemann

Malik Verlag, 352 Seiten, 16,00 €

In den Gründerjahren des 19. Jahrhunderts beginnt der Massentourismus, zumindest wenn man Theodor Fontane glauben darf, der darüber einen spitzzüngigen Aufsatz für die Vossischen Zeitung schrieb!

Wie anders waren die Vorsätze der Reisenden zum Ende des davor liegenden Jahrhunderts. Hier galt noch der Weg als Ziel, wie die Malerin Louise Seidler nach den Napoleonischen Kriegen ihre Fahrt durch „Tyrol und Oberitalien“ nach Rom beschrieb. Auch Sophie von La Roche, die 1771 mit ihrem Erziehungsroman “Die Geschichte des Fräuleins von Sternheim“ reüssierte, wagte nach der Herausgabe diverser Reiseberichte in ihrer Zeitung, eine Reise in die Schweiz und Savoyen zu den „Eißgebürgen“. Freilich fand diese Grand Tour in Begleitung ihres Sohnes Franz statt zu dessen Bildung sie eigentlich gedacht war.

Nicht nur diese beiden Damen hatte das Reise und Entdeckungsfieber gepackt, nein auch später geborene Frauen waren durchaus unternehmungslustig genug, um auch andere Kontinente zu erkunden, wie Frieda von Bülow, die Afrika als Land der Verheißung pries.

Armin Strohmeyr, der bereits durch andere Porträtsammlungen - z.B. „Einflussreiche Frauen“ - bekannt geworden ist, hat auch in diesem Fall wieder einen breiten Bogen gespannt, der von der Zeit der Aufklärung über das Biedermeier bis in die 30ger Jahre reicht und unternehmungslustigen Frauen zu neuer Bekanntheit verhilft.

Sollten Sie für die noch verbleibenden Ferientage nichts zu lesen haben, so sei Ihnen diese Sammlung von Kurzbiographien empfohlen. Wer weiß, vielleicht entdecken Sie ja auf diese Weise das Reisen neu und werden selbst zur Reiseschriftstellerin oder auch Bloggerin.

Viel Spaß.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 7.10.19

Karl Olsberg - Boy in a Dead End

Buchhandlung Sabine Jünemann

Loewe Verlag, 320 Seiten, 14,95 €

Manuel ist 16 Jahre alt und leidet an amyotropher Lateralsklerose kurz ALS, an der auch Stephen Hawking, sein großes Vorbild, litt. Die Familie, seine Eltern und seine Schwester Julia, finden sich nur schwer damit ab, dass er nur noch wenige Monate zu leben haben soll. Hoffnung macht ihnen der Milliardär Henning Jaspers, Gründer der Computerspiele Firma Dark Star und Investor eines Start-ups, das Menschen unsterblich machen will. Manuels Geist soll dafür in einen Computer transferiert werden. Er würde also in einer Computersimulation weiterleben. Dieser Vorschlag führt zu einem erbitterten Streit zwischen seiner sehr gläubigen Mutter und dem wissenschaftlich orientierten freigeistigen Vater.

Als die Familie sich für den Transfer von Manuels Gehirn entscheidet, geht der Geschäftsmann Jaspers damit offensiv in die Öffentlichkeit und löst in der Gesellschaft eine sehr kontroverse Diskussion aus.

Führt für Manuel ein Weg heraus aus der Sackgasse, oder bleibt er der "Boy in a Dead End", wie der Titel des Buches sagt? Dass die Situation nicht ganz ungefährlich für den jungen Mann wird, lässt sich vielleicht denken, wie prekär wird hier natürlich nicht verraten.

Karl Olsberg hat in seinem Thriller ausgesprochen interessante Fragen zu Ethik, religiöser Überzeugung und Zukunftsängsten aufgeworfen, die für Menschen ab 14 Jahren sehr spannend zu lesen sind und zu regen Diskussionen einladen.

Eine heißt mit Sicherheit: Wie würde man selber entscheiden?

Von Luise Harloff



Unser Buchtipp im DK vom 30.9.19

Susanne Niemeyer - Was machen Tagträumer nachts?

Buchhandlung Sabine Jünemann

Herder Verlag, 160 Seiten, 18,00 €

Was tun, wenn einem die Neugier abhandengekommen ist? Was tun, wenn man sozusagen erwachsen geworden ist und sich dafür entschieden hat, der Vernunft zu gehorchen statt neue Möglichkeiten zu entdecken?

Susanne Niemeyer, Freiberuflerin, kann sich ihre Zeit einteilen und fühlt sich in ihrem Leben wohl. Doch sie stellt fest, sie hat ihre Entdeckungslust verloren.

So versucht sie sich zu erinnern, was Neugierde für sie als Kind bedeutet hat und mit welchen Gefühlen diese Neugier verbunden war. Immer hat sie sich gefühlt wie in dem Märchen, das sie als kleines Mädchen so gerne hörte „Von einem der auszog, das fürchten zu lernen!“ Diese Kribbeln und Kitzeln, das leise Gruseln und Bibbern vor Angst, Freude und Wissbegier.

Die Autorin beschließt, neu zu starten und wieder neugierig zu leben. Die kurzen Geschichten werden immer eingeleitet mit einer Windrose und den genauen geographischen Koordinaten, so dass man als Leser auch mit dem Finger auf der Landkarte seine eigenen Entdeckungen machen kann!

Susanne Niemeyer schreibt über all die kleinen gern übersehenen Momente im Alltag, die aber unser Leben ausmachen. Eine Anleitung zur Entschleunigung und dem Endecken neuer Möglichkeiten.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 23.9.19

Jason Reynolds - Long Way Down

Buchhandlung Sabine Jünemann

DTV Verlag, 320 Seiten, 14,95 €

Liebe Leser, liebe Leserinnen,

ich muss Ihnen etwas gestehen: ich weiß nicht wie ich dieses sehr gute Buch beschreiben soll! Aber es ist sehr gut!

Obwohl es zwei Charakteristika aufweist, die mich sonst stets abschrecken, ein Buch in die Hand zu nehmen. Zum einen ist es in der freien Form von Gedichten geschrieben, und zum anderen hat es auch noch ein offenes Ende. Hier ist beides jedoch zwingend notwendig.

Die Rahmenhandlung ist schnell zusammengefasst: Will erlebt, wie sein älterer Bruder auf offener Straße erschossen wird, und beschließt sich an DIE REGELN zu halten. DIE REGELN sind

1. Nicht weinen
2. Nichts erzählen
3. Rache nehmen

Sie wurden ihm von seinem Bruder eingebläut, so wie sein Bruder diese vom Vater eingebläut bekommen hat, dieser wiederum von seinem Bruder und so weiter. Die Kette lässt sich beliebig weiter führen. Also nimmt Will mit seinen 15 Jahren die Waffe seines Bruders und schleicht sich früh morgens aus der Wohnung und nimmt den Fahrstuhl aus dem achten Stock hinunter in die Lobby. Während er „the long way down“ wartend im Fahrstuhl steht, gesellt sich schon ein Stockwerk später jemand hinzu. Normalerweise gelten auch hier Regeln, kurzes Zunicken, dann ein Drehen zur Tür und geflissentliches gegenseitiges Ignorieren. Doch dieser Jemand denkt gar nicht daran sich daran und spricht Will an.

Hier muss ich ehrlich zu Ihnen sein. Die oben gegebene Beschreibung kommt nicht mal ansatzweise der emotionalen Achterbahnfahrt nahe, die Will (und der Leser) durchmachen muss. Es reißt einen mit, es berührt zutiefst, denn Jason Reynolds schafft es mit wenigen Worten sehr punktgenau, uns die Gefühle seines Protagonisten nahe zu bringen und lässt uns fühlen, was Will fühlt. Die große Zuneigung zu seinem Bruder, schreckliche Angst, Trauer und die alles zerfressende Verzweiflung. Am Ende mündet alles in die eine Frage: Was zum Teufel mache ich mit diesem schmerzhaften Leben?

Jason Reynolds ist Jugendbuchautor und schreibt immer wieder über all das, was Jugendliche bewegt - ihre Lebenswelt, Probleme und Wünsche genauso wie die aktuelle Politik in seinen Büchern. Jedes davon lesenswert. Merken Sie sich diesen Autor!

Für alle ab 14 Jahren.

Von Sarah-Katarina Klecker



Unser Buchtipp im DK vom 16.9.19

Ursula Poznanski - Erebos 2

Buchhandlung Sabine Jünemann

Loewe Verlag, 512 Seiten, 19,95 €

Nick ist auf dem Weg zu einem Fototermin, als er ein neues Icon auf seinem Handydisplay bemerkt. Da er spät dran ist, will er sich erst anschließend genauer damit beschäftigen. Eigentlich ist er aber sicher, dass er nicht versehentlich eine App heruntergeladen hat.

Das Icon, einfach ein rotes E, weckt unangenehme Erinnerungen an ein Spiel, das er in seiner Schulzeit, vor fast zehn Jahren, gespielt hat: Erebos! Als er zuhause die Hochzeitsfotos auf den Computer übertragen hat, lassen diese sich nicht bearbeiten, und auch auf seinem Computer wird er zu seinem Entsetzen, wie schon auf seinem Handy, mit ‚willkommen zurück Nick Dunmore‘, begrüßt.

Es werden jedoch nicht nur Veteranen des Spieles, wie Nick, sondern auch Neulinge, wie Derek, sozusagen rekrutiert, und zwar von Erebos selbst. Das Spiel zieht die teilnehmenden Spieler in seinen Bann, und alptraumhafte Spielszenarien verfolgen sie bis in ihre Träume. Damit nicht genug, müssen auch Aufgaben in der Realität gelöst werden.

Nick versucht nun mit Hilfe früherer Freunde, das Rätsel um Erebos zu ergründen. Allerdings hat unsere moderne Welt, mit Ihren technischen Möglichkeiten der Beeinflussung und Überwachung durch das Internet und die ständige Erreichbarkeit über das Handynetz, dabei so ihre Tücken.

Ursula Poznanski erzählt in Erebos 2 wieder spannend bis zur letzten Zeile, wie und vor allem warum Erebos zurück ist. Ein besonderes Vergnügen ist das Buch für jeden, der den ersten Teil vor etwa zehn Jahren gelesen hat, da das Wiedererkennen von Mustern neue Spannung erzeugt. Als Neueinsteiger kann man natürlich auch beide Teile direkt nacheinander lesen.

Ein Thriller für Menschen ab 14 Jahren, der auch erwachsene Leser begeistert.

Von Luise Harloff



Unser Buchtipp im DK vom 9.9.19

Andrew Cartmel - Murder Swing

Buchhandlung Sabine Jünemann

Suhrkamp Verlag, 526 Seiten, 9,95 €

Der Thriller Murder Swing von Andrew Cartmel erinnert an die Philip-Marlowe-Krimis von Raymond Chandler. Ein Detektiv, der vergessen hat, dass er einmal Visitenkarten verteilt hat, auf denen er seine Arbeit als Vinyl-Detektiv anbietet, wohnt mit seinen beiden Katzen in einer eiskalten Wohnung, da er kein Geld für die Renovierung der Heizung hat. Stets auf der Suche nach dem Schnäppchen einer Platte, die er dann für mehr Geld wieder verkaufen kann oder aber als Jazzliebhaber und Kenner für die eigene exquisite Sammlung behält. Wie bei Philip Marlowe taucht auch bei ihm eine unbekannte Schöne mit einem verhängnisvollen Auftrag auf. Er versucht, sie abzuwimmeln, aber der lukrative Auftrag ist dann doch zu verlockend.

Nachdem er eine Probe bestanden hat, darf er sich dem eigentlichen Fall widmen: dem Auffinden einer Rarität eines kleinen, nur kurz existierenden Plattenlabels. Wer und was wirklich hinter dem ganzen steckt und in welche gefährlichen Gewässer er sich dabei begibt, wird ihm nur langsam, aber umso schmerzhafter klar. Mit viel trockenem Humor erzählt und einem äußerst sympathischen, mit Vorliebe für Kaffee statt Whiskey trinkendem Detektiv als Hauptfigur, wird spannende Unterhaltung geboten, die auch schon neugierig auf die nächsten Fälle macht. Ein Thriller nicht nur für Liebhaber von Vinyl, sondern auch für alle, die mal wieder einen etwas anderen Krimi lesen wollen.

Von Karin Skrzypczak



Unser Buchtipp im DK vom 2.9.19

Mario Fesler - Maus in Mission

Buchhandlung Sabine Jünemann

Magellan Verlag, 287 Seiten, 15,00 €

Zu seinem Geburtstag bekommt Max eine winzige Schachtel geschenkt. Als er diese öffnet, fällt er fast in Ohnmacht, denn es ist eine Maus, und diese kann auch noch sprechen! Juan, so stellt sich der Mäuserich vor, ist ja auch keine gewöhnliche Maus, er stammt aus dem Versuchslabor der Firma Blanche, dem größten Arbeitgeber in der Stadt.

Deren Besitzer ist der charmante Antoine Blanche. Er ist alles, was seine Vorfahren auch waren: reich, berühmt, großzügig, klug. Und auch alles was sie nicht waren, nämlich gutaussehend und rechtschaffen.

Max Opa hat die Maus gerettet und sie zu einem Geheimagenten ausgebildet, damit sie zusammen die Machenschaften seines ehemaligen Arbeitgebers Antoine Blanche aufdecken können. Als Shakira, die allseits unbeliebte Klassenkameradin, Juans Geheimnis entdeckt, wird sie widerwillig ins Team aufgenommen.

Nachdem das Geburtstagskind auch seinen Freund Philipp einweiht, machen sich die drei Kinder nebst Maus an die Arbeit. Jetzt müssen sie am eigenen Leib erfahren, wie gefährlich der Fabrikbesitzer tatsächlich ist.

Welchen bösen Plan verfolgt er wirklich, und können die vier ihn vereiteln?

Wem diese Geschichte gefällt, der kann sich auf weitere Abenteuer mit Juan freuen, denn dies ist der erste Band einer Reihe von Büchern.

Mario Fesler hat einen, spannenden, skurrilen und oft sehr komischen Krimi für Menschen ab 10 Jahren geschrieben.

Von Luise Harloff



Unser Buchtipp im DK vom 26.8.19

Susan Vreeland - Lisette und das Geheimnis der Maler

Buchhandlung Sabine Jünemann

Aufbau Taschenbuch atb, 591 Seiten, 14,00 €

Andre und Lisette leben in Paris und sind erst seit kurzem verheiratet, als sie ein Brief von Andres Großvater erreicht, dass es ihm nicht gut gehe. Diese Nachricht lässt sie ihre Zelte in Paris abbrechen, um in die Provence zu ziehen. In Roussillon, einem kleinen provenzalischen Felsendorf, lebt Pascal Roux. Als Kind arbeitete er als Wäscher in den Ockerfabriken, später als junger Mann handelte er mit den kostbaren Pigmenten, die die Künstler für ihre Farben benötigten. In Paris lernte er Pissarro und Cézanne kennen. Die damals noch jungen und unbekannten Künstler entlohnten ihn mit Bildern für den Bau der Bilderrahmen für ihre Gemälde.

