Buchtipp

Unser Buchtipp im DK vom 19.4.21

Megan Coley Peterson - Lügentochter

Lügentochter

Magellan Verlag, 319 Seiten, 17,00 €

„Davor“ hat Piper ein fast beschauliches Leben mit ihren Geschwistern in einem Haus auf dem stillgelegten Gelände eines Freizeitparks geführt. Dort war alles streng geregelt, und die Tanten wachten darüber, dass die Kinder sich an diese Regeln hielten. Nur selten kamen die Eltern zu Besuch.

„Danach“ lebt sie bei dieser Frau. Sie fühlt sich gefangen gehalten und unablässig beobachtet. Tatsächlich sind ihr viele Türen im Haus verschlossenen, und das Grundstück ist eingezäunt, eine Flucht scheint fast unmöglich. Der Vater hat die Kinder gewarnt und sie gut vorbereitet, also wird Piper entkommen.

Seltsamerweise scheinen sich ihre Erinnerungen allmählich zu verändern. Kann sie sich selbst noch trauen und welche Wahrheit steckt hinter den Andeutungen dieser Frau?

Haben ihr die Eltern vielleicht nicht die Wahrheit gesagt? In Rückblenden, die als ‚Davor‘ gekennzeichnet sind, wird das Leben, das Piper geführt hat, immer klarer, und bald schon erkennt man, dass sie in einer Sekte aufgewachsen ist.

Doch die als ‚Danach‘ gekennzeichneten Passagen geben Rätsel auf. Was ist wirklich mit ihr geschehen, und wie wird sich ihre Zukunft gestalten?

Ein spannender Roman über die Mechanismen einer Sekte, und ob und wie man sich daraus befreien kann.

Die Autorin Megan Coley Peterson war selber Mitglied einer dieser streng religiösen Gemeinschaften und hat diese aus eigenem Antrieb verlassen. Ihre weitere gründliche Recherche und die eigene Betroffenheit haben dafür gesorgt, dass hier eine authentische Geschichte für Menschen ab 14 Jahren entstanden ist, die fesselt, oft wütend macht und einen sehr nachdenklich zurücklässt. Absolut lesenswert.

Von Luise Harloff



Unser Buchtipp im DK vom 12.4.21

Zoe Brisby - Reise mit zwei Unbekannten

Reise mit zwei Unbekannten

Eichborn Verlag, 413 Seiten, 18,00 €

Keine Angst, liebe Leserinnen und Leser, dies wird kein mathematisches Abenteuer! Im Gegenteil, es ist eine burleske Schelmengeschichte über einen jungen depressiven Mann namens Alex (seine große Liebe will nichts von ihm wissen) und Maxine, einer alten Dame, die beschlossen hat, ihrem Altersheim (sie nennt es das Gefängnis) zu entfliehen.

Die beiden haben sich über die Mitfahrzentrale kennengelernt. Alex hat nach einem Beifahrer gesucht, der ihn nach Brüssel begleiten will. Die Interessen, die jeder für sich angegeben hat, Maxine (Technik, Whisky und Tour de France) lassen Alex auf einen Mann am gemeinsamen Treffpunkt warten, während Maxine auf eine Frau wartet (Alex Interessenangaben: Museen, Reise und Literatur). Nach anfänglicher Verwirrung gestaltet sich die Fahrt für beiden als wahres Abenteuer, vor allem für Alex, hat doch Maxine beschlossen, sein Selbstwertgefühl und vor allem sein Äußeres aufzupolieren.

Vollends chaotisch wird die Tour der beiden Reisenden, als sie herausfinden, dass Alex wegen Entführung von Maxine von der Polizei gesucht wird.

Ein köstlicher Roman voller Humor und Wärme, der die Leser beglückt aus diesem Abenteuer wieder auftauchen lässt.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 5.4.21

Nova Hill - The Woods - Die vergesse Anstalt

The Woods - Die vergesse Anstalt

Oetinger Verlag, 319 Seiten, 14,00 €

Ira steht mit ihrem Bruder Vanjo an der Straße vor der Turnhalle und streitet mit ihm. Vanjo soll sie begleiten und bei ihrem Turnwettkampf anfeuern. Er lehnt ab, und Sekunden später wird er beim Überqueren der Straße von einem Auto erfasst und ist sofort tot.

Schweißgebadet wacht Ira auf und ist erleichtert, aber der Tag ist ihr jetzt verdorben. Dabei hat sie sich so auf das Biologieprojekt im Wald gefreut. Der Traum scheint ein schlechtes Omen gewesen zu sein, denn im Laufe des Tages verirren sich Vanjo und Ira im Wald.

Bei der alten verlassen Lungenheilanstalt treffen sie auf ihren Projektleiter Mark und eine Gruppe Back-Packer, die zu einem Boot Camp unterwegs sind. Seltsamerweise funktionieren die Handys und GPS-Geräte hier nicht. An diesem Tag scheitern alle Versuche, das Gelände um die Heilanstalt zu verlassen und durch den Wald in die Zivilisation zurück zu finden.

Immer mehr seltsame Vorfälle ereignen sich. Was wird noch alles passieren und vor allem, wird die Gruppe nach Hause zurückkehren?

Nova Hill hat einen schweißtreibenden Mystery-Thriller für Menschen ab 14 Jahren geschrieben, der einem immer wieder den Atem stocken lässt. Der spannende Auftakt einer Trilogie, deren Abschlussband im April diesen Jahres erscheint.

Unbedingt empfehlenswert für alle Leser, die sich gerne in eine geheimnisvolle Szenerie entführen lassen.

Von Luise Harloff



Unser Buchtipp im DK vom 29.3.21

Andreas Götz - Die im Dunkeln sieht man nicht

Die im Dunkeln sieht man nicht

Fischer Verlag, 444 Seiten, 11,00 €

Karl Wiener war nach dem Krieg in Berlin gestrandet. Hier hatte er zuvor als Drehbuchautor und Familienvater glückliche Stunden verlebt. All dies ist durch den Krieg vernichtet worden, nur er ist übriggeblieben, ohne Elan und ohne Geld. Die Luftbrücke galt nicht für ihn, der im Osten der Insel Berlin lebte.

Nun hat ihm der Georg, ein alter Schulfreund aus München, eine Stelle als Reporter fürs Feuilleton seiner neuen Illustrierten-Zeitung eine Stelle angeboten. Eigentlich wollte Karl nie wieder in seine Heimatstadt und schon gar nicht in sein Elternhaus, diesen braunen Sumpf.

Trotzdem, da der Mensch von etwas leben muss, setzt er sich auf die Spur eines Raubüberfalles, bei dem unter anderem ein wertvolles Bild gestohlen wurde, das bei einem der letzten Schatzzüge der Nazis gestohlen wurde und bisher als verschollen galt. Der Anfang ist schwer, hat Karl doch gar keine Kontakte mehr in dieser Nachkriegsstadt, die schon auf das Wirtschaftswunder hinarbeitet. Ihm scheint dieser Satz aus Brechts Dreigroschenoper „denn man sieht nur die im Lichte, die im Dunkeln sieht man nicht...“ sehr wahr. Bei wem anfangen? Zum Glück sind da seine Nichte Magda und ein anderer Schulfreund, der Ludwig, der jetzt bei der Kriminalpolizei arbeitet, die ihn in die Szene einweisen.

Andreas Götz hat gut daran getan, seinen Roman in dieser Zeit des Aufbruchs aus dem Nachkriegsdesaster anzusiedeln. Manches funktioniert bereits wieder und anderes nur mit Beziehungen. Vor allem aber diese Gemengelage aus dem „noch Zuständig sein der Alliierten“ und dem Wunsch der Deutschen endlich wieder selber über ihre Rechte verfügen zu können. Zugleich sind da die alten Ressentiments gegenüber den überlebenden und zurückgekehrten jüdischen Mitbürgern, den Zugezogenen und Flüchtlingen, das ganz normale Chaos also. Prinzipiell könnte es auch jetzt spielen. Schmuggel hat immer Konjunktur, da zählt ein Menschenleben nur wenig.

Dieser Kriminalroman ist ein zeitgeschichtliches Abbild des ganzen Landes, in dem jeder seines Glückes Schmied war.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 22.3.21

Tom Hillenbrand – MONTECRYPTO

Montecrypto

Kiepenheuer & Witsch, 441 Seiten, 16,00 €

Los Angeles, heute. Ed Dante, Detektiv, steht vor dem Tor einer sündhaft teuren Villa. Seine Visitenkarte wird ihn als „Financial Forensics“ ausweisen. Etwas hochgestochen, aber das bleibt nicht aus, wenn man in L.A. etwas werden will. Dante ist insgesamt ein eher monochromer Typ, jemand dem das Lügen schwerfällt, der sich besser mit Büroarbeit als mit Ballermännern auskennt. Wer ihn engagiert sucht nicht nach einem Mörder, sondern nach den finanziellen Hinterlassenschaften des Verstorbenen. In diesem Fall einem reichen Start-Up-Unternehmer. Die Klientin ist dessen Schwester, auch nicht unbetucht und sehr exzentrisch. Sie verdient ihr Geld mit „Cosplay“ und wird als „Nerdgirl extraordinaire“ bezeichnet. Als sie dem Detektiv allerdings eröffnet, dass ihr Bruder vermutlich einen milliardenschweren Schatz - Ed bezeichnet es eher als Steuerhinterziehung – in Form von Bitcoins, einer Kryptowährung, irgendwo offline versteckt hat, ist selbst der smarte Ermittler etwas ratlos, wie dieser Fall zu lösen sein könnte.

MONTECRYPTO erinnert sowohl an Dashiell Hammetts „Malteser Falke“ - an einer Stelle fällt Dante unter anderem auf, dass er ganz klar nicht Sam Spade ist – als auch an Alexandre Dumas' „Graf von Monte Christo“. Niemand in dieser Geschichte ist genau das, was er vorgibt zu sein.

Der Autor nimmt den Leser mit in die Welt der Nerds, Cosplayer und digitalen Goldgräber. Sie fühlen sich etwas verwirrt? Keine Sorge, da geht es Ihnen nicht anders als Ed Dante, dessen Spezialitäten eher unergründliche Bilanzen und Streuerklärungen sind. Mit ihm lernt der geneigte Leser diese faszinierende, den meisten jedoch unbekannte Welt näher kennen. Tom Hillenbrands Bezug zu den aktuellen Geschehnissen rund um Bitcoins und abgehobene Finanztricks rund um den Globus ist unglaublich spannend und sehr rasant zu lesen.

Falls jemand Ähnlichkeiten zu real existierenden Personen findet, so sind die natürlich rein zufällig.