Diese Bilder sind jetzt im hohen Alter Pascals einziger Schatz, den er hütet wie seinen Augapfel. Die Geschichten hinter den Gemälden erzählt er Lisette, der Frau seines Enkels. Er spürt, dass sie die richtige ist, seine geliebten Bilder gut zu hüten. Und wirklich, mit Ausbruch des zweiten Weltkrieges und dem Einmarsch der Deutschen, ist Lisettes Einfallsreichtum gefordert. Ihr Mann Andre hat alle Bilder noch kurz vor seiner Einberufung versteckt, ohne seiner Frau genau zu sagen wo. Ihre Suche nach den Kunstwerken beschäftigt sie auch noch nach dem Krieg.

Susan Vreeland, die durch ihren Roman „Das Mädchen in Hyazinthblau“ in Deutschland bekannt wurde, hat in ihrem neuen Roman geschickt Realität und Fiktion verwoben. Die Bilder und das Dorf Roussillon gibt es wirklich, eingebettet in das Zeitgeschehen. Die Figur der Lisette ist frei erfunden, und doch könnte es so oder ähnlich eine Frau gegeben haben, die aus der Liebe zur Kunst bereit war, so manches Opfer zu bringen.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 19.8.19

Lena Johannson - Die Malerin des Nordlichts

Buchhandlung Sabine Jünemann

Aufbau Taschenbuch atb, 435 Seiten, 12,99 €

Signe Munch ist bereits über 30 und frisch von ihrem Mann geschieden, als sie endlich ihren Traum verwirklicht und sich als Künstlerin in Oslo niederlässt. "Ich male nicht, was ich jetzt sehe, sondern das, was in meinem Geist ist, weil ich es vor langer Zeit gesehen habe." Dieses Motto ihres Onkels, des bekannten Malers Edvard Munch, hat sie bereits als kleines Mädchen verinnerlicht. Erkannte Signe doch schon damals die kraftvolle Bildgestaltung des größten norwegischen Malers und war beeindruckt von dessen Ausdruckskraft.

Diese Fähigkeit möchte sie auch besitzen. Ob es ihr gelingen wird? Noch kann sie von ihrer Hände Arbeit nicht leben, so dass sie als Sekretärin im Verbund norwegischer Künstler arbeitet. Zwei Stipendien in Kopenhagen und Paris ermöglichen ihr, sich zu vervollkommnen, denn vor ihrem 40sten Geburtstag muss sie es geschafft haben, als Künstlerin Anerkennung zu finden.

Es ist ein steiniger Weg zur Anerkennung, und doch möchte Signe keine Minute missen. Als sie den Sprach- und Musiktherapeuten Einar Siebke kennenlernt, scheint das Glück endlich sicher, doch dann besetzen die Deutschen Norwegen. Keine gute Zeit, um den eigenen Stil weiter zu entwickeln. Zwar sind ihre zarten Landschaftsbilder von berührender Schönheit, doch ihr Wunsch ist ein großer Bilderzyklus zu den sieben Todsünden. Ob ihr dieser noch gelingen wird?

Lena Johannsons Roman über die norwegische Künstlerin stellt uns eine Frau vor, die bislang nicht besonders bekannt ist und die zu entdecken lohnenswert sein könnte. Wer weiß, möglicherweise entdecken Sie ganz neue Strömungen in der norwegischen Kunst, dessen Übervater Edvard Munch ist.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 12.8.19

Isabel Allende - Dieser weite Weg

Buchhandlung Sabine Jünemann

Suhrkamp Verlag, 381 Seiten, 24,00 €

Der neue Roman von Isabel Allende beginnt mit den Schrecken des spanischen Bürgerkrieges im Jahr 1938. Die vielen Toten, Verletzten und für ihr weiteres Leben Gezeichneten kündigen die drohende Niederlage der Widerstandskämpfer an. Tausende Spanier begeben sich aus Furcht vor Verfolgung und Tod auf die Flucht nach Frankreich. Hier sind sie nicht erwünscht und werden in Lagern festgehalten, in denen viele von ihnen unter den unmenschlichen Zuständen leiden und ebenso viele zu Tode kommen.

Die Geschichte der Brüder Guillem und Victor, die einer fortschrittlichen katalanischen Familie entstammen und unterschiedlicher nicht sein könnten, bilden den Grundstock des Romans. Der jüngere, Guillem, kämpft in vorderster Linie, was ihn das Leben kosten wird. Der ältere, Victor, versucht als angehender Arzt den vielen Opfern des Krieges zu helfen. Ihre Eltern nehmen ein junges Mädchen namens Roser auf, das aus einer Bauernfamilie stammt und über eine überraschende musikalische Begabung fürs Klavierspielen verfügt. Roser, schwanger von Guillem, flieht noch im letzten Moment mit seiner Mutter und einem Freund aus Barcelona nach Frankreich. Die Beiden werden sich nicht wieder sehen, aber Victor findet Roser und das Kind seines Bruders in Frankreich und verhilft allen zur Überfahrt mit dem Schiff Winnipeg nach Chile.

Da der Zweite Weltkrieg droht, erscheint dies vielen Spaniern als ein sicherer Weg des Überlebens. Aber auch Chile erweist sich alsbald als ein Ort des Schreckens und bietet nicht die erhoffte Sicherheit. In diesen schwierigen Zeiten entwickelt sich dennoch eine zarte Liebesgeschichte, die allen Widrigkeiten trotzt.

Isabel Allendes Roman ist ein packendes zeitgeschichtliches Drama, das die Zerrissenheit der Menschen im frühen 20. Jahrhundert widerspiegelt.

Von Karin Skrzypczak



Unser Buchtipp im DK vom 10.8.19

Carl Hiassen - Schlangenjagd

Buchhandlung Sabine Jünemann

Beltz Verlag, 311 Seiten, 16,95 €

Billy Dickens ist an seiner Schule als Schlangenjäger bekannt. Hat er doch eine ganze Weile seinen Schulspind mit einer lebenden Klapperschlange gesichert, nachdem er immer wieder aufgebrochen wurde. Nun ist diese Sicherung zwar ausgesprochen originell, aber auch nicht gerade ungefährlich, so dass die Schulleitung nicht begeistert war.

Schlangen jagt er aus rein wissenschaftlichem Interesse. Er hält sie ca. eine Woche in einem Terrarium zu Hause, um ihr Verhalten zu studieren und sie anschließend wieder in die Freiheit zu entlassen.

Jetzt sind endlich Ferien, und Billy stellt sich der Herausforderung, seinen Vater ausfindig zu machen, was nicht so leicht ist, wie man vielleicht glaubt. Soweit der Junge weiß, arbeitet sein Vater als Agent für die Regierung, auch wenn er seinen privaten Wohnsitz in Montana haben soll. Die monatlichen Unterhaltschecks, die pünktlich zum 10. eines Monats eintreffen, verraten das. Billy A. Dickens hat seinen Vater zuletzt mit 3 Jahren erlebt, denn von gesehen kann man in diesem Alter nicht wirklich sprechen. Das ist jetzt mehr als 10 Jahre her. Mittlerweile ist Billy seiner Mutter zuliebe mehrfach umgezogen, die immer in der Nähe eines Adlerhorstes leben muss, und wohnt jetzt in Florida. Die Liebe zu Tieren treibt manchmal schon seltsame Blüten.

Den Vater zu besuchen, übersteigt Billys Taschengeld bei weitem, aber wer Schlangen mit der Hand fangen kann, dem wird auch etwas einfallen, vom äußersten Südosten der Vereinigten Staaten in dessen äußersten Nordwesten zu gelangen. Also macht er sich auf die Suche seinen Erzeuger zu finden und erlebt dabei das beste und aufregendste Abenteuer seines ganzen bisherigen Lebens, in der Wildnis Montanas, im Kampf mit wilden Grizzlys, irregeleiteten Spionagedrohnen, reißenden Flüssen und Wilderern. So ganz enpassent lernt er neben seinem Vater auch noch weitere neue Familienmitglieder kennen.

Carl Hiassen ist für seine frechen, schwarz humorigen Umweltkrimis für jung und alt bekannt. Hier ist ihm wieder ein hinterhältiges Meisterstück gelungen, das die Leser atemlos vor Spannung oder mit schallendem Gelächter zurücklässt. Das richtige für die letzten Ferientage, egal ob auf Balkonien, im Garten oder in fernen Ländern.

Also schnell kaufen, einfach los lesen und Spaß haben.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 5.8.19

Eva García Sáenz - Die Stille des Todes

Buchhandlung Sabine Jünemann

Scherz Verlag, 566 Seiten, 15,00 €

Vitoria, die Hauptstadt des Baskenlandes mit seiner beeindruckenden alten Kathedrale. Am Vorabend des Dia de Santiago, der ein wenig mit seiner Ausgelassenheit dem Kölner Karneval gleicht, werden in der großen Kirche zwei Leichen gefunden, aneinander geschmiegt wie ein Liebespaar. Inspektor Unai López de Ayala sträuben sich bei diesem Anblick die Haare. Zu sehr erinnern ihn die Toten, zwei junge Leute im Alter von etwa 20 Jahren, an eine lang zurück liegende Mordserie mit acht Opfern. Immer paarweise vom Säuglingsalter bis zum Teenager. Der Täter von damals, ein angesehener Archäologe, sitzt immer noch im Gefängnis und verrottet in Einzelhaft. Was soll das jetzt? Gibt es einen Nachahmungstäter?

Inspektor Ayala, der Profiler, und seine Kollegin Estíbaliz Ruiz de Gauna, eine Viktimologin beginnen ihre Ermittlung mit einem unguten Gefühl. Sollte der Mörder möglicherweise der selbe sein wie vor 20 Jahren? Wie schnell wird er wieder zuschlagen? Die beiden Ermittler spüren, dass ihnen wenig Zeit bleiben wird um den Verbrecher dingfest zu machen.

Eva García Sáenz ist mit ihrem Debütroman ein Kriminalroman von enormer Raffinesse gelungen, der den LeserInnen von der ersten bis zur letzten Seite keine Pause gönnt und sie atemlos vor Spannung zurück lässt. Auf die nachfolgenden Bände darf man gespannt sein. Ein neuer Stern am spannenden Krimifirmament!

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 29.7.19

Jane Harper - Zu Staub

Buchhandlung Sabine Jünemann

Rowohlt Verlag, 406 Seiten, 16,00 €

Ein Mann liegt, weit von seinem Auto entfernt, offensichtlich in der sengenden Hitze verdurstet, im dürftigen Schatten eines einsamen Grabsteins. Mit dieser Beschreibung beginnt ein Thriller der mitten im staubigen, australischen Nirgendwo des Outbacks spielt.

Bei dem Leichnam handelt es sich um Cameron Bright. Er ist der mittlere von drei Brüdern. Eigentlich liegt die Vermutung nahe, dass Cameron unvorsichtig war und ohne Wasser und Ausrüstung zum sogenannten Stockman-Grab gegangen ist, um es dann nicht mehr zurück zum sicheren Wagen, mit Klimaanlage, Wasser und Vorräten zu schaffen.

Nach Ansicht seines Bruders Nathan ist das jedoch vollkommen unmöglich. Niemand, der im Outback von Australien aufgewachsen ist, würde einen derart gravierenden Fehler begehen!

Glenn McKenna, als einziger Polizist zuständig für ein Gebiet von der Größe des Bundesstaates Viktoria (der kleinste der Australischen Bundesstaaten mit einer Größe von ca.228 000 qkm), ist mit einem Busunglück viele hundert Kilometer entfernt beschäftigt, weshalb Nathan vorerst versucht, auf eigene Faust herauszufinden, was wirklich passiert ist.

Während des Lesens tauchen wir ein in die Geheimnisse der Familie, deren Angestellter sowie ihrer aller Verbindung zu den Einwohnern der nächstgelegenen Ortschaft. Immer deutlicher wird die unterschwellige Spannung, die zwischen den Protagonisten herrscht. Auch Nathan selbst hat so seine Probleme mit der Stadtbevölkerung. Nathans Folgerungen aus vergangenen und aktuellen Ereignisse führen ihn zu neuen Erkenntnissen, die ihn der Lösung des Falles näher bringen. Warum, das wird durch diverse Rückblenden deutlich. Diese helfen ungemein die mysteriösen Verflechtungen zwischen der Familie und den Stadtbewohnern zu durchschauen und den rätselhaften Tod des Bruders aufzuklären. Diese unvorhersehbaren Aspekte sind es, die den Leser bis zur letzten Zeile fesseln.

Jane Harper hat mit ihrem neuen Roman „Zu Staub“ ihrem Ruf als preisgekrönte Krimi-Autorin alle Ehre gemacht. Das Buch ist so spannend, dass man es kaum aus der Hand legen mag.

Es ist übrigens unabhängig von ihren beiden vorherigen Büchern „Hitze“ und „Ins Dunkel“ um den Ermittler Aaron Falk zu lesen, so dass auch neue Fans gewonnen werden können.

Von Luise Harloff



Unser Buchtipp im DK vom 22.7.19

Regina Scheer - Gott wohnt im Wedding

Buchhandlung Sabine Jünemann

Penguin, 415 Seiten, 24,00 €

Das älteste Haus der Straße, Liebenwalder Straße Nr. 22. Es soll zwar noch ältere Häuser in der Stadt geben als diesen mittlerweile heruntergekommenen Wohnblock, doch die interessieren den alten Mann nicht, der auf seinen Gehstock gestützt vor eben jenem Wohnhaus auf dem Trottoir im Wedding steht.

Welche Geschichten könnte es erzählen, wenn man es ließe, oder besser gesagt könnte man hören wenn es spricht, denn eine Weile lang hat auch „Gott im Wedding“ gewohnt. Das ist jedoch sehr lange her, und nur noch wenige Menschen könne sich daran erinnern.

Der alte Israeli, der mit seiner Enkelin zu Besuch in Berlin ist, kann berichten. Von der Zeit vor und im Krieg. Seiner Kindheit im alten roten Wedding, der heute zur neuen Mitte Berlins gehört, der Zeit des Versteckens vor den Nazis in eben jenem Haus, in einer Straße anderen Namens, die doch die gleiche ist, und den Verlust von Freunden. Ebenso aber auch vom Neubeginn nach dem Krieg.

Eine Frage beschäftigt Leo Lehmann im hohen Alter immer noch: Wurden er und sein Freund damals verraten, oder waren Sie einfach unvorsichtig? Eines der Klingelschilder lässt ihn stutzen. Ein bekannter Name. Ist es möglich, dass es außer ihm doch noch jemand anderen aus jener düsteren Zeit gibt, der ihm bei der Lösung des Rätsels behilflich sein könnte?

Regina Scheer, die für ihre dramatischen zeitgeschichtlichen Romane bekannt ist, hat meisterlich die Leben und Schicksale der von ihr geschilderten Personen in diesem Roman zu einem Epos von geradezu genialer literarischer Größe geschrieben, der einen Vergleich mit den großen Literaten der Vergangenheit nicht zu scheuen braucht.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 15.7.19

Tom Saller - Wenn Martha tanzt

Buchhandlung Sabine Jünemann

Ullstein Taschenbuch, 287 Seiten, 10,00 €

Ein Mann fliegt zu einer Auktion nach New York. Versteigert wird das Tagebuch einer ehemaligen Bauhaus-Schülerin mit vielen unbekannten Zeichnungen und Skizzen der damaligen Meister und Studenten. Das Diarium gehörte seiner Urgroßmutter Martha Wetzlaff, welches der Familie von der Großmutter vererbt wurde.

Als junge Frau war sie mit ihren musischen Fähigkeiten nach Weimar gezogen, um dort am Bauhaus zu studieren. Zunächst zögerlich, findet sie sich immer besser zurecht. Ihre Fähigkeit, Töne in Formen und Farben umzusetzen, bringen sie auf Empfehlung Johannes Ittens in die Tanzklasse. Ihr Talent ist enorm, und eine große Zukunft wird ihr vorausgesagt. Doch mit der Schließung des Bauhauses endet Marthas Ausflug in die Welt der Kunst.

Ihre Rückkehr in die Heimat kommt für ihre Eltern überraschend, zumal sie nicht allein kommt. Ihr Gepäck besteht nicht nur aus ihrem Koffer, sondern auch einem Neugeborenen, das den Namen Hedi trägt. Auch das heißgeliebte wertvolle Notizbuch ist dabei, ein persönliches Kleinod, das auch die Nachwelt zu schätzen weiß.

Allein Marthas Spur verliert sich in den Wirren gegen Ende des Zweiten Weltkrieges. Nie hat jemand wieder etwas von ihr gehört.

Tom Saller hat mit diesem Roman nicht nur ein faszinierendes Frauenportrait, sondern auch ein ganzes Jahrhundert beschrieben. Eine Zeit des Aufbruchs ebenso wie die des Niedergangs, ein einzigartiges Zeit- und Sittengemälde, das dem Leser das Gefühl vermittelt. ein Teil dieser Epoche gewesen zu sein!

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 8.7.19

Gabriel Katz - Der Klavierspieler von Gare du Nord

Buchhandlung Sabine Jünemann

Fischer Verlag, 352 Seiten, 20,00 €

Pierre Geithner hat die Lust am Leben und an seiner Arbeit am Pariser Konservatorium verloren. Die Musik, die sein Leben bisher bestimmt hat, scheint ihre magische Kraft verloren zu haben, so dass er gleichgültig seinem Beruf nachgeht.

Eines Abends auf dem Heimweg erklingen die reinen Klänge von Bachs Präludium und Fuge Nr.2 in c-Moll durch die Halle des Gare du Nord. Gebannt lauscht Pierre dem Pianisten. Ein junger Mann in Hoodie, Jeans und Turnschuhen spielt selbstversunken auf einem am Bahnsteig stehendem Klavier. Bevor Monsieur Geithner Gelegenheit hat, den selbstvergessenen Musiker anzusprechen, ist dieser auch schon verschwunden. Seit diesem ersten Hörgenuss wartet Pierre förmlich darauf diesen jungen Mann wiederzutreffen. Zwar konnte er ihm seine Visitenkarte geben, doch das war schon alles.

Der Zufall spielt ihm in die Hände. Mathieu, so der Name des jungen Mannes, ist bei einer Einbruchserie erwischt worden, und dank der Fürsprache Pierre Geithners darf er die Bewährungsstrafe mittels Sozialstunden im Konservatorium ableisten. Natürlich nicht ohne Hintergedanken. Das Talent des bockigen Jünglings muss gefördert werden, alles andere wäre ein Sakrileg.

Es beginnt des Widerspenstigen Zähmung einerseits und die Rückkehr ins Leben andererseits bis hin zum furiosen Finale. Gabriel Katz hat einen meisterhaften Roman geschrieben, der begeistert und nachdenklich stimmt. Ganz großes Kino, im wahrsten Sinne des Wortes!

Ein sehr lesenswertes und anrührendes Buch, das Mut und Zuversicht vermittelt und gleichzeitig Genuss pur ist.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 1.7.19

Ulrike Gerold, Wolfram Hänel - Allee unserer Träume

Buchhandlung Sabine Jünemann

Ullstein Verlag, 554 Seiten, 11,00 €

Als kleines Mädchen schon besuchte Ilse Schellhaas ihren Vater, den Architekten, so oft es geht in dessen Firma. Ihr großer Traum ist Brügge zu sehen, eine Stadt, in der die Häuser in den Himmel wachsen, seit ihr Vater ihr von dort eine Postkarte schickte.

Im thüringischen Mühlhausen ist sie eine Besonderheit – ihre Eltern sind geschieden. Geradezu revolutionär zur damaligen Zeit! Ilse und ihre Schwester Marga wachsen beide bei der Mutter, einer Krankenschwester auf, die allein für ihre Töchter und sich sorgt.

Der Berufswunsch des Mädchens, Architektin zu werden und in die Fußstapfen ihres Vaters zu treten, ist für damalige Verhältnisse ungewöhnlich, sie studiert an der Hochschule für Baukunst in Weimar, in einer Zeit als die Nazis bereits an der Macht sind.

Nach dem Krieg, Ilse lebt im Westen, kommt sie häufig mit Schmuggelware über die Grüne Grenze. Den Eltern zuliebe, die beide krank sind. Die Mutter stirbt an Diabetes, der Vater siecht als Dementer dahin. Ihr stilles Mitläufertum während der NS-Zeit holt sie ein, so dass sie sich als ihre in Moskau verstorbenen Schwester Marga ausgibt. Trotzdem beteiligt sie sich für ihres Vaters Firma an einer Ausschreibung für die Neuordnung Berlins und dessen Wiederaufbau im Osten der Stadt!

Gegen viele Widerstände der beleidigten Kollegen versucht sie, ihre Entwürfe zu verteidigen. Die männlichen Kollegen dulden sie und übertragen ihr letztendlich die Bauaufsicht, da sie scheinbar als einzige mit dem richtigen Ablauf vertraut ist. Die Ungerechtigkeiten, die Ilse erdulden muss, enttäuschen sie maßlos. Ihr Entschluss, für ein vom Staat unkontrolliertes selbstständiges Leben ohne Zwang und den zu ihr passenden Mann und ihren Beruf zu kämpfen, steht fest. Der Arbeiteraufstand vom 17. Juni1953 bestärkt sie in ihren Gedanken.

Sie verlässt Ostberlin und findet im Westteil eine neue Heimat. Auch hier dauert es eine Weile, bis sie und ihr zweiter Ehemann sich eine neue Existenz aufgebaut haben und eigene Träume verwirklichen können.

Ilse Schellhaas hat es wirklich geben. Sie war die Mutter des Autors. Ob und wie viel sie von ihren Plänen für die damalige Stalinallee und heutige Karl-Marx-Allee verwirklichen konnte, ist nicht bekannt. Ein spannendes Frauenleben, das den Aufbruch in eine neue Zeit, vom Wirtschaftswunder bis zur Wende nachzeichnet und sehr lesenswert ist.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 24.6.19

Nina Weger - Als mein Bruder ein Wal wurde

Buchhandlung Sabine Jünemann

Oetinger Verlag, 253 Seiten, 14,00 €

Das Buch beginnt mit dem Tag, an dem sich für Belas Familie alles ändert. Sein großer Bruder Julius hat einen schweren Unfall. Er wird von einem Laster angefahren, obwohl er bei Grün über die Ampel gegangen ist. Der Lastwagenfahrer hat ihn einfach übersehen.

Trotz vieler Operationen hat sich noch nichts an seinem Zustand geändert, und Julius liegt weiterhin im Wachkoma. Eine schwere Zeit, die die Familie zusammenrücken lasst.

Nachdem in der Reha keine Fortschritte gemacht wurden, entscheiden sich die Eltern, Julius nach Hause zu holen. Jetzt verändert sich alles, die Mutter hört auf, im familieneigenen Beerdigungsinstitut zu arbeiten. Dafür wird Jürgen angestellt. Seine Tochter Martha und Bela freunden sich an. Oft ist Martha mit bei ihnen zuhause um gemeinsam Hausaufgaben zu machen. Der Hausarzt bringt die Familie ins Grübeln, mit seiner Aussage, das erste für seinen Patienten zu wollen, falls der Junge erkranken sollte. Soll Julius um jeden Preis am Leben erhalten werden? Was hätte Julius gewollt, und was ist das Beste für ihn? Fragen über Fragen. Denken die Eltern und Bela nur an sich?

Zwischen den Eltern entbrennt ein heftiger Streit. Sie sind sich nicht einig darüber, ob bei Komplikationen eine Behandlung stattfinden soll oder nicht. Die Mutter hat Angst, dass Julius leidet, es aber nicht äußern kann. Der Vater denkt an seinen großen sportlichen Sohn, der um jeden Preis würde leben wollen.

Bela dagegen stellt sich seinen Bruder manchmal wie einen Wal vor, der durch die Tiefen des Meeres gleitet, und nur kurz zum Luft holen auftaucht, um dann vielleicht etwas von seiner Umgebung wahrzunehmen. Aber auch diese Vorstellung hilft nicht gegen die Verzweiflung und die Angst davor, was mit ihm und Julius passieren könnte, sollten die Differenzen seiner Eltern zu einer Trennung führen.

Martha merkt ihrem Freund seine Verzweiflung an. Um die Situation der Familie zu verbessern, kommen sie auf die Idee, den Papst um Rat zu bitten, schließlich ist der Gottes Stellvertreter auf Erden. Vielleicht weiß er, was ihn Julius Fall zu tun sei. Zusammen fahren sie mit dem Zug nach Rom. Es wird eine abenteuerliche und aufschlussreiche Reise, bei der Bela viel über sich selbst, seine Freundschaft zu Martha, und über seine Familie lernt.

Ob der Papst wirklich eine Antwort geben kann? Lest selbst!

Nina Weger ist ein wunderbar spannendes, berührendes, nachdenkliches und ebenso tröstliches Buch über ein schwieriges Thema gelungen, das behutsam an die momentan viel diskutierten Fragen Organspende, Koma, Sterben und Tod und Abschied nehmen heranführt.

Für Menschen ab 10 Jahren.

Von Luise Harloff



Unser Buchtipp im DK vom 17.6.19

Armando Lucas Correa - Das Erbe der Rosenthals

Buchhandlung Sabine Jünemann

Bastei-Lübbe, 430 Seiten, 12,00 €

1939 verlässt der Schnelldampfer „St. Louis“ Hamburg. An Bord befinden sich Menschen, die die letzte Chance nutzen, Deutschland zu verlassen, um in der Fremde ein neues leben beginnen zu können. Unter ihnen ist die elfjährige Hannah mit ihren Eltern. Wie fast alle auf dem Schiff sind auch sie Juden. Der Vater hatte bereits vor Jahren eine Wohnung in New York gekauft, so dass sie auf einen erfolgreichen Neustart hoffen können.

Es soll anders kommen. Dem Schiff wird die Einreise verwehrt. Nur einer kleinen Gruppe von Frauen mit ihren Kindern wird nach einer Irrfahrt über den Atlantik und durch die Karibik die Einreise nach Kuba erlaubt, darunter Hannah und ihre Mutter. Die restlichen Passagiere müssen mit dem Schiff nach Europa zurückkehren.

75 Jahre später macht sich die elfjährige Anna auf, ihre Wurzeln zu finden. Wer war ihr Vater, der beim Terroranschlag am 11. September 2001 zu Tode kam, und woher stammte er? Ihre Reise führt sie nach Kuba. Eine briefliche Einladung, welche Anna und ihre Mutter erreicht hat, stammt von einer alten Dame, die auf Kuba lebt und sich als Großtante entpuppt. Ein spannendes Familienrätsel harrt hier der Auflösung.

Genial verknüpft der Autor die Schicksale der vaterlosen Mädchen und stellt sie den Lesern damit gleichzeitig als Zeitzeugen vor. Die eine ihre Wurzeln suchend und die andere hoffend, dass aus den Wurzeln ein starker neuer Trieb entsteht, der sich weiter verzweigen wird. Dieser Roman ist ein zeitgeschichtliches Zeugnis, das die Versäumnisse Amerikas und Kanadas beschreibt, die damals den Menschen in Lebensgefahr das notwendige Asyl verwehrten und somit dem sicheren Tod überantworteten.

Sehr lesenswert!

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 10.6.19

C.W. Gortner - Marlene und die Suche nach Liebe

Buchhandlung Sabine Jünemann

Aufbau Taschenbuchverlag, 543 Seiten, 12,99 €

Kein Kind von Traurigkeit und nicht gern allein! Vor 27 Jahren verstarb eine der bekanntesten und berühmtesten Frauen Deutschlands. Geboren im Kaiserreich, ausgebildet und aufgestiegen als kommender Star in der Weimarer Republik, folgte sie ihrem Mentor nach Amerika, um dort als Schauspielerin zu arbeiten. Von den Machthabern des dritten Reiches aufs Heftigste umworben, zog sie es vor, ihrer Heimat den Rücken zu kehren. Denn deren Vorstellungen von Leben gingen mit ihrem nicht konform. Stattdessen zog sie es nach Ausbruch des zweiten Weltkrieges vor, die alliierten Truppen zu unterstützen.

Sicher haben Sie längst erraten wer hier beschrieben wird. Es ist natürlich die fesche Lola, alias Marlene Dietrich. Geboren als Marie Magdalene Dietrich, sollte sie nach Wunsch der Mutter Konzertgeigerin werden und studierte am Weimarer Konservatorium. Trotz aller Anstrengungen war sie zwar eine gute Musikerin, welche für jedes Orchester gut besetzt war, für eine Solokarriere reichte es aber nicht aus.

So nahm sie neben ihrer Arbeit in den unterschiedlichen Berliner Ensembles Schauspielunterricht. Berlin war damals „die Stadt“ der Unterhaltungsindustrie, und jede Form des Lasters fand ein Plätzchen. Marlenes Karriere ging nur langsam vonstatten, zu sehr eckte sie mit ihren speziellen Lebenswünschen an. Geradlinig, lebens- und liebeshungrig unterwirft sie sich den Zwängen der Filmindustrie notgedrungen. Sie gilt als Vamp, der seinen Ehemann und die gemeinsame Tochter verleugnet und auf der Suche nach Liebe die Grenzen aller Konventionen überschreitet.