Von Sarah Klecker



Unser Buchtipp im DK vom 15.3.21

Natsu Miyashita - Der Klang der Wälder

Der Klang der Wälder

Insel Verlag, 239 Seiten, 20,00 €

Der Tag, an dem sein Lehrer seinen Schüler Tomura bittet, dem bestellten Klavierstimmer zu assistieren, verändert dessen Leben von Grund auf. Er, der sich bisher für keinen Beruf interessierte, taucht ein in eine faszinierende Klangwelt, Töne, die ihn an seine Heimat erinnern, die tiefen Wälder und dunklen Täler - eingebettet in die entfernte Bergregion aus der er stammt und in welcher der junge Mann seine Kindheit verbracht hat.

Sein Berufswunsch steht fest, er will das Handwerk des Klavierstimmers erlernen. Die Hingabe, mit der er sich seinem Beruf widmet, ist immer von der Angst begleitet, zu scheitern, und gleichzeitig von dem Wunsch, ja geradezu dem Bedürfnis, getrieben, den perfekten Klang für den Pianisten beziehungsweise der Klavierspielerin zu finden. Doch gibt es den perfekten Klang überhaupt?

Die Autorin Natsu Miyashita, selbst eine begeisterte Pianistin, hat mit ihrem Buch „Klang der Wälder“ einen ebenso poetischen wie nachdenklichen Roman vorgelegt, der die Leser:innen beglückt und inspiriert zurücklässt. Ein Roman, der noch lange nachklingt und vielleicht sogar die Lust weckt, selbst zu spielen. Zu Recht haben die japanischen Buchhändler diesen Roman zu ihrem Lieblingsbuch erkoren. Vielleicht wird es auch das Ihre? Meines ist es jedenfalls schon jetzt! Sayonara.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 8.3.21

Stephanie Schuster - Milena und die Briefe der Liebe

Milena und die Briefe der Liebe

Aufbau Verlag, 367 Seiten, 12,99 €

Selbstbewusst, streitbar, kritisch und gebildet ist die junge Milena aus Prag. Sie stammt aus einer gutbürgerlichen Familie und studiert an der Prager Universität. An ihrem 20. Geburtstag lernt sie im Ständetheater den Theaterkritiker Ernst Pollak kennen und verliebt sich in ihn. Er führt sie ein in den Literaturzirkel, der sich regelmäßig im Café Arco trifft. Begeistert taucht die junge Frau ein in den Kreis rund um Max Brod, Ernst Pollak und Kollegen. Hier lernt sie auch Franz Kafka kennen.

Als ehemalige Schülerin des Minerva-Gymnasiums hat sie schon einen gewissen Ruf, und so ist es kein Wunder, dass sie dem Werben des älteren Theaterkritikers Ernst nachgibt. Als ihr Vater hinter das Verhältnis kommt, ist er entsetzt und enterbt sie kurzerhand.

Milena und ihr Mann zieht es nach Wien. Hier beginnt ihr Briefwechsel mit „Franz K“, den sie nicht vergessen kann und der sie ermuntert, selbst schriftstellerisch tätig zu werden. So wird Milena Jesinska-Pollak über den Briefverkehr mit Kafka zur Übersetzerin dessen Werke ins Tschechische und zur freiberuflichen Journalistin.

Ihren Willen für andere, schwächeren Mitmenschen zu streiten, wird sie Jahrzehnte später in große Gefahr bringen, worüber sich zu informieren lohnt.

Der Vorliegende Roman schreibt über Milenas und Franz Kafkas Liebesgeschichte und das Werden einer eindrucksvollen Frau. Zwar erlebte Milena Jesinska nicht mehr die Freiheit Tschechiens, doch bekam sie posthum die höchste Auszeichnung Tschechiens verliehen. Dies zeigt, welche Macht ihre Worte und Taten bereits zu damaliger Zeit hatten. Überaus lesenswert.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 1.3.21

Katherine Collette - Das Einmaleins des Glücks

Das Einmaleins des Glücks

Insel Verlag, 400 Seiten, 11,00 €

Nach längerer Arbeitslosigkeit hat Germaine endlich wieder eine neue Stelle gefunden. In der Senioren-Beratungsstelle ihrer Stadt soll sie den Menschen telefonische Hilfestellung bieten.

Leider liegen Germaines Talente aber mehr im Lösen mathematischer Rätsel, als im kommunikativen Austausch mit ihren Mitmenschen. So ist es kein Wunder, dass sie schon nach kurzer Zeit mitten in den Konflikt zwischen dem örtlichen Seniorenverein und dem benachbarten Golfclub gerät, bei dem es hauptsächlich um die Nutzung des Parkplatzes des Seniorenzentrums geht. Zunächst liegt Germaines Loyalität bei ihrer Arbeitgeberin der Bürgermeisterin und dem Vor- sitzenden des Golfclubs. Einige Vorkommnisse bringen Germaine jedoch ins Grübeln und im Laufe der Zeit ändert sich ihre Haltung. Als ihre mathematischen Kenntnisse in der Hausaufgabenhilfe des Seniorenzentrums gefragt werden und sie als Ausgleich an einem der dort angebotenen Gymnastik-Kurse teilnehmen darf, ändert sich ihre Haltung.

Für welche Seite wird sie sich entscheiden, wenn es zur Abstimmung käme und das Seniorenzentrum verkauft und abgerissen werden sollte? Wo sollen sich die Menschen treffen, wenn nicht dort – etwa im Golfclub?