Zeit ihres Lebens wird ihr der Hunger nach Leben und Liebe ebenso ihre Geradlinigkeit angekreidet. Ihre Rückkehr nach Berlin nach Kriegsende wird zum persönlichen Desaster. Gekränkt und gedemütigt verlässt sie dieses engstirnige Land und lebt nach dem Ende ihrer Karriere bis zu ihrem Tod im Alter von 90 Jahren zurückgezogen in Paris.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 3.6.19

Clara Bernardi - Requiem am Comer See

Buchhandlung Sabine Jünemann

Dumont Verlag, 271 Seiten, 15,00 €

In Italien am Comer See, dort, wo andere Urlaub machen, lebt Giulia Cesare, von Beruf Commissario und gerade fünfzig Jahre alt geworden. Entgegen des Widerstandes der Bewohner im Ort und ihrer argentinischen Mutter, deren Familienmitglieder in Argentinien ausnahmslos kriminellen Aktivitäten nachgehen, hatte sich Giulia mit ihrem Berufswunsch durchsetzen können.

Ein Nachteil ihres Berufes ist es jedoch, dass zu den unpassendsten Zeiten Tote auftauchen, so wie auch diesmal, kurz bevor sie mit ihrem Mann zusammen das Dach des Grabgebäudes auf dem Friedhof fertig repariert hat. Ungünstig ist auch, dass zum Beginn der jährlichen Moto-Guzzi-Tage alle Kollegen gebraucht werden, um die Besucher, die von überall herkommen, unter Kontrolle zu halten. Da bleibt Giulia nichts anderes übrig, als zusammen mit ihrem langjährigen Freund Brutus, dem Briefträger, der auch die Tote gefunden hat, den Fall zu lösen. Dass die Tote eine deutsche Ex-Opernsängerin ist, die mit ihren zahlreichen Liebschaften im Ort für reichlich Unruhe sorgte, macht es nicht gerade einfacher.

Eine wunderschöne Landschaft rund um den Lago di Como sowie liebenswerte und nicht ganz so liebenswerte Charaktere machen diesen Kriminalroman zu einer wahrlich unterhaltsamen und spannenden Lektüre.

Von Karin Skrzypczak



Unser Buchtipp im DK vom 27.5.19

Matijs Deen - Über alte Wege; Eine Reise durch die Geschichte Europas

Buchhandlung Sabine Jünemann

Dumont Verlag, 416 Seiten, 24,00 €

„Eigene Wege sind schwer zu beschreiten, sie entstehen erst beim Gehen“ hat mal ein Liedermacher gesungen. Um wie viel spannender ist es manchmal, alten Wegen zu folgen, die sich dem Gedächtnis eingeprägt haben, um sie neu zu entdecken. Matijs Deen, niederländischer Autor und Radiomoderator, hat sich aufgemacht, seinen Kindheitserinnerungen nachzuspüren.

Die früheren Ausflugsfahrten vom Zuhause seiner Eltern in Boekelo nach Leersum in der Nähe von Utrecht führten seiner Meinung nach über die E8, von der sein Vater immer sagte, sie verbinde London mit dem weit entfernten Moskau. Faszinierende Orte, von denen der junge Mathijs nur aus der Zeitung oder aus den Fernsehnachrichten gehört hatte und seine Phantasie anregten. Dabei darf man sich die damalige E8 nicht als schnurgerade Autobahn vorstellen, sondern mehr als eine mäandernde Landstraße, die als Fernstraße die einzelnen Orte miteinander verband.

Jahrzehnte später, als Erwachsener, beschäftigt den Journalisten diese Frage noch immer, so dass er sich aufmacht, das europäische Straßennetz zu erkunden. Wer legt diese Straßen eigentlich fest? Warum sind manche Straßen so breit, und warum folgen manche den uralten Wegen, die schon die Druiden gingen?

Ein fesselndes Buch für Menschen, die Spaß und Interesse an Geschichten und Geographie haben, überzeugte Europäer sind und solche die es werden wollen. Vor allem aber spannend zu lesen, denn die eigentliche Idee hinter den Europastraßen ist, Verbindungen zu schaffen und so Kenntnis vom Unbekannten zu erlangen. Das dachten zumindest 1947 die damaligen Regierungen und vor allem die Vereinten Nationen. Denn nur was man kennt, weiß man auch zu schätzen!

Also los, auf geht es: Entdecken Sie Ihre Nachbarn neu.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 20.5.19

Bernhard Jaumann - Der Turm der blauen Pferde

Buchhandlung Sabine Jünemann

Galiani Berlin, 329 Seiten, 15,00 €

Es ist 1913. Franz Marc vollendet „Der Turm der Blauen Pferde“, sein Meisterwerk. Er sollte nicht lange Freude daran haben. 1914, mit dem Ausbruch des ersten Weltkrieges, folgt er dem Ruf zu den Waffen und fällt 1916 in Verdun. Zwanzig Jahre später gilt sein ganzes Werk als entartet und wird aus den Museen entfernt, darunter auch das berühmte Pferdebild. Göring reißt es sich unter den Nagel und lässt seine Schätze gegen Kriegsende mit dem Zug nach Berchtesgaden in die alten Salzstöcke transportieren.

Im Mai 1945 ist die Zeit aus den Fugen. Das letzte Aufgebot besteht aus alten Männern im Volkssturm und den ganz Jungen, die sich für Werwölfe halten. Einer davon ist Ludwig Raitmeier, der andere ist sein Freund Xaver. Die Jagd nach der Wunderwaffe führt sie zu den mittlerweile unbewachten Waggons und verändert ihr Leben.

Mehr als ein Halbes Jahrhundert später erteilt ein Großindustrieller der Kunstdetektei von Schlewitz den Auftrag der lückenlosen Provenienz eben jenes Bildes zu ermitteln. Echt oder gefälscht? Wo war es mehr als 60 Jahre lang? Die Ermittlungen des Detektivbüros führen das Team nicht nur in die Vergangenheit, sondern auch quer durch die Kunstszene zu abenteuerlichen, teils blutigen Spuren. Sollte sich Franz Marcs Ausspruch: „Erkennt, meine Freunde, was Bilder sind: Das Auftauchen an einem anderen Ort“ doch bewahrheiten?

Bernhard Jaumann, Glauser-Preisträger und mit dem deutschen Krimipreis prämiert, ist eine meisterhafte Scharade gelungen. Spannend, tiefgründig und sehr lesenswert.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 13.5.19

Betty Smith - Glück am Morgen

Buchhandlung Sabine Jünemann

Insel Verlag, 384 Seiten, 24,00 €

"Glück am Morgen" ist ein zeitlos schöner, wunderbar zauberhafter Roman über eine junge Liebe. Carl Brown, Jurastudent hat noch 3 Semester bis zum krönenden Abschuss. Sein große Liebe ist Annie. Nun, da die junge Dame volljährig ist, soll einer Heirat nichts mehr im Wege stehen. Frohgemut heiraten die beiden jungen Leute vor dem Friedensrichter, jeweils ohne den Segen ihrer Familien, und bauen sich ihr neues Leben als Paar auf.

Nicht ganz ohne Hindernisse versteht sich, doch mit einem Elan, der seinesgleichen sucht. Da sie möbliert zur Miete wohnen, sind die Kosten zunächst recht überschaubar, dennoch reißt Unvorhersehbares größere Löcher in Annies erarbeitete Ersparnisse.

Carl hat mehrere Nebenjobs und studiert weiterhin fleißig, denn natürlich will er nicht relegiert werden. Auch Annie arbeitet wöchentlich einen Tag in einem Gemischtwarenladen. Als leidenschaftliche Leserin und Erfinderin von Geschichten interessiert sie sich für Literatur, ja beginnt sogar ein Studium zur Literaturwissenschaft. Natürlich bleiben Rückschläge nicht aus, doch die gegenseitige Zuneigung hilft über Vieles hinweg.

Der erstmals 1963 erschienene Roman lohnt sich neu zu entdecken, eignet sich gut als Geschenk und wird einfach nur Vergnügen schenken.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 6.5.19

Knut Krüger - Nur mal schnell das Lama klauen

Buchhandlung Sabine Jünemann

dtv Verlag, 176 Seiten, 12,99 €

In diesem Buch wird schon Zoes drittes Abenteuer erzählt. Auch ihre beiden Freunden Henry und Finn, und deren ungewöhnliche Haustiere, Norbert das Mammut und Fred das Faultier, spielen wieder einen Rolle. Das Buch beginnt mit den Dreharbeiten zum Film, der erzählt wie Fred zu den drei Freunden kommt. Die Kinder sind begeistert, dass sie sich selbst spielen dürfen.

Zoe stellt bald fest, dass Schauspielern doch gar nicht so einfach ist, sogar wenn man nur sich selber spielen muss. Erst nach mehreren Versuchen ist ihr erster Satz im Kasten, wie man so sagt, und die Regisseurin zufrieden.

Das Faultier Fred erweist sich als viel talentierter als Caroline, die Regisseurin, erwartet hat, und während sie noch laut über eine Änderung des Drehbuches nachdenkt, entsteht plötzlich Unruhe am Filmset. Während zwei Männer miteinander hinter den Kulissen diskutieren, hoppelt ein Tier, mit flauschigem weißem Fell, einer langen Schnauze und spitzen Ohren ins Scheinwerferlicht. Für Zoe sieht es wie eine Mischung aus Kamel und Ziege aus, es ist aber ein kleines Lama.

Die Dreharbeiten werden erst einmal unterbrochen, und nach einigem Überreden gelingt es Zoe, das Lama über Nacht mit nach Hause zu nehmen. Hier versucht sie ihre Mutter davon zu überzeugen, dass sie Emilia, so heißt das Lama nämlich, als Haustier behalten darf. Doch das klappt überhaupt nicht.

Zu allem Überfluss findet Zoe noch am selben Abend heraus, dass sie angelogen wurde. Mama hat doch die neue Adresse des Vaters in Italien im Adressbuch. Wütend und enttäuscht entschließt Zoe sich spontan, zusammen mit Emilia nach Italien zu fahren, um dort Ihren Vater zu besuchen.

Sie macht sich mit der Urlaubskasse auf den Weg, schafft es, eine Zugfahrkarte zu bekommen, und ist bald unterwegs auf einer abenteuerlichen Fahrt. Was werden die beiden neuen Freunde wohl alles erleben? Wird Zoe ihren Vater in Italien finden? Das wird hier natürlich nicht verraten.

Auch in dieser Geschichte um Zoe und ihre Freunde ist es Knut Krüger gelungen, eine spannende, manchmal nachdenkliche, aber auch oftmals einfach witzige Geschichte zu schreiben, die Menschen ab 8 Jahren bestimmt begeistern wird. Dazu tragen auch die tollen Zeichnungen von Verena Körting ihren Teil bei. Da bekommt man Lust, die beiden vorherigen Bücher auch zu lesen, wenn man sie noch nicht kennt.

Von Luise Harloff



Unser Buchtipp im DK vom 29.4.19

Melissa Scrivner Love - Lola

Buchhandlung Sabine Jünemann

Suhrkamp Verlag, 392 Seiten, 14,95 €

Auf den ersten Blick geht die titelgebende Heldin Lola optisch auf in der Gruppe der anderen Latinas. Bringt brav ihrem Freund ein Bier an den Grill, lässt sich in der Küche blicken. Doch was äußerlich wie eine kleine niedliche Maus daherkommt, ist tatsächlich die knallharte Anführerin einer Drogen vertickenden Gang im Stadtteil South Central, L.A.

Die „Crenshaw Six“, so der Name der Gang, versuchen so unauffällig wie möglich zu bleiben, einfach ihr Ding durch zu ziehen, als sie vom mittleren Management ihres Lieferanten für einen Job angeheuert werden, eine ganz einfache Sache: Die Six sollen eine Übergabe eines ihrer „Kollegen“ verhindern, die Kuriere nach dem konkurrierendem Lieferanten befragen und danach entsorgen und anschließend das Heroin beim Management abliefern, etwaig gefundenes Geld in Höhe von 2 Millionen dürfen sie behalten. Alles ganz easy! Sollte etwas schief gehen, müssten sie natürlich allein zurecht kommen. Und selbstverständlich würden sie dann dem Lieferanten eben jene Drogen schulden. Nebenbei würden sie der „niedlichen Freundin“ - Lola - die Haut bei lebendigem Leib abziehen. Nichts Persönliches, sie verstehen?

Sie nehmen den Job an, und es kommt wie es kommen muss: Irgendwer linkt sie ganz gewaltig.

Melissa Scrivner Love schrieb bereits Drehbücher für Krimiserien wie CSI: Miami und Person of Interest. Das merkt man ihr auch handwerklich an, denn dieser Krimi ist atmosphärisch dicht geschrieben und sehr nah an seiner Heldin dran. Man sieht die Ereignisse und anderen Charaktere durch ihre Augen. Er ist rasant, ohne je hektisch zu werden. Das Milieu, in dem er spielt, ist brutal, und die Autorin schont einen auch nicht, Missbrauch, ob Drogen oder anderweitig wird von ihr klar benannt.

Ein harter Krimi mit einer tollen, etwas anderen Heldin. Empfehlenswert!

Von Sarah-Katarina Klecker



Unser Buchtipp im DK vom 22.4.19

Liliane Fontaine - Die Richterin und die tote Archäologin

Buchhandlung Sabine Jünemann

Piper Verlag, 302 Seiten; 14,00 €

Mathilde de Boncourt ist froh, den Fall eines Gattenmordes aufgeklärt zu haben und genießt das sich erwärmende Wetter auf dem Weingut ihres Großvaters bei Nîmes. Hierher zieht sie sich am Wochenende gerne zurück. Am Sonntagnachmittag ist es mit der beschaulichen Ruhe jedoch plötzlich vorbei. Die Nachricht vom Fund einer Toten auf einem archäologischen Grabungsfeld ganz in der Nähe verlangt ihre volle Aufmerksamkeit. Wie sich herausstellt, ist ihr die Tote sogar bekannt. Es handelt sich um eine alte Schulfreundin Mathildes, Flavia Leone. Auch wenn sie sich schon vor langer Zeit aus den Augen verloren haben, ist die Untersuchungsrichterin erschüttert.

Wer hatte ein Interesse daran, Flavia zu töten? Die Ermittlungen gestalten sich schwierig. Die Archäologin war eine Koryphäe ihres Faches, aber diffizil im Umgang. Doch war sie wirklich dermaßen unbeliebt, dass sie jemand ersticken und ihr Gesicht mit der Nachbildung einer antiken Totenmaske bedecken würde? Merkwürdig auch, dass weder das Mobiltelefon, noch ihr Laptop aufzufinden sind. Commandant Bouraada und Lieutenant Tourraint stoßen bei ihren Untersuchungen auf mehr Ungereimtheiten, als ihnen lieb ist. Die Ermittlungen gleichen der Suche nach der berühmten Nadel im Heuhaufen, was ihre Vorgesetzte Madame le Juge wenig begeisert.