Erleben Sie die Entwicklung der ungewöhnlichen Germaine im Laufe dieser erfrischenden Geschichte. Ein warmherziger, humorvoller und entspannender Roman, der die Lebensgeister sogar dann weckt, wenn man noch nicht Garten, Terrasse oder Balkon genießen kann.

Katharine Collettes „Das Einmaleins des Glücks“ weckt Erinnerungen an Graeme Simsions „Das Rosie-Projekt“ und dessen sympathische Hauptfigur Don, ebenfalls etwas aus der Art geschlagen. Wenn ihnen Germaine gefallen hat und Sie Don noch nicht kennen sollten, empfehle ich ihnen auch Graeme Simsions amüsante Buchreihe um seinen autistischen Helden, die inzwischen erfreuliche drei Titel zählt.

Von Luise Harloff



Unser Buchtipp im DK vom 22.2.21

Kirsten Boie - Dunkelnacht

Dunkelnacht

Oetinger Verlag, 128 Seiten, 13,00 €

Tiefschwarz ist die Nacht, nur der volle Mond erhellt den Ort. Die zwei Jugendlichen auf der Straße rätseln über das, was kommen mag. Sie fürchten sich ein wenig und sind doch gleichzeitig aufgeregt. Wie mag die Zukunft werden? Schorsch und Marie, die beiden jungen Leute, versuchen ein wenig Glück für sich zu finden in diesem Krieg, der vielleicht bald beendet ist. Doch noch kann viel passieren im Hier und Heute des 28. April 1945. Es heißt vorsichtig zu sein, denn wie leicht kann man hier sein Leben verlieren. Denn es kommt etwas den Weg herauf in der Nacht, herauf zur Stadt.

Dem Unheil, das über diese kleine bayrische Stadt herein brechen wird, werden 16 Menschen zum Opfer fallen: Erschossen und erhängt, weil sie sich Gedanken um die Zukunft ihrer Stadt nach dem Krieg machten. Weil sie das Richtige tun wollten.

Am Ende des Buches ist ein ausführlicher Anhang, der das Geschehene in einen größeren Zusammenhang setzt und erzählt, was danach passierte und wie es mit den realen Personen weiter ging. Hier hat die Autorin hervorragend recherchiert.

Kirsten Boies eindrückliche Novelle „Dunkelnacht“ ist ein Zeugnis des Schreckens und gleichzeitig ein Aufschrei gegen das Vergessen. Ein Wusch Zeugnis abzulegen, nicht zu vergessen, niemals! Beeindruckend.

Für alle Menschen ab 14 Jahren.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 15.2.21

Volker Weidermann - Brennendes Licht

Brennendes Licht

Aufbau Verlag, 186 Seiten, 18,00 €

Der erfolgreiche Autor und Literaturkritiker Volker Weidermann setzt sich diesmal literarisch mit Anne Seghers und ihrer Flucht 1941 aus Deutschland auseinander. Der gewünschte Zufluchtsort New York wird ihr und ihrer Familie verwehrt, und sie müssen weiter nach Mexiko. In diesem Land, das ihr am Anfang so fremd ist, schreibt sie später viele ihre Erzählungen und Romane. Sie wird aufgenommen in einem Kreis von Künstler*innen, Schriftsteller*innen und Intellektuellen, die alle Flucht und politischer Widerstand vereint. Sie sind aus Österreich, Deutschland und der Tschechoslowakei und haben sich hier ins Exil begeben. Sie alle vereint der Gedanke des Kommunismus und der Wunsch, nach einem hoffentlich baldigen Kriegsende wieder in das jeweilige Heimatland zurückkehren zu können. Aber auch in Mexiko sind sie nicht vor politischer Verfolgung, Bespitzelung und Mord sicher. Ein schwerer Autounfall, womöglich bewusst herbeigeführt, lässt auch Anna Seghers für längere Zeit verstummen, bis sie dann letztendlich 1947 wieder aus dem Exil nach Deutschland zurückkehren kann.

Nicht in ihre Heimatstadt Mainz, von der sie in Mexiko so oft träumte, sondern nach Berlin, wo sie sich später für den Osten der Stadt entschied. Anna Seghers blieb den Parteirichtlinien treu und enttäuschte damit nicht nur einige ihrer früheren Freunde. Mexiko mit seinen Farben, seinem Licht und seinen Menschen, alles so ganz anders als das erneute Leben in Deutschland, blieb aber nicht nur für sie durch ihr literarisches Werk erhalten.

Ein lesenswertes Buch über Literatur und Kunst und das Leben im Exil während des zweiten Weltkriegs.

Von Karin Skrzypczak



Unser Buchtipp im DK vom 8.2.21

Thérése Lambert - Die Rebellin

Die Rebellin

Aufbau Verlag, 407 Seiten, 12,99 €

Welch brillante Frau! Mit weniger kraftvollen Worten lässt sich diese Dame aus gutbürgerlichem russischem Hause einfach nicht beschreiben. Lou Salomé, die Tochter eines verstorbenen Generals in russischen Diensten, entschied sich bereits sehr früh entgegen allen Konventionen nicht zu heiraten und ein eigenständiges Leben zu führen. Vor allem wollte sie ihren nimmersatten Geist beschäftigen und studieren. Dies war im 19. Jahrhundert sehr schwierig, da Frauen kaum an den Universitäten zugelassen wurden. Trotz dieser Widerstände gelang es ihr, aufgenommen zu werden.