Dieser Krimi macht Lust auf Sommer, Sonne, Wind und den Duft des Lavendels, der Südfrankreich zu durchdringen scheint, und weckt gleichzeitig die Sehnsucht nach unbeschwerten Urlaubstagen.

Spannung ist garantiert.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 15.4.19

Lucy Foley - Die leuchtenden Tage am Bosporus

Buchhandlung Sabine Jünemann

Insel Verlag, 432 Seiten; 15,95 €

Der neue Roman von Lucy Foley spielt in Istanbul im Jahre 1921. Die stolze Stadt leidet unter den Folgen des Krieges, der zu ihrer Besetzung durch die Alliierten führte. Viele Männer sind im Krieg gestorben, und die Frauen versuchen ihr Möglichstes, um alleine in ihrer Stadt zu überleben. Eine junge Frau, Nur, die aus einer wohlhabenden, intellektuellen Familie stammt, hat ihren Mann, mit dem sie nur kurz verheiratet war, im Krieg verloren, genauso wie ihr ungeborenes Kind. Ihr Bruder Kerem gilt seit Jahren als verschollen, und sie unterrichtet an seiner Stelle jetzt die Kinder an seiner Schule. Das Haus ihrer Familie ist von den Engländern zum Lazarett umgewandelt worden, sie selbst wohnt mit ihrer Mutter und Großmutter in einer kleinen Wohnung in einem ärmeren Viertel der Stadt. Mit der Aufnahme eines kleinen, siebenjährigen Jungen, der seine Eltern bei einem Feuer verloren hat, beginnt die Geschichte einer vorsichtigen Annäherung von Nur zu einem englischen Arzt, den sie um Hilfe bittet, als der Junge schwer erkrankt.

Die Sorge um ihre Familie und die allmähliche Ahnung, was ihr Bruder Kerem und andere im Krieg getan haben und, dass nicht nur die Alliierten die Bösen sind, verunsichern Nur immer mehr.

Ein faszinierender Roman, der ein schillerndes Panorama einer immer noch unendlich schönen Stadt am Bosporus zeigt.

Von Karin Skrzypczak



Unser Buchtipp im DK vom 8.4.19

Michelle Marly - Madame Piaf und das Lied der Liebe

Buchhandlung Sabine Jünemann

Aufbau Verlag, 431 Seiten; 12,99 €

Nur 1,47 Meter groß, eine klare, voll tönende Stimme, die bis unter das Dach reicht, frech und unabhängig, das ist „La Môme Piaf“, der kleine Spatz, geboren als Edith Giovanna Gassion, berühmt geworden als Edith Piaf.

Seit ihrem 10. Lebensjahr verdient sie ihren Unterhalt als Straßensängerin. Im Alter von knapp 20 Jahren singt sie auf kleinen zweitrangigen Bühnen, bis ihr ein Mentor einen Auftritt im damals berühmtesten Club in Paris als Vorprogramm für einen bereits bekannten Künstler verschafft. Der Erfolg ist überwältigend. Doch der Krieg unterbricht ihre gerade aufkeimende Karriere.

1944, kurz nach der Befreiung von Paris durch die Amerikaner, sucht Ediths Manager für sie einen Künstler, der als Einheizer für ihren Auftritt engagiert werden kann. Er stellt ihr einen jungen Italiener vor. Als Mme Piaf ihn auf der Bühne sieht, ist sie entsetzt. Dieses unfertige, stimmlich unbegabte Etwas sollte in ihrem Vorprogramm auftreten? Auf gar keinen Fall! Wider besseren Wissens besucht sie die Probe mit seinem Pianisten und ist wie elektrisiert. Er kann doch singen, auch wenn ihm der Schliff fehlt, hat er Präsenz! Vielleicht kann aus diesem Yves Montand doch noch etwas werden.

Michelle Marly ist das Pseudonym von Micaela Jary, der Tochter des früher sehr bekannten Komponisten Michael Jary, der ihr schon früh den Zugang zu Musik, Kunst und Kino ermöglichte. In ihrem Roman „Madame Piaf und das Lied der Liebe“ beschreibt sie deren gemeinsame Zeit mit Yves Montand, den Edith Piaf zu einem großen Star aufbaut, der ihr als Chansonnier ebenbürtig war und dessen Liebe sie genoss. „La vie en rose“, so sah Edith ihre Zeit mit Yves. Ihr selbst verfasstes Lied, das auch nach über 50 Jahren nichts von seinem Charme eingebüßt hat und das einer großen Liebe ein Denkmal gesetzt hat.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 1.4.19

Graham Norton - Eine irische Familiengschichte

Buchhandlung Sabine Jünemann

Kindler Verlag, 352 Seiten; 22,00 €

Als Elizabeth Keane Nachricht vom Rechtsanwalt ihrer verstorbenen Mutter erhält, man habe noch eine zusätzliche Nachricht für sie, die sich nicht im Nachlass befunden habe, ist sie überrascht. Nur widerwillig kehrt sie in ihren kleinen Heimatort zurück. Die erste Nacht übernachtet sie im Haus ihrer verstorbenen Mutter, um gleich am nächsten Morgen die Dinge zu sortieren, die sie möglicherweise mit nach New York nehmen möchte.

Doch es kommt anders. Bereits am Abend findet sie im Schrank Ihrer Mutter, wo sie nach einer Decke sucht, eine Schachtel mit Briefen, die offensichtlich von Ihrem früh verstorbenen Vater zu stammen scheinen und den sie daher auch nie kennen gelernt hat. Die liebevollen Briefe beeindrucken sie mit ihrer Wärme, die der Schreiber zu vermitteln suchte.

Von Ihren Verwandten mütterlicherseits kann sie nicht viel über diesen fehlenden Mann in Erfahrung bringen, und auch sonst scheint niemand etwas über ihn zu wissen, außer das er von einer winzigen Farm, genannt Castle House, auf einer Landzunge am Meer in der Nähe Kilkennys stammte.

Im Bestreben ihre Dinge zu regeln, macht Mrs. Keane sich auf, diesen verwunschenen Ort zu erkunden und gleichzeitig mehr über ihren Vater in Erfahrung zu bringen.

Dieses Buch packt einen von der ersten Zeile an. Je mehr man in diese Familiengeschichte eintaucht, umso spannender wird die Geschichte, die scheinbar so harmlos begonnen hat. Als Leser fühlt man deren klaustrophobische Enge fast schon körperlich.

Ein wendungsreicher und extrem spannender Roman und tolles Lesefutter.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 25.3.19

Alan Gratz - Amy und die geheime Bibliothek

Buchhandlung Sabine Jünemann

Hanser Verlag, 234 Seiten; 15,00 €

Amy ist neun Jahre alt und eine begeisterte Leserin. An diesem Tag freut sie sich darauf, endlich ihr Lieblingsbuch wieder aus der Schulbibliothek ausleihen zu können, das aber nicht im Regal steht. Fünf lange Tage hat sie darauf gewartet, es wieder lesen zu dürfen, und ist gänzlich enttäuscht, dass es weg ist. Die 5-Tage-Regel hat die Bibliothekarin Mrs Jones aufgestellt, damit auch andere Kinder die Möglichkeit haben, alle Bücher der Schulbücherei zu lesen.

Allerdings wurde das Buch gar nicht ausgeliehen, sondern Mrs Jones musste es aus der Bibliothek entfernen! Eine Versammlung von Eltern und anderen Leuten, genannt Schulausschuss, hat beschlossen, dass es für die Grundschule ungeeignet ist.

Dagegen möchte die Büchereileiterin in der nächsten Sitzung des Schulausschusses protestieren. Sie bittet Amy, auch zu kommen und zu erklären, weshalb gerade dies ihr Lieblingsbuch ist. Leider ist jene ein sehr zurückhaltendes und ängstliches Mädchen. Die vielen Menschen machen ihr Angst, so dass sie gar nichts zur Verteidigung ihres Buches sagen mag. Mit vielen weiteren Büchern wird es aus der Schulbibliothek entfernt.

Mrs Jones und Amy finden, dass nur die Eltern eines Kindes das Recht haben, ihm das Lesen eines Buches zu verbieten. Sie möchten nicht, dass Kinder benachteiligt werden, deren Eltern nicht so viel Geld zum Kauf von Büchern haben, und suchen nach einer Möglichkeit, die Bücher in die Bibliothek zurück zu bekommen.

Amy hat Glück, ihr Vater kauft ihr das Lieblingsbuch. Als die Kinder sich über die verbannten Bücher unterhalten, stellt sich heraus, das einige Kinder diese besitzen. Amys Idee, eine „G. S. B.“ (Geheime Schließfach Bibliothek) zu gründen, gefällt den anderen Kindern. So kann jedes interessierte Kind die umstrittenen Bücher doch noch lesen.

Aber wir lange kann man diese „G. S. B.“ geheim halten? Und was sollen sie tun, um die verbannten Bücher in die Schulbibliothek zurück zu bringen? Es wird noch sehr spannend, und nicht nur Amy verändert sich dabei.

Alan Gratz hat ein tolles Buch für Menschen ab 9 Jahren geschrieben, das auch neugierig auf die Bücher macht, die es auf die Liste der verbannten Bücher geschafft haben.

Sehr lesenswert!

Von Luise Harloff



Unser Buchtipp im DK vom 18.3.19

Clare McIntosh - Deine letzte Lüge

Buchhandlung Sabine Jünemann

Lübbe Verlag, 464 Seiten; 11,00 €

Caroline Johnson sitzt zu Hause und stillt ihre acht Wochen alte Tochter. Sie ist niedergedrückt, jährt sich doch der Todestag ihrer Mutter das erste Mal. Die Eltern haben, im Abstand von sieben Monaten, Suizid begangen. Zumindest ist es das, was der Gerichtsmediziner festgehalten hatte. Noch immer kann Caroline das weder glauben noch verstehen. Als sie im Briefkasten eine obszön fröhliche Glückwunschkarte mit dem spartanischen Text „Selbstmord? Von wegen!“ findet, fühlt sie sich bestätigt.

Sie beginnt mit eigenen Nachforschungen und erhält unverhofft Hilfestellung von Murray, einem ehrenamtlich arbeitenden Ex-Polizisten, der sich mit seinem Ruhestand nicht so recht anfreunden kann. Zudem hat Caroline bei den Recherchen das permanente Gefühl, beobachtet zu werden. Als ihr dann tatsächlich jemand nachstellt, merkt sie, dass an manche Dinge besser nicht gerührt wird.

Die Autorin war selbst zwölf Jahre als britische Polizistin tätig, bevor sie sich ihrem neuen Beruf als Schriftstellerin zuwandte. Auch dieser Krimi ist wieder voller interessanter, herzlicher und mysteriöser Charaktere, wie schon in ihrem Debütroman „Meine Seele so kalt“.

Clare McIntosch führt uns in jedem Kapitel aus der Perspektive einer anderen Person durch einen Kriminalfall, von dem wir lange Zeit nicht wissen, ob er einer ist. Die Wendungen, die durch die verschiedenen Blickwinkel eingeleitet werden, machen „Deine letzte Lüge“ zu einem sehr spannenden Thriller, den man als Leser*in nicht aus der Hand legen mag.

Von Sarah Klecker



Unser Buchtipp im DK vom 11.3.19

Jocelyn Saucier - Niemals ohne sie

Buchhandlung Sabine Jünemann

Insel Verlag, 255 Seiten; 20,00 €

Dies ist die Geschichte einer außergewöhnlichen Familie, den Cardinals, Vater und Mutter mit insgesamt 21 Kindern. Der Vater, ein Erzsucher, der im Minendistrikt des französischen Teil Kanadas versucht, seine Familie zu ernähren. Die Mutter, die nächtens nach getaner Arbeit durch das Haus geistert und die Häupter ihrer Lieben zählt. Und natürlich die Kinder aller Altersstufen.

Es ist ein unerträglich heißer Sommer. Das Zinkvorkommen, das der Vater entdeckt und an eine Minengesellschaft verkauft hat, bringt weniger ein, als gedacht. Das ärmliche Dasein wird sich nicht ändern. Wütend schmieden die Kinder einen Plan, der sich explosiver entwickelt als vorgesehen und nicht nur die Mine, sondern auch den familiären Zusammenhalt sprengt. Die große Detonation bewirkt die Zerstreuung der Familie in alle Winde, nicht ohne zuvor Schweigen gelobt zu haben. Dieser Pakt des Stillschweigens stellt die Geschwister auf eine Probe, die sie an den Rand ihrer Existenz und fast zum Zerreißen ihrer familiären Bande führt.

Ein Roman, der einem die Zerbrechlichkeit des menschlichen Daseins vor Augen führt und gleichzeitig das bewegende Portrait einer Familie beschreibt, die trotz aller Widrigkeiten den Glauben an ein freies und selbstbestimmtes gemeinschaftliches Leben nicht aufgeben will.

Eindrucksvoll und lesenswert!

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 4.3.19

Annabel Abbs - Die Tänzerin von Paris

Buchhandlung Sabine Jünemann

Aufbau Verlag, 506 Seiten; 12,99 €

Lucia Joyce ist die Tochter des berühmten Schriftstellers James Joyce, dessen Roman „Ulysses“ bereits erschienen ist. Die Familie lebt Ende der 1920er Jahre in Paris. James Joyce erhält finanzielle Unterstützung von Mäzenen, so dass sie sich ein mondänes Leben erlauben können. Allerdings steht es schlecht um die Gesundheit seiner Augen, so dass er Hilfe beim Lesen und Schreiben benötigt. Er erhält sie von Lucia und wechselnden Bewunderern. Als Samuel Beckett auf der Bildfläche erscheint, hat Lucia eine ihrer Visionen. Sie ist überzeugt, Becketts Ehefrau zu werden. Sie sehen sich häufig in ihrem Elternhaus, wenn Beckett zum Arbeiten kommt, und es gibt Momente, in denen sie sich einander nah sind. Schließlich kommt es zum Eklat, Lucia fordert eine direkte Stellungnahme Becketts, und er erklärt, sie nicht heiraten zu wollen. Daraufhin muss er seine Tätigkeit für ihren Vater aufgeben. Lucia ist am Boden zerstört. Kurz darauf erscheint ein junger Maler, der ihr Unterricht gibt. Sie verliebt sich erneut und träumt davon, Mrs. Calder zu werden. Doch auch diese Hoffnung stirbt, als der junge Mann seine Verlobte heiratet, von der Lucia nichts wusste.