So lernte sie auch Nietzsche kennen und ihren späteren Ehemann Friedrich Carl Andreas. Diesem rang sie das Versprechen einer zölibatären Ehe ab, auch wenn sie durchaus Zuneigung für das andere Geschlecht verspürte.

Der vorliegende Roman erzählt eine kurze, aber wichtige Zeitspanne in Lou Andreas-Salomés Leben. Sie lernt bei einem Aufenthalt in München 1897 den noch unbekannten Dichter Rainer-Maria Rilke kennen. Aus der Lektorin und ihrem Schüler wird mit der Zeit ein Liebespaar, dass sich immer wieder trennt und versöhnt - eine wahre Amour Fou!

Denn Lou pocht auf ihre Unabhängigkeit und ist außerdem seit zehn Jahren verheiratet. So sehr Rilke sie auch vereinnahmen will, diese willensstarke Frau bietet ihm die Stirn.

Dieser Roman ist nicht nur eine Liebesgeschichte, sondern macht Lust darauf, sich intensiv mit dieser geistreichen Frau, die zu ihrer Zeit zu den faszinierendsten zählte, näher zu beschäftigen, um sie besser kennen zu lernen. Sehr lesenswert!

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 1.2.21

Tim MacGabhann - Der erste Tote

Der erste Tote

Suhrkamp Verlag, 274 Seiten, gebunden, 15,95 €

Andrew und Carlos sind am frühen Morgen auf dem Heimweg von einer Reportage über die Ölindustrie in Poza Rica nach Mexiko City. Am Straßenrand liegt die grausig zugerichtete Leiche eines jungen Mannes. Sie halten an und Carlos, wie immer unerschrocken, ganz Fotoreporter, macht Fotos von dem jungen Mann, bis beide von der Guardia Civil überrascht werden. Seltsamerweise befragen die Polizisten sie nicht, sondern laden die Leiche auf und verschwinden.

Verwirrt macht sich Andrew wieder auf den Weg nach Hause, während Carlos zurückbleibt, um ein bisschen herum zu fragen. Er wittert eine Story! Wie recht er damit hat, soll sich schon wenig später herausstellen. Schon zwei Tage später ist Andrew auf sich allein gestellt; sein Freund Carlos ist zunächst gefoltert und dann ermordet worden.

Auf einem gut versteckten USB-Stick in der Wohnung des Freundes findet sich Beweismaterial, dass ihm weitere Recherchen ermöglicht. Immer in der Gefahr, selbst zum Mordopfer zu werden, taucht Andrew tiefer in die Geschichte ein.

Begleiten Sie lieber Leser, liebe Leserin, ihn bei der Lösung der beiden Mordfälle und deren Hintergründe. Dem Autor Tim MacGabhann, der selbst in Mexiko lebt und der ebenfalls Reporter ist, ist ein rasanter Debütroman gelungen. Man wird in die Geschichte förmlich hinein gesogen und lernt dabei Mittelamerika von seiner hässlichen Seite kennen.

Am Ende bleibt man atemlos zurück. Unbedingt lesenswert!

Für alle neugewonnenen Fans von Tim MacGabhann und seiner Hauptfigur Andrew darf verraten werden, dass bereits zwei weitere Bände angekündigt sind.

Von Luise Harloff



Unser Buchtipp im DK vom 25.1.21

Leah Hayden - Miss Guggenheim

Miss Guggenheim

Aufbau Verlag, 469 Seiten, gebunden, 12,99 €

Peggy Guggenheim war für ihre Zeit ein „enfant terrible“. Weit davon entfernt, sich an Konventionen zu halten, brach sie schon in jungen Jahren mit allen Beschränkungen und zog von New York nach Europa. Hier lernte sie ihren ersten Mann kennen, gründete in London ihre erste Galerie und zog dann weiter nach Paris.

Dort verliebte sie sich Ende der 1930er Jahre in den Maler Max Ernst. Seine rätselhaften und surrealen Bilder zogen sie magisch an. Ihre Liebe wurde durch den deutschen Einmarsch in Frankreich jedoch auf eine harte Probe gestellt. Nur durch die Hilfe ihres früheren Mannes gelang es ihr sich, ihre mittlerweile große Sammlung abstrakter Kunstwerke und ihren Liebsten Max Ernst dem Zugriff der Nazis zu entziehen und zurück nach New York zu gelangen.

Peggys Vorliebe für die moderne Kunst trieb sie voran. Wo sollte sie diese ausstellen? Das Museum ihres Onkels Samuel war ihr zu konservativ. Und eigentlich wollte sie auch viel lieber etwas Eigenes. Und Max Ernst? Das Damoklesschwert der Aufenthaltsgenehmigung schwebte weiterhin über ihnen. Sollten sie heiraten, nur um es bürokratisch einfacher zu haben?

Peggy Guggenheims Jahre in New York sollten zu den aufregendsten ihres Lebens werden. Dank ihrer Kreativität und ihres Elans ist der Abstrakte Expressionismus bekannt geworden. Ihr Geld machte die Förderung eines seiner heute bekanntesten Vertreter möglich – Jackson Pollock.