Als sich auch noch ihr Plan, eine Tanzschule zu eröffnen, zerschlägt, und sie sich von ihren Eltern verraten fühlt, fühlt sie sich psychisch so schlecht, dass sie von unterschiedlichen Ärzten und schließlich von Doktor Jung behandelt wird. Annabel Abbs beschreibt die wahre Geschichte zwischen James Joyce und seiner Tochter.

Lucias Schwierigkeiten, sich aus der Abhängigkeit ihrer Eltern, insbesondere von ihrem berühmten Vater zu befreien, da sie sich als Muse ihres Vaters fühlt und davon überzeugt ist, dass er sie braucht.

Ein eigenes Leben zu führen, was anderen Frauen in den 1920er Jahren leichter gelingt, ist ihr nicht vergönnt.

Von Katja Rewerts



Unser Buchtipp im DK vom 25.2.19

Elena Ferrante - Frau im Dunkeln

Buchhandlung Sabine Jünemann

Suhrkamp Verlag, 187 Seiten; 22,00 €

Für alle, die das Ferrante-Fieber immer noch fest im Griff hat, aber auch für diejenigen, die diese Autorin gerne mal kennenlernen möchten, ist dieser wieder aufgelegte Roman eine wunderbare Lektüre.

„Frau im Dunkeln“ ist die Geschichte der fast fünfzigjährigen Leda, die einen unbeschwerten mehrwöchigen Sommerurlaub an einem Strand in Italien verbringen möchte. Ihre beiden erwachsenen Töchter leben seit kurzem bei ihrem Mann in Kanada, und sie fühlt sich so frei und wohl wie lange nicht mehr. Doch das Strandleben bringt ihr nicht die erhoffte Erholung, die Nähe zu einer großen, lauten neapolitanischen Familie erinnert sie immer mehr an ihre eigene Vergangenheit in Neapel, von der sie glaubte, sie längst hinter sich gelassen zu haben. Besonders fasziniert Leda am Strand eine junge Mutter mit ihrer kleinen Tochter, die sich deutlich vom Rest der Großfamilie unterscheidet und die letztendlich Auslöser für eine unüberlegte Tat sind.

Auch dieser Roman thematisiert wieder das Leben von Frauen und Müttern in Italien über mehrere Generationen hinweg und verdeutlicht, wie wenig sich doch über die Jahre geändert hat. Elena Ferrante beginnt wieder mit dem Ende der Geschichte und schafft es dennoch, die Spannung bis zur letzten Seite zu halten. Unglaublich ehrlich und direkt, ein passendes Buch zum Weltfrauentag im März.

Von Karin Skrzypczak



Unser Buchtipp im DK vom 18.2.19

Marion Achard - Am Ende des Regenwaldes

Buchhandlung Sabine Jünemann

Magellan Verlag, 94 Seiten; 11,00 €

Die junge Daboka erzählt uns von dem Leben ihres Stammes in den Wäldern des Regenwaldes. Wie achtsam sie mit der Natur leben, wie viel sie in der Lage sind, wahr zu nehmen.

Eines Tages bricht der weiße Mensch in ihre Harmonie. Der Wald ist durchschnitten von einem stinkenden „Band“, eine Straße kennen sie nicht. Der Stammesälteste ist zunächst überfordert, erinnert sich in einer Trance aber an seine Erfahrungen mit weißen Missionaren in seiner Kindheit. Er zieht los, um mit einem ehemaligen Ureinwohner zu sprechen, der im Dorf der Weißen lebt, kehrt aber nicht zurück.

Stattdessen entdecken die Mädchen bei ihrer Rückkehr vom Fluss ihre getöteten Stammesmitglieder. Die beiden Schwestern sind die einzigen Überlebenden. Sie werden gefangen genommen und in ein Dorf gebracht, wo sie von den Einwohnern begafft und angefasst werden. Eine ehemalige Ureinwohnerin aus einem anderen Stamm, die in einem anderen Dorf lebt, besucht sie. Sie ist die einzige, die ihre Sprache spricht. Auch von ihr lässt sich Daboka nicht überzeugen, sich dem Leben im Dorf anzupassen, sie will zurück in den Wald.

Schließlich erhält sie Hilfe, sie werden in einem Auto zurückgebracht und leben nun mit einem befreundeten Stamm.

Marion Achard beschreibt das aktuelle Thema des Lebensraumverlustes der Ureinwohner sehr spannend und berührend anhand dieses Einzelschicksals. Am Ende des Buches finden sich noch weitere Informationen zu der Situation der Ureinwohner in Südamerika.

Von Katja Rewerts



Unser Buchtipp im DK vom 11.2.19

Alyssa Hollingsworth - 1x Pech und 11x Glück

Buchhandlung Sabine Jünemann

Loewe Verlag, 352 Seiten; 14,95 €

Sami und sein Großvater leben als anerkannte Flüchtlinge in Boston. Nach Schulschluss holt der Junge seinen Großvater an einem U-Bahnhof ab, in welchem dieser als Straßenmusiker arbeitet. Dort spielt er die Rubab, das traditionelle afghanische Saiteninstrument. Als früherer Berufsmusiker in seiner Heimat ist dieses Instrument nicht nur sein ganzer Stolz, sondern auch sein kostbarster Besitz.

Eines Abends wird es seinem Enkel, der kurz darauf aufpassen sollte, aus den Händen gerissen. Trotz allen Bemühens ist der Dieb nicht einzufangen und das Instrument verloren. Es wird ein sehr trauriger Abend für Großvater und Enkel. In der Schule hört Sami das erste Mal das Wort Pfandleihe, als er von seinem Missgeschick berichtet. Hoffnungsvoll macht er sich auf die Suche. Wahrhaftig findet er das gestohlene Instrument in einem Leihhaus. Allerdings will der Händler 500,00$ dafür.

Woher soll Sami, der gerade das Nötigste zum Leben besitzt, so viel Geld bekommen? Nach langem Überlegen kommt ihm die Idee, evtl. ein Tauschgeschäft machen zu können.

Er beginnt mit seinem für ihn wertvollsten Besitz, den Schlüsselanhänger des Fußballvereins von Manchester United. Hoffnungsvoll tauscht er ihn gegen einen iPod, um diesen verkaufen zu können, um mit diesem Geld etwas Wertvolleres erwerben und damit weiter handeln zu können.

Ob es ihm gelingen wird? Vielleicht können ihm auch seine Freunde aus dem Freizeitzentrum helfen.

Sami hat trotz all seiner schlechten Erfahrungen auf der Flucht nicht den Glauben an die Kraft des Wünschens verloren und hofft auf den Erfolg. Eine wundervolle Geschichte über die Freundschaft, Mut und den festen Willen, nie aufzugeben.

Für Menschen ab 11 Jahren!

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 4.2.19

Ilona Jerger - Und Marx stand still in Darwins Garten

Buchhandlung Sabine Jünemann

Ullstein Taschenbuchverlag, 284 Seiten; 11,00 €

Nur wenige Meilen entfernt von einander leben Anfang der 1880er Jahre der Naturwissenschaftler Charles Darwin und Karl Marx, politischer Flüchtling vor den Notstandsgesetzen Bismarcks. Beide eint das Wissen um die bahnbrechenden Werke, die sie geschaffen haben, Darwin als Naturwissenschaftler und Marx als politischer Ökonom. Doch nicht nur das Wissen um ihre Genialität eint sie. Ihnen Beiden ist auch das Wissen darum gemeinsam, dass ihnen die Mitmenschen, bis auf wenige Ausnahmen, nicht folgen können, so dass sie über die Anfeindungen melancholisch, ja fast schon depressiv werden.

Wer lässt auch schon gerne von sich sagen, man habe Gott getötet wie seinerzeit Darwin? Was soll man auch vom Schöpfer der Welt halten, wenn man gerade festgestellt hat, dass die Erde mitnichten am 23. Oktober 4004 v. Ch. entstanden ist, wie ein anglikanischer Geistlicher berechnet haben will, sondern wesentlich älter sein muss, was sich am Entstehen der Gebirge durch Gesteine belegen lässt. Darwin zieht sich zurück in sein Gewächshaus, züchtet Orchideen und erforscht nebenher das Leben des Regenwurmes.

Marx, der kränkliche, verarmte und streitbare Emigrant, ist auf die Unterstützung von Freunden angewiesen, darauf wartend, dass sein Werk endlich Früchte trägt.

Eines Abends treffen die beiden großen Denker aufeinander. Ein Dinner im Hause Darwins, gemeinsam betreten sie den Garten und stehen sinnierend und philosophierend still nebeneinander.

So zumindest hat sich die Autorin ein Zusammentreffen der beiden Geistesgrößen vorgestellt. Wer weiß, vielleicht wäre es wirklich so gewesen, hätten sich die beiden Koryphäen im realen Leben auch getroffen. Fest steht lediglich, dass sie im Abstand von nur wenigen Monaten starben und beide das Werk des anderen zu würdigen wussten.

Amüsant und lehrreich wird hier Kulturgeschichte vermittelt. Ein literarischer Knalleffekt!

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 28.1.19

Maria Regina Kaiser: Hildegard von Bingen – Die mächtigste Nonne des Mittelalters

Buchhandlung Sabine Jünemann

Herder Verlag, 255 Seiten; 22,00 €

Als den Grafen von Bermersheim nach neun Kindern 1098 erneut ein Mädchen geboren wurde, glaubten die Eltern nicht, dass es das Erwachsenenalter erreichen würde. Zu krank und schwächlich war dieses kleine Wesen. Interessanterweise wusste sich das kleine Mädchen trotz seiner Gebrechen zu behaupten und fand in ihrer Cousine Jutta von Sponheim eine bereitwillige Unterstützerin. Seltsam fand die Familie allerdings die klaren Aussagen Hildegards über das Befinden, egal ob gut oder schlecht, von weit entfernt wohnenden Freunden, Verwandten oder Verbündeten.

Eine Visionärin? Tatsächlich hatte Hildegard Zeit ihres Lebens Visionen und Eingebungen. Als Nonne und spätere Äbtissin des Klosters auf dem Rupertsberg oberhalb Bingen, begann sie mit der Niederschrift ihrer göttlichen Visionen. Seit ihrem Eintritt ins Kloster mit acht Jahren und dem Professgelübde sechs Jahre später wächst ihr Ruhm als Heilerin und weise Ratgeberin voller Spiritualität.

Ihr Ansehen wächst über die Landesgrenzen hinaus, sie erhält die Erlaubnis, neben ihrer Klosterleitung auch predigen zu dürfen. Für eine Frau, selbst als Nonne zur damaligen Zeit, ein Novum. Im Hohen Alter von 68 Jahren gründete sie ein weiteres Kloster. 13 Jahre später stirbt die energische Frau im Kloster auf dem Rupertsberg.

Viele Würden, darunter die Heiligsprechung gut 50 Jahre später, und im Jahr 2012 die Ernennung zur Kirchenlehrerin durch Papst Benedikt den XVI folgten.

Wer sich für die Frau mit den vielen Talenten und die mächtigste Nonne des Mittelalters interessiert, dem wird mit diesem Roman nicht nur höchst kenntnisreich und kurzweilig viele Informationen vermittelt, sondern auch gut unterhalten.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 21.1.19

Betty Smith - Ein Baum wächst in Brooklyn

Buchhandlung Sabine Jünemann

Insel TB Verlag, 622 Seiten; 12,00 €

75 Jahre nach der Ersterscheinung zieht dieser Roman seine Leser noch genauso in seinen Bann wie bei seiner Veröffentlichung 1943. Zwar hat es nicht die Berühmtheit des nur wenige Jahre zuvor erschienenen Buches von Margret Mitchell „Vom Winde verweht“ erreicht, doch ist dieser Roman eindrücklicher in seinen Charakterstudien und bezaubert generationenumspannend auch heute noch Menschen allen Alters und Geschlechts.

Erzählt wird die Geschichte der Familie Nolan aus der Sicht der zu Beginn elfjährigen Francie Nolan. Ein kleines Mädchen, das jeden Tag ein Buch liest, zum Lebensunterhalt der Familie beiträgt und fest in seinem Stadtteil verwurzelt ist. So fest, dass es ähnlich wie der Baum vor seinem Fenster immer neue Kraft daraus schöpft, lesend in andere Welten einzutauchen zu können. Dabei verliert sie nie den Blick für die Realität des Lebens. Die Armut der Familie, den frühen Tod des Vaters und damit der für sie frühe Beginn des Arbeitslebens. Die Veränderungen, die der Ausbruch des 1. Weltkrieges mit sich bringt, ganz zu schweigen von den neuen Techniken, die das althergebrachte Leben verändern, und ihre erste große Liebe.

All dies beschreibt die Autorin, die selbst aus einer Einwandererfamilie stammt, derart eindrücklich, dass man als Leser Teil dieser Familie zu sein scheint.

Ein Buch, das es wert ist, innerhalb der Familie gelesen und weitergereicht zu werden und immer wieder neu zu entdecken ist.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 14.1.19

Hannah Doyle - Mein Jahr zum Glück

Buchhandlung Sabine Jünemann

Rowohlt, 541 Seiten; 9,99 €

Isobel Mulligan, genannt Izzy, hat, wie schon so oft zu Beginn des neuen Jahres, eine Liste von guten Vorsätzen erstellt, die es abzuarbeiten gilt. Die Themen reichen von mehr Sport über weniger dick machendes Gebäck essen bis zu dem wichtigsten Punkt überhaupt - endlich den Mann fürs Leben zu finden.

Miss Mulligans nicht abgearbeiteten guten Vorsätze werden dann Thema der Redaktionskonferenz für das Motto der nächsten Zeitschriftenausgabe. Die Kolumne soll heißen: „Sag JA zu deinem neuen Jahr!“

Izzy muss sich in den nächsten Monaten Herausforderungen stellen, vor denen sie sich am liebsten verkriechen würde. Außerdem muss sie neben Facebook-Beiträgen auch gleichzeitig jeweils einen Erfahrungsbericht für die weiteren Ausgaben schreiben. Es fängt an mit einem Besuch beim Friseur mit anschließender Stilberatung über einen Schwesternausflug (die Schwestern sind sich allerdings nicht ganz grün) bis hin zu einem Auftritt als Showtänzerin für eine Rockgruppe auf einem Festival.

Danach ist Isobel nichts mehr peinlich, und sie strotzt vor Selbstbewusstsein, was sich überaus positiv auf ihr Privatleben und die Liebe auswirkt.