Dieser biographische Roman zeigt nur eine Episode im Leben dieser brillanten Kunstnärrin, der Lust darauf macht, diese schillernde Frau neu- und wiederzuentdecken. Viel Spaß.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 18.1.21

Gabri Rodenas - Die unglaubliche Reise der Großmutter auf ihrem blauen Fahrrad

Die unglaubliche Reise der Großmutter auf ihrem blauen Fahrrad

Thiele Verlag, 192 Seiten, gebunden, 20,00 €

Wenn Sie sich vorstellen, dass Sie 90 Jahre alt sind und plötzlich erfahren, dass Sie einen Enkel haben, den Sie noch nie gesehen und von dem Sie auch noch nie vorher gehört haben – würden Sie diesen nicht auch kennenlernen wollen?

So geht das auch Señora Maru. Die neunzigjährige alte Dame lebt in Oaxaca in Mexiko. Selbst in einem Waisenhaus aufgewachsen, steigt sie jeden Morgen auf ihr altes Fahrrad, um den jetzt dort lebenden Kindern selbstgebackene Karamellkekse zu bringen. Nicht irgendwelche, sondern die guten Chilenischen.

Die Nachricht von der Existenz eines Enkelsohns lässt sie ihre Routine jäh unterbrechen. Ohne genaue Adresse, vom Vertrauen in die Fügungen des Schicksals überzeugt, radelt sie von Oaxaca nach Veracruz (Immerhin 300 km Luftlinie entfernt, vom Fuße der Westlichen Sierra Madre an die Ostküste). So überraschend sie ihre Suchfahrt antritt, so spannend sind die Begegnungen mit Menschen, die sie unterwegs trifft, fast schon magisch.

Als LeserIn folgt man gespannt dem Reiseverlauf, immer hoffend, dass die alte Dame am Ende der Reise ihren Enkel in die Arme schließen kann. Denn eine kleine Schwierigkeit gibt es da noch zu überwinden: Donna Maru kann nicht lesen, sie hat es nie gelernt!

Ein berührender und mutmachender Roman über die Zuversicht und damit die Magie des Lebens. Lesen Sie selbst und lassen sich verzaubern.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 11.1.21

Karl Schlögl - Der Duft der Imperien – Chanel Nº 5 und Rotes Moskau

Der Duft der Imperien

Hanser Literaturverlag, 221 Seiten, gebunden, 23,00 €

Wie kommt ein Professor für Philosophie und Soziologie dazu, sich mit der Geschichte eines, oder besser gesagt zweier, Parfums zu beschäftigen? Das eine noch heute weltweit bekannt und das Marilyn Monroe zu dem berühmt berüchtigten Ausspruch verleitet haben soll „Zum Schlafen trage ich nur ein paar Tropfen Chanel Nº 5“ und das andere, das als „Bouquet de l'Imperatrice de Catherine“ von Ernest Beaux 1913 ersonnen wurde und heute unter „Rotes Moskau“ bekannt ist. Wie kam es zu dieser Koexistenz?

Ernest Beaux, der in den 1920er Jahren berühmte Parfümeur aus Grasse, hatte an Duftkompositionen im Zarenreich mitgewirkt, welches er nach Ausbruch von Bürgerkrieg und Revolution verlies.

In Südfrankreich traf er auf Coco Chanel, die junge aufregende Modeschöpferin, die ihr persönliches Imperium der Mode um eine raffinierte Duftkollektion erweitern wollte. Es wurde eine fruchtbare Zusammenarbeit. Heraus kam jenes Parfum, das auch heute noch zu den berühmtesten der Welt gehört: Chanel Nº 5. Abgefüllt in einem schlichten fast quadratischen Flakon, an dem sich bis heute nichts verändert hat.

Im Gegensatz zu seinem berühmten russischen Vorgänger. Dieses wurde nach der Revolution umbenannt in „Rotes Moskau“, und kein geringerer als der berühmte russische Avantgardist Kasimir Malewitsch gestaltete seinen Flakon.

Dieses Buch ist nicht nur eine Geschichte des Parfums, sondern gleichzeitig eine Geschichte des Zeitalters der Düfte, einem nicht immer wohlriechenden, teilweise bestialischen und an manche Grausamkeit dieses so besonderen 20. Jahrhunderts erinnernd und gut hundert Jahre zurück liegt.

Spannend sind hier die Verflechtungen, politisch, sozial und künstlerisch. Genau das macht den Reiz und die Anziehungskraft dieses Buches aus. Eine Betrachtung ab der 1920er Jahre, die nicht nur wild waren, sondern einen Aufbruch in vielen Bereichen zeigen, die auch noch heute Bestand haben.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 4.1.21

Candice Fox - Dark

Dark

Suhrkamp Verlag, 394 Seiten, 15,95 €

Was könnten diese drei Frauen gemeinsam haben? Die ehemaligen Zellengenossinnen Blair und Emily alias Sneak, eine Mörderin und Diebin, die Gangsterin Ada Maverick und Jessica Sanchez, die Polizistin. - Sie verbünden sich, um die vermisste Tochter von Sneak zu finden.

Blair wird in der Tankstelle, in der sie jetzt jobbt, von einer verzweifelten jungen Frau überfallen. Ein paar Stunden später erfährt Blair, dass das Mädchen Dayly die Tochter von Sneak ist und seitdem verschwunden ist.

Trotz der Gefahr, wegen Verletzung ihrer Bewährungsauflagen wieder ins Gefängnis zu müssen, entscheidet sie sich, Emily bei der Suche nach Dayly zu helfen. Als Sneak und sie nicht weiterkommen bitten sie die Gangsterin Ada und die Polizistin Jessica um Hilfe.

Aus verschiedenen Blickwinkeln wird nun die wilde Jagd nach Hinweisen auf Dayly beschrieben. Wo ist das Mädchen nach dem Überfall noch gesehen worden? Mit wem hatte sie zuletzt Kontakt und welche Rolle spielt eigentlich John Fishwick, der im Gefängnis in der Todeszelle sitzt?

In ihrem bekannt rasanten Tempo erzählt Candice Fox diesen neuen Thriller. Atemlos folgt der Leser den gelegten Spuren und rätselt mit den beteiligten Personen um die Lösung des Falles.

Für alle Fans des psychologischen Krimis, die gerne auch ein bisschen Aktion bevorzugen, und natürlich für alle Fans der großartigen Candice Fox, die ihre Hades-Trilogie und ihre Crimson-Lake-Reihe schon kennen.

Leider viel zu schnell zu Ende!

Von Luise Harloff



Unser Buchtipp im DK vom 28.12.20

Susanne Popp – Madame Clicquot und das Glück der Champagne

Madame Clicquot und das Glück der Champagne

Rowohlt Taschenbuch, 413 Seiten, 12,99 €

Als Barbe-Nicole Clicquot ihren geliebten Mann eines Abends tot auffindet, scheint ihr gemeinsamer Traum einer eigenen Kellerei perdu! Niemand traut einer jungen Frau, selbst wenn sie Witwe ist, Anfang des 19. Jahrhunderts zu, eigenständig ein Geschäft leiten zu können.

Barbe lässt sich jedoch nicht unterkriegen. Zuviel Arbeit hat sie selbst bisher schon in ihre Schaumweinproduktion gesteckt. Als der Besuch Kaiser Napoleons in ihrer Heimatstadt Reims angekündigt wird und ihr Vater als Gastgeber des kaiserlichen Paares fungiert, reift ihr verwegener Entschluss! Sie wird sich über den Wunsch ihres Vaters hinwegsetzen, das Produkt ihres Konkurrenten anzubieten und die Flaschen in einer Nacht- und Nebel-Aktion gegen ihre eigenen austauschen.

Das Husarenstück gelingt! Napoleon und seine Frau Josephine sind begeistert, und der Kaiser tauft das exquisite Getränk „Champagner“! Die Witwe Clicquot scheint auf einem guten Weg zu sein.

Wie hat schon der Große Wilhelm Busch gesagt: „Es ist ein Brauch von Alters her, wer Sorgen hat, hat auch Likör!“ Wenn man dann sogar Champagner besitzt, und dieser auch noch gut verkäuflich ist, dann sollten die Sorgen ein Ende haben.

Ein spritziger Roman über eine Frau, die eine Dynastie und eine Marke von Weltruhm mit Zähigkeit, Können und Esprit aufgebaut hat. Ein köstliches Lesevergnügen.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 21.12.20

Annette Langen & Marije Tolman - Unsere eigene Weihnachtsgeschichte

Unsere eigene Weihnachtsgeschichte

Nord Süd Verlag, Bilderbuch, 15,00 €

Mia und ihr kleiner Bruder Jona spielen immer gerne miteinander. Jona hängt an Mias Lippen, denn Mia weiß genau, wie es Weihnachten gewesen ist.

Also machen sich die beiden auf den Weg nach Bethlehem. Da sie keinen Esel haben, muss halt ein Schaf als Reittier herhalten. Es dauert natürlich eine Weile, bis sie ihr Ziel erreicht haben und das Jesuskind - hier dargestellt von einem kleine Stoffhasen - von den Hirten angebetet werden kann.

„Siehst du“, sagt Mia und zieht ihr Tuch ab, “so ist das mit Weihnachten gewesen.“

Und wenn sie müde sind, gehen sie einfach nach Hause und morgen, da gehen sie wieder hin nach Beet-le-helm oder spielen etwas anderes.

Herzerfrischend und gleichzeitig so schlicht lässt das Autorin Annette Langen, die vielen vielleicht als geistige Mutter des Hasen Felix kennen, die Kinder in eigenen einprägsamen Worten Zugang zu Weihnachten finden. Marije Tolman hat diese Geschichte mit zwölf wunderbaren kindgerechten Bildern illustriert. Einfach zauberhaft.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 14.12.20

Zsuzsa Bánk - Weihnachtshaus

Weihnachtshaus

Fischer Taschenbuch, 111 Seiten, 10,00 €

Das „Weihnachtshaus“ ist eine wunderbar tröstliche Weihnachtsgeschichte, die uns zeigt, dass die Zeit Wunden heilt und wir wieder vorsichtige Blicke in die Zukunft werfen dürfen. In Frankfurt am Main betreiben zwei Freundinnen ein wunderschönes Café, die eine ist verwitwet mit zwei kleinen Kindern, die andere ist sehr jung Mutter geworden, schon immer alleinerziehend mit einer inzwischen erwachsenen Tochter. Seit vier Jahren träumen sie davon, gemeinsam Weihnachten in einem großen Haus außerhalb der Stadt zu feiern, das sie baufällig mit verwildertem Grundstück erworben haben. Eine Erzählung, die nach Tee und Weihnachtsgebäck duftet, garniert mit einem Hauch von glitzerndem Schnee und einem Engel in Form eines Amerikaners, der bei einem Hurrikan alles verloren hat und den beiden Frauen hilft, dass dieser Traum Wirklichkeit wird.