Eine spritzige Komödie zum Jahresbeginn, die gute Laune versprüht und tristes Winterwetter vergessen lässt. Und was die Vorsätze betrifft, halten Sie es mit Erich Kästner, der gesagt hat: „Es nützt nichts sich tausend Dinge vorzunehmen. Lasst das Programm! Und bessert euch drauflos!“

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 7.1.19

Michelle Cohen Corasanti, Jamal Kanj - Das Mädchen, das die Hoffnung fand

Buchhandlung Sabine Jünemann

Fischer Taschenbuch, 416 Seiten; 10,99 €

Odessa Anfang der 30er Jahre. Nichts und Niemand ist vor Stalins Schergen sicher, schon gar nicht begüterte jüdische Familien. Als die Mutter bei einem Soldatenüberfall auf ihr Zuhause stirbt, bleiben Vater und Tochter nur die Flucht ins gelobte Land. Versteckt an Bord eines Schiffes, gelangen sie nach Jaffa in Palästina. Nur allmählich gelingt es ihnen unter vielen Entbehrungen, eine eigene Existenz aufzubauen.

Sarah, die Tochter, arbeitet als Krankenschwester in einem wohlhabenden Privathaushalt, der Vater als Orangenhändler für die gleiche Familie. Misstrauisch beäugt der Vater die sich anbahnende Zuneigung seiner Tochter zum Sohn des Hauses. Niemals darf eine Jüdin eine Verbindung zu einem Muslim eingehen. Eine Tragödie epischen Ausmaßes nimmt ihren Lauf, und die Lebenden werden getrennt.

Viele Jahrzehnte später kommt eine junge Amerikanerin in das Land ihrer Vorfahren. An der Uni trifft sie auf einen palästinensischen Flüchtling, mit dem sie sich sofort gut versteht. Allen Widrigkeiten zum Trotz verlieben sich die jungen Leute. Den Anfeindungen, denen sie ausgesetzt sind, begegnen sie entschlossen und gewitzt. Schwierig wird es, als ihre Familien intervenieren. Sollte sich das Schicksal nochmals wiederholen?

Rebecca erfährt von ihrer Großmutter Sarah nicht nur die dringend benötigte Unterstützung, sondern auch deren lang gehütetes Familiengeheimnis. Wer weiß, wie es Rebecca und Amir ergehen wird?

Michelle Cohen Corasanti hat die Zeit der Intifada und den Überfall auf eines der größten Flüchtlingslager im Libanon eingebettet in eine berührende Familiengeschichte, die so oder anders auch anderswo im Nahen Osten hätte geschehen können.

Spannend bis zur letzten Seite.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 31.12.18

Daniel Speck - Piccola Sicilia

Buchhandlung Sabine Jünemann

Fischer Verlag, 622 Seiten; 16,99 €

Tunis ist während des 2. Weltkrieges ein friedliches Fleckchen Erde, leben doch alle Religionen und Kulturen friedlich mit- und nebeneinander, auch wenn jeder sein bevorzugtes Stadtviertel hat.

Eines davon, in Hafennähe, ist „Piccola Sicilia“. Hier lebt die Familie Sarfati. Der Vater arbeitet als Arzt am französischen Krankenhaus, der Sohn zum Leidwesen seines Vaters als Barpianist im bekanntesten Hotel der Stadt. Hier hat auch seine Tochter eine Anstellung als Zimmermädchen gefunden. Als die Deutschen in einem Handstreich 1942 Tunesien okkupieren, ist es aus mit dem friedlichen Miteinander. Die Sarfatis, als Juden, müssen untertauchen.

Victors Chef versteckt sie in seinem Haus in der Medina, einem Labyrinth aus kleinen Gässchen. Das mittlerweile von den Deutschen besetzte Hotel bietet Victor und Yasmina die ideale Möglichkeit, trotzdem ein wenig Geld zu verdienen, wer achtet schon auf das Personal? Einzig einem jungen Propagandaoffizier mit Kamera fallen die beiden auf. Als Victors Verkleidung auffliegt, rettet Moritz Rincke ihn vor dem sicheren Tod.

Jahrzehnte später steht eine junge Frau an der sizilianischen Küste und hofft, endlich mehr über ihren im Krieg verschollenen Großvater zu erfahren, dessen Flugzeug hier abgestürzt ist. Nie haben sie oder ihre Mutter etwas über diesen Mann erfahren können, eine schwärende Wunde in der Familiengeschichte.

Der eigentliche Schock kommt jedoch erst noch. Plötzlich steht eine Frau vor Nina, die von sich behauptet, ihre Tante zu sein. Die Verwirrung ist komplett. Über Generationen hinweg drängt ein Familiengeheimnis ans Licht, welches das bisherige Leben von Ninas Familie auf den Kopf stellt.

Ein farbenprächtiger Roman mit dem Zauber des Orients, faszinierenden Rätseln, die ihrer Lösung harren, und vor allem wunderbar zu lesen.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 24.12.18

David Walliams – Die Mitternachtsbande

Buchhandlung Sabine Jünemann

Rowohlt Verlag, 480 Seiten; 16,99 €

Der 12-jährige Tom ist durch einen blöden Unfall im Internat in das altehrwürdige und reichlich heruntergekommene Lord-Fund-Krankenhaus eingeliefert worden. Dort angekommen, wird er prompt vom unheimlichen Pfleger - Typ „Igor“ - in den 44.(!) Stock gebracht. Direkt unter dem Dach ist die Kinderstation, welche unter der Knute der fiesen Oberschwester steht. Dort trifft er auf vier andere Kinder: George, der eine Mandel-OP hatte sowie das strikte Verbot Süßigkeiten zu essen, Amber, deren Beine UND Arme eingegipst sind, Robin mit der Augenbinde und die kleine blasse Sally, die sehr krank ist und fast nur schläft. Gleich in der ersten Nachts entreißt die Oberschwester George seine Pralinen, um sie selbst zu verschlingen, ohne zu ahnen, dass die Leckereien von ihm mit einem Schlafmittel versetzt wurden. Nachdem sie eingeschlafen ist, schleichen (eher poltern) sich Amber, George und Robin aus der Station. Amber wird dabei vom blinden Robin in einem maroden Rollstuhl geschoben.

Tom schleicht ihnen nach und entdeckt die legendäre Mitternachtsbande, die seit der Eröffnung des Krankenhauses besteht und von Kindergeneration zu Kindergeneration weitergetragen wird. Das Ziel der Bande ist es, einen spektakulären Wusch der kranken Kinder im Krankenhaus zu erfüllen.

Wie Tom es schafft, in die Mitternachtsbande aufgenommen zu werden und welche Abenteuer er bestehen muss, um wieder aus dem Krankenhaus entlassen zu werden, können Sie nur erfahren, wenn Sie das Buch selber zu Ende lesen.

Hier sind ganz klar die Kinder die Helden, die Erwachsenen sind entweder fies, unfähig oder heillos überfordert. Die Kinder dagegen sind gewitzt und wissen sich zu helfen. Auch die Aufmachung ist großartig, mit vielen Illustrationen und schönen Schrifteffekten. Ein wunderbares Buch für Selbstleser ab 9 Jahren.

Mr. Walliams könnte Ihnen als eine Hälfte des bitterbösen Comedian-Duos von „Little Britain“ bekannt sein. Dem aufmerksamen Leser dieser Kolumne dagegen ist Mr. Walliams schon als Autor der Kinderbücher „Gangsta-Oma“ und „Propeller-Opa“ begegnet.

Von Sarah-Katarina Klecker



Unser Buchtipp im DK vom 17.12.18

Lucie Castel - Weihnachten wird wunderbar

Buchhandlung Sabine Jünemann

Thiele Verlag, 237 Seiten; 15,00 €

Scarlett und ihre Schwester Mélanie wollen Weihnachten zu Hause in Frankreich verbringen, so wie in jedem Jahr.

Dieses Jahr ist es umso wichtiger. Ihr Vater ist erst kürzlich verstorben, und sie wollen ihre Mutter nicht alleine lassen. Allerdings haben die beiden Schwestern nicht mit dem Wetterkapriolen gerechnet, die London wenige Stunden vor diesem Heiligen Abend heimsuchen. Es schneit, ein wahrer Blizzard! Nichts geht mehr, alle Flüge sind gestrichen. In der Hoffnung, am nächsten Tag fliegen zu können, verbringen sie die Nacht im Flughafenhotel. Unter den Gästen ist auch der ebenfalls gestrandete Londoner Kunsthändler William.

Als auch am nächsten Tag keine Weiterreise möglich ist, lädt William, ganz Kavalier britischer Schule, seine beiden Sitznachbarinnen zu sich nach Hause ein. In der Hoffnung, die funkensprühenden Wortwechsel zu Hause fortführen zu können, treffen die verhinderten Reisenden in seinem Stadthaus ein. Hier werden sie davon überrascht, dass nicht nur Williams Bruder, sondern seine ganze Verwandtschaft sein Haus mit Beschlag belegt hat. Es entwickelt sich eine Szenerie, die an die großen Screwball Komödien erinnert.

Britisch unterkühlt mit französischem Charme und funkelnd vor Humor. Ein köstliches Weihnachtsvergnügen.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 10.12.18

Tom Hillenbrand - Bittere Schokolade

Buchhandlung Sabine Jünemann

KiWi Verlag, 472 Seiten; 11,00 €

Tom Hillenbrand, der in diesen Jahr für seinen SF-Thriller Hologrammatica den Bremer Krimipreis erhielt, ist zu seinen erfolgreichen Krimis zurückgekehrt und lässt seinen Küchenchef wieder ermitteln.

Dieses Mal trifft Xavier Kiefer auf seine ehemalige große Liebe Ketti aus seiner Pariser Sturm- und Drangzeit. Natürlich ist die Liebe längst erkaltet, und man hat sich aus den Augen verloren. Außerdem ist der Luxemburger längst wieder vergeben.

Als Ketti, die Chocolatière, ihn um Rat bittet und ihm gleichzeitig ihr ehrgeiziges Afrikaprojekt vorstellt, ist der Koch einerseits überrascht, andererseits gerührt von ihrem Engagement für die Entwicklungshilfe.

Kurz nach ihrem Wiedersehen spitzen sich die Ereignisse zu. Die junge Schokoladenfabrikantin bittet ihn in höchster Not um Hilfe. Als Xavier am vereinbarten Treffpunkt eintrifft, kann er nur noch ihre letzten Worte verstehen, denn seine Freundin liegt von mehreren Kugeln getroffen im Sterben. „Es ist die Hexe!“ Mit diesen Worten kann der Koch nun so gar nichts anfangen. Aber sie wecken seine Neugier, und aus alter Freundschaft fühlt er sich verpflichtet, so dass Xavier sich auf Spurensuche begibt. Dabei ist ihm sein Freund Pekka, der in der Landwirtschaftsabteilung der EU in Luxemburg arbeitet, eine große Hilfe.

Tom Hillenbrand hat hier wieder einen fulminanten Krimi abgeliefert, der einen hervorragenden Einblick in die Welt der Schokoladenindustrie gibt, egal ob industriell gehandelt oder fair-trade.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 3.12.18

Janina Kastevik - Noel und der geheimnisvolle Wunschzettel

Buchhandlung Sabine Jünemann

Hanser Verlag, 126 Seiten; 14,00 €

Das Buch erzählt die Geschichte des kleinen Jungen Noel und seines geheimnisvollen Wunschzettels.

Erst vor einem halben Jahr ist er mit seinem Vater in die neue Stadt umgezogen. In seiner Klasse hat er immer noch keine Freunde gefunden, so dass er sich manchmal sehr allein fühlt. Dabei ist er doch eigentlich ein ganz normaler Junge, wie er findet. In den Pausen ist er immer allein, so dass er inzwischen in seinem Klassenzimmer bleibt und liest.

Besonders fehlt ihm seine Mutter, die als Medizinerin für Ärzte ohne Grenzen im Ausland arbeitet, denn auch sein Vater kann sich wegen seiner Stelle nicht so viel um ihn kümmern. So ist für ihn die Adventszeit doch ein wenig düster.

Das alles ändert sich jedoch, als er auf dem Heimweg im Bus einen zerknitterten Wunschzettel findet. Zuerst will er ihn einfach in den Papierkorb werfen, als er entdeckt das sein Name darauf steht, betrachtet er ihn neugierig geworden etwas genauer.

Was für Wünsche soll er notieren, vielleicht, dass er sich einen Freund wünscht?

Noels Wunschzettel wird noch für Kapriolen sorgen, aber das, liebe Leser, müsst ihr selber herausfinden, denn das wird nicht verraten. In vierundzwanzig Erzählungen wird das Rätsel um Noels geheimnisvollen Wunschzettel gelöst.

Janina Kastevik ist eine magisch schöne Geschichte für Menschen ab 8 Jahren gelungen, die sich gut zum Selberlesen oder Vorlesen für die ganze Familie für die Adventszeit eignet. Wer weiß, manchmal gehen Wünsche ja auch in Erfüllung. Hinzu kommen die liebevollen Illustrationen von Pe Grigo, die Lust auf den Winter und Weihnachten machen.

Von Luise Harloff



Unser Buchtipp im DK vom 26.11.18

Klaus Modick - Vierundzwanzig Türen

Buchhandlung Sabine Jünemann

KiWi Verlag, 247 Seiten; 10,00 €

Klaus Modick schenkt uns mit diesem Roman eine ganz besondere Adventskalendergeschichte. Die beiden Töchter des Erzählers befinden sich allmählich in einem Alter, in dem die Wünsche größer und teurer werden. Ein Adventskalender wird als nicht mehr altersgemäß betrachtet, sondern eher als etwas für kleine Kinder oder seltsame Erwachsene. Aber als die Frau des Erzählers und Mutter der beiden Mädchen mit einem geschenkten Unikat nach Hause kommt, weckt dieser Adventskalender dann doch das Interesse der ganzen Familie. Hinter jedem Türchen verbirgt sich eine ganz besondere, sehr schöne Zeichnung, die ein großes Talent verrät und die Grundlage für eine Geschichte aus der Nachkriegszeit bildet, die ebenfalls zur Weihnachtzeit spielt. Mit der parallel erzählten Geschichte der Familie in der heutigen Zeit und den Erinnerungen des Erzählers an seine eigene Kindheit, die durch die kleinen Bilder hinter den Türen geweckt werden, wird auf sehr unterhaltsame und spannende Art und Weise die sich doch sehr veränderte Weihnachtszeit im Laufe der Jahre deutlich. Eine wunderbare Lektüre, es erfordert schon eine große Anstrengung die imaginären Türen nicht eher zu öffnen. Man möchte am liebsten gleich weiterlesen, um zu erfahren, was sich noch alles an Geschichten in diesem Roman verbirgt.

Von Karin Skrzypczak



Unser Buchtipp im DK vom 19.11.18

Jon Cohen - Die wundersame Mission des Harry Crane

Buchhandlung Sabine Jünemann

Insel Verlag, 537 Seiten; 15,95 €

„Es war einmal“, so könnte dieser Roman anfangen. Anders als erwartet jedoch beginnt es für Harry Crane mit einem tragischen Verlust. Ein schwerer Unfall auf einer Baustelle raubt ihm seine über alles geliebte Frau Beth. Seine Trauer drüber ist so tief, dass er fast den Verstand zu verlieren droht. Der Schadenersatz, der ihm zugesprochen wird, beträgt nach Abzug aller Kosten über 4.000.000 $.

Trotzdem kann diese Summe ihm seine Liebste nicht ersetzen. Am Boden zerstört, flüchtet sich Harry dorthin, wo er sich schon als Kind am besten aufgehoben fühlte – in den Wald. Endless Mountains, das letzte zusammen hängende Waldgebiet am Rande der Appalachen. Ein riesiges Naturschutzgebiet mit seinem bunten Mischwald und uralten Bäumen wird sein Rückzugsort. In einem widerrechtlich errichteten Baumhaus in einer fast 50 m hohen Buche findet er ein Refugium. Eingeladen von einem kleinen Mädchen, das sich in der Trauer über den Tod des Vaters in ebendiesem Wald ein verwunschenes Zauberreich aus Elfen und Feen erträumt hat und Harry als Geschenk der Götter betrachtet.

Orianas Glaube an die Kraft der Märchen und daran, dass am Ende des Regenbogens ein Topf mit Gold wartet und sich alles zum Guten wenden wird, ist durch nichts zu erschüttern.

Wer will schon den Glauben eines Kindes zerstören? Harry jedenfalls nicht, und so beginnt die wundersame Mission des Harry Crane.

Ein Buch für alle, die an die Kraft des Wünschens glauben und daran, dass die Hoffnung zuletzt stirbt. Einfach magisch.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 12.11.18

Durian Sukegawa – Die Insel der Freundschaft

Buchhandlung Sabine Jünemann

Dumont Verlag, 344 Seiten; 11,00 €

Sukegawa wirft uns Leser augenblicklich in die Geschichte: Der Protagonist Ryosuke sitzt an einem Tisch einer Fähre, auf dem Weg zu seiner neuen Arbeit. Ihm gegenüber sitzt sein zukünftiger Arbeitgeber. Die Stimmung ist gedrückt, man ist peinlich berührt. Auch das Eintreffen der beiden anderen Kollegen vermag die Situation nicht zu retten.

Die zukünftige Arbeitsstelle ist eine Baustelle auf einer kleinen japanischen Insel, welche kaum erschlossen ist. Die Inselbewohner sind eher rau und nicht an den Fremdlingen interessiert, die Lebensart so ganz anders als im geschäftigen Tokio.

Ryosuke, selbst sehr verschlossenen, geht der Knochen brechenden Arbeit nach, hat aber eigentlich andere Pläne. Er sucht nach einem alten Freund seines Vaters, um ihn nach den rätselhaften Umständen zum Tode seines Vaters zu befragen, hoffend damit ein Geheimnis seiner Kindheit zu lüften. Bevor er diesen findet, hat er eine höchst dramatische Begegnung mit einer Ziege, die auf dieser abgeschiedenen Insel eh einen sehr charakterstarken Eindruck machen, um nicht störrisch zu sagen.

Die Situationen sind einerseits komisch - der Bauleiter schafft es mit seiner linkischen Art, jeden vor den Kopf zu stoßen, Begegnungen mit besagten Ziegen - andererseits diffus bedrohlich - die stürmische See scheint ein Vorbote dessen zu sein, was Ryosuke auf der Insel erwartet und auch die eher feindselig eingestellten Dorfbewohner.

Das Buch zeichnet sich durch leise Töne aus. Die winzige Insel Aburi-jima und die Lebensart dort werden sehr gut festgehalten. Die Landschaftsbeschreibungen haben etwas Phantastisches an sich und stehen in Verbindung zur Gemütslage der Figuren. Ryosukes Suche und innere Zerrissenheit treiben die Geschichte voran. Ein nachdenkliches, andererseits aber carmantes und bisweilen kurzweiliges Buch.

Kleine Notiz am Rande: Das Getränk Shochu findet immer wieder Erwähnung. Es ist ein japanischer Brantwein, auch „japanischer Wodka“ genannt. Die Dorfbewohner konsumieren ihn gern und häufig.

Wer Japan und japanische Literatur mag, kann hier nichts verkehrt machen. Feine, absurde Situationen inbegriffen, die zum Schmunzeln anregen.

Von Sarah-Katarina Klecker



Unser Buchtipp im DK vom 5.11.18

Candice Fox - Redemption Point

Buchhandlung Sabine Jünemann

Suhrkamp Verlag, 440 Seiten; 15,99 €

Ted Conkaffey ist ein Ex-Cop der australischen Polizei, der nach einem Gefängnisaufenthalt als mutmaßlicher Kinderschänder wieder auf freiem Fuß ist. Seit einiger Zeit lebt er in einem heruntergekommenen Bungalow am Rande des Crimson Lake in der Nähe von Cairns im Norden Australiens.

Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis hat er Arbeit gefunden. Seine Chefin ist die Privatdetektivin Amada Pharell, auch ein Ex-Knacki. Zusammen sind sie das schrägste Ermittlerduo Australiens.

Gemeinsam mögen sie unschlagbar sein, doch in Conkaffeys speziellen Fall kann nur er selbst sich die dringend notwendige Erlösung verschaffen. Während Amanda in dem den Fall der beiden bei einem Raub getöten jungen Barkeeper ermittelt, und dabei alsbald in ein Hornissennest sticht, kümmert Ted sich notgedrungen um seinen eigenen Fall. Spätestens als sich der Vater seines mutmaßlichen Opfers gewaltsam Zutritt zu Conkaffeys neuem Zuhause verschafft und ihn schwer attackiert, bleibt ihm auch nichts anderes übrig.

Einem Ex-Bullen, der als Kinderschänder gilt, vertraut niemand. Wer soll ihm also helfen?

Candice Fox rasante Fortsetzung zu ihrem Vorgängerkrimi „Crimson Lake“ ist ebenso fesselnd zu lesen und lässt einen wieder Seite um Seite verschlingen, atemlos vor Spannung!

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 29.10.18

Skalecki/Rist - Elitewahn

Buchhandlung Sabine Jünemann

Gmeiner Verlag, 348 Seiten; 14,00 €

Für das Eliteinternat Schloss Waldesruh am Bodensee gestaltet die aus Bremen stammende Gärtnerin Malie die Parkanlage neu. Während ihrer Arbeit lernt sie den jungen Sportlehrer Malte näher kennen, der nach der Trennung von Frau und Tochter, die in Emden geblieben sind, hier eine gut bezahlte Anstellung fand.

Bald erscheint Malte einiges an diesem Jungeninternat seltsam. Immer deutlicher erkennt er die rechte Gesinnung, die an der Schule herrscht. Ihm widerstrebt dieses Gedankengut, erinnert es ihn doch an nationalpolitische Lehranstalten. Nachdem ein Schüler ihn eines sexuellen Übergriffes beschuldigt, soll er die Schule verlassen. Malie will ihm helfen, seine Unschuld zu beweisen, wozu es nicht mehr kommt - der Lehrer wird tot aufgefunden.

Malie und ihre Freundin Lioba, die beim Amt für Bau, Umwelt und Naturschutz in Konstanz arbeitet, glauben nicht an einen natürlichen Tod und versuchen hinter das Geheimnis zu kommen, das Malte ihrer Meinung nach entdeckt hat. Nachdem es einen zweiten Toten gibt, der sich auch für das Schloss und seine Geschichte interessiert hat, vertiefen sich auch die beiden Frauen immer mehr in die Vergangenheit der Lehranstalt. Allmählich werden Zusammenhänge zwischen der NS-Zeit, der Vertreibung des jüdischen Eigentümers nach Amerika und dem Aufleben des rassistischen und elitären Gedankengutes in der heutigen Zeit sichtbar.

Malie und Lioba lösen hier ihren zweiten Fall. Wie immer gut recherchiert und unterhaltsam geschrieben von den beiden Autorinnen Skalecki und Rist, die am Mittwoch den 07. November um 19:00 Uhr in der Buchhandlung Jünemann zu einer Lesung zu Gast sind.

Von Karin Skrzypczak



Unser Buchtipp im DK vom 22.10.18

Luca di Fulvio - Als das Leben unsere Träume fand

Buchhandlung Sabine Jünemann

Lübbe Verlag, 764 Seiten; 12,00 €

Jeder Mensch, der einen Traum hat, hofft ihn zu verwirklichen.

Raehel, das junge jüdische Mädchen aus dem kleinen russischen Schtetl, möchte am liebsten ein Leben mit Büchern führen oder noch lieber eine eigene Buchhandlung besitzen. Rosetta den Bauernhof ihrer Familie auf Sizilien bewirtschaften, und Rocco will auf gar keinen Fall der ehrenwerten Gesellschaft Siziliens beitreten. Diese Wünsche sind in der alten Welt jedoch nicht zu erfüllen.

Vielversprechender erscheint ein Aufbruch in die neue Welt. In Buenos Aires treffen die drei Protagonisten aufeinander. Allerdings fällt es ihnen schwer, ihre Wünsche verwirklichen zu können, denn das Leben meint es zunächst nicht gut mit den drei jungen Menschen. Es fällt ihnen schwer, ihren Lebensunterhalt zu verdienen, denn die Anforderungen sind hoch, und jederzeit kann ein weiteres Schiff mit neuen Einwanderern kommen, die für einen noch geringeren Hungerlohn arbeiten würden.

Luca di Fulvio, dessen erster Roman „Der Junge der Träume schenkte“ ein großer Erfolg war, hat auch mit diesem Roman wieder einen Volltreffer gelandet, dessen Figuren einen in seinen Bann ziehen und die Leser so berührt zurück lässt, dass man am liebsten wieder von vorne beginnen möchte. Einfach schön.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 15.10.18

Valérie Trierweiler - Die Dame in Gold

Buchhandlung Sabine Jünemann

Aufbau Verlag, 366 Seiten; 12,99 €

Wien kurz nach der Jahrhundertwende ist das Zentrum für neue Literatur und Modeströmungen, ganz zu Schweigen der Kunst. In diesem Umfeld lebt Adele Bloch, geboren Bauer.

Sie ist jung, vielseitig interessiert, und ihr Mann legt ihr die Welt zu Füßen. Ihr Salon ist stadtbekannt, gehen hier doch nicht nur Schnitzler und Gustav Mahler ein und aus, sondern auch Koloman Moser und Gustav Klimt. Klimt ist der Paradiesvogel unter den Künstlern. Seine Bilder sind sprichwörtlich schillernd, ausdrucksvoll und glänzend vor Gold.

Adele Bloch fühlt sich magisch von ihm angezogen und ist sofort bereit für ihn als Modell zu posieren, zumal ihr Mann gerne das Porträt für sich erwerben möchte. Zwischen dem Maler und der jungen Frau entflammt eine intensive Beziehung, die sich keiner von beiden jemals hat vorstellen können.

Das Meisterwerk, das Klimt schließlich abliefert, ist die „Dame in Gold“, jenes Gemälde, das später von den Nazis beschlagnahmt wird.

Valérie Trierweiler ist ein kluger und berührender Roman gelungen, der die Zeit des Fin de Siècle wieder auferstehen lässt, intensiv, anrührend und die Leser verzaubernd.

Die Autorin ist übrigens niemand anderes als die ehemalige première Dame Frankreichs, die ihren Mann wegen Untreue verließ.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 8.10.18

Ralf Günther - Als Bach nach Dresden kam

Buchhandlung Sabine Jünemann

Kindler Verlag, 158 Seiten; 16,00 €

Wohl 300 Jahre ist es her, als Sachsens Kurfürst August, genannt der Starke, in Personalunion König von Polen war. Ein kunstsinniger Monarch, der die schönen Künste schätzte und sich nur mit den besten Künstlern umgab. Hörend, dass einer der größten Virtuosen des französischen Hofes, Louis Marchand, den Sonnenkönig verlassen habe und auf Konzertreise sei, wies er den Leiter seiner Hofkapelle Jean-Baptiste Volumier an, jenen aufzusuchen und nach Dresden einzuladen. Der Kapellmeister war davon alles andere als angetan, fürchtete er doch seine eigene gutdotierte Stelle zu verlieren.

Der Widerstrebende fand den Gesuchten schließlich in Brüssel und lud ihn an den sächsischen Hof zum Vorspiel ein.

Die lange Rückreise verlief erquicklich, waren die Mitreisenden doch musikalisch Interessierte, so dass sich muntere Gespräche ergaben. Im Verlauf der Dispute fällt immer wieder der Name eines Künstlers vom Weimarer Hof – Johann Sebastian Bach.

Volumier, der seinem französischem Kollegen misstraut, lädt Bach ebenfalls nach Dresden ein, zu einem Orgel-Wettstreit, bei dem der Bessere gewinnen möge. Ganz Dresden fiebert dem Wettbewerb entgegen, als etwas geschieht, das den ganzen Einfallsreichtum des Hofkapellmeisters erfordert!

Ralf Günther hat eine wunderbare Novelle über die Musik des Barocks geschrieben, ausgehend von einer Anekdote, die als Dresdener „Tastenduell“ bekannt ist und ihm vom Orgelvirtuosen und Bachforscher Jan Katzschke erzählt wurde.

Eine kleine Kostbarkeit für Bach- und Dresdenfans.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 1.10.18

Eva-Maria Altemöller: Herzblut – Eine Liebeserklärung an den kleinen Laden

Buchhandlung Sabine Jünemann

Sanssouci Verlag, 140 Seiten; 14,99 €

Eva-Maria Altemöller schreibt voller Engagement und Begeisterung über die inspirierende Wirkung, die von liebevoll und individuell geführten Läden, Galerien, Cafés und Restaurants ausgehen kann. Eine Wirkung, die beim Shoppen im Internet völlig ausbleibt, da wir uns nur von Seite zu Seite klicken und oft beim günstigsten Angebot hängenbleiben, das sich dann letztendlich oft als Fehlkauf herausstellt und nur Frustration bereitet.

Frau Altemöller lebt in Lindau am Bodensee, in einer Gegend, die für sie pure Entspannung und Wohlfühlen bedeutet. Hier gibt es noch die kleinen, besonderen Geschäfte, in denen man Dinge entdecken kann, die das Herz erfreuen und einen bereichern und auf neue Ideen bringen.

Liebevoll lässt sie uns daran teilhaben und übt andererseits konstruktive Kritik am Verhalten der Internetriesen und dem Internetverhalten vieler. Viel würden wir und die nächsten Generationen gewinnen, wenn wir uns mehr auf uns selbst besinnen würden und unsere Umwelt dadurch wieder bewusster mit unseren eigenen Augen wahrnehmen würden. Und dafür können wir alle etwas tun, wenn wir nur wollen, ist ihre Devise.

Noch können wir den ihrer Meinung nach fatalen Trend stoppen und selbstbestimmter leben und nicht nur dem Mainstream folgen.

Eine Anregung zur Wiederentdeckung der kleinen Geschäfte.

Von Karin Skrzypczak