Eine Geschichte, die uns zeigt, was möglich ist, wenn sich alle gegenseitig unterstützen und stärken.

Von Karin Skrzypczak



Unser Buchtipp im DK vom 7.12.20

Gisela Dölle - Der Sternenbaum

Der Sternenbaum

NordSüd, Bilderbuch gebunden, 15,00 €

„Es war einmal“ oder „Es begab sich zu der Zeit“, viele Märchen und Geschichten beginnen mit diesem nachdenklich stimmenden Anfang. In dieser vorweihnachtlichen Geschichte geht es um einen alten Mann, der schon lange in einem kleinen Haus am Rande einer großen Stadt lebt, die nur Hektik und Eile kennt. Viele der in dieser Stadt wohnenden Menschen wissen gar nicht mehr, was Zusammengehörigkeit oder Gemeinschaft ist. Sie kennen einander nicht mehr. Jeder lebt nur für sich. Der alte Mann hat alle Veränderungen miterlebt. Nun fragt er sich, ob das Christuskind in all dieser Rastlosigkeit sein kleines Haus auch finden wird. Früher als Kind hatte er in dieser Zeit Sterne gebastelt. Ob er das wohl noch kann? Vielleicht hat er ja noch irgendwo noch etwas Goldpapier. In seinem gemütlichen Zuhause bastelt er einen Stern nach dem anderen, es soll für einen ganzen Baum reichen. Doch den muss er erst noch finden.

Diese wundereiche Geschichte handelt von der Kraft der Zuversicht und dem Glauben an das Gute. Ein Bilderbuch, das auch große Leute anspricht und inspiriert.

Wer weiß, vielleicht entdecken Sie ja Ihre ganz eigenen Fähigkeiten und Gemeinsamkeiten mit ihren Kindern oder guten Freunden oder ganz wildfremden Menschen.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 30.11.20

Luca di Fulvio - Es war einmal in Italien

Es war einmal in Italien

Lübbe Verlag, 716 Seiten, 16,00 €

Es war einmal – so beginnen fast alle Märchen. In diesem Buch beginnt die Geschichte zweier junger Menschen im Frühjahr 1870. Martha lebt im Zirkus bei ihrem Ziehvater Melo und ist des kargen ärmlichen Lebens überdrüssig. Pietro, ein Waisenjunge, wünscht sich nichts sehnlicher, als durch Adoption dieses Elend hinter sich zu lassen. Beider Lebenswege kreuzen sich schicksalshaft, denn Martha und der Zirkus wandern nach Rom, wohin es auch Pietro verschlägt. Hier im Kirchenstaat regiert noch der Papst. Doch auch in Rom gärt es. Seit sich die Provinzen zum Land Italien vereinigt haben, wünschen viele Menschen auch Rom möge sich dem vereinigten Italien anschließen.

Martha entwickelt sich zur glühenden Aktivistin, die sich für die Freiheit einsetzt. Pietro, dem jede Schule ein Gräuel ist, entdeckt durch die Bekanntschaft mit einem Mitschüler die Geheimnisse der Fotographie. Endlich hat er seine Aufgabe gefunden. Er beginnt, das Drangsal der Stadt zu dokumentieren und hebt doch gleichzeitig deren Schönheit hervor.

Binnen eines Jahres erleben die beiden Halbwüchsigen den Wandel vom Kirchenstaat zum Anschluss an das freie Italien. Luca die Fulvio hat einen spannenden Roman geschrieben, der die Leser mitfiebern lässt, und bejubelt die Freiheit, wie es seine Protagonisten tun.

Ein spannender historischer Roman über die Befreiung Italiens mit interessanten Hinweisen zum damaligen Abstimmungsergebnis! Die heutigen Demoskopen hätten ihre helle Freude an den Voraussagen zum Ausgang dieser Wahl gehabt.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 23.11.20

Jenny Blackhurst - Das Gift Deiner Lügen

Das Gift Deiner Lügen

Lübbe Verlag, 363 Seiten, 11,00 €

Vor einem Jahr ist Erica Spencer bei einer Halloween-Party aus einem Baumhaus gestürzt und gestorben. Die Polizei hat ihren Tod damals als Unfall zu den Akten gelegt. Nun, etwa ein Jahr später, gibt es einen bestürzenden Facebook-Post, der einen Podcast ankündigt, in dem der Mord an Erica aufgedeckt werden soll. Sechs Menschen in dem englischen Villenviertel Seven Oakes sollen Schuld an ihrem Tod sein.

Die offenbar mit dem Computer bearbeitete Stimme des Podcast versetzt die Beteiligten in Angst und Schrecken. Immer tiefer dringt der giftige Ton der Computerstimme in ihrer aller Seelen, womit ihre wohlgehüteten Geheimnisse durch den anonymen Sprecher, oder die Sprecherin, aufgedeckt werden. Als auch noch jemand von ihnen verschwindet, wird endlich die Polizei eingeschaltet. Ob die Wahrheit dieses Mal aufgedeckt werden wird können?

Spannend wie in einer Fernsehserie lässt Jenny Blackhurst hier langsam das Bild der wirklichen Geschehnisse im vergangenen Jahr entstehen. Alle sechs Beschuldigten haben aus den verschiedensten Gründen gelogen.

Aber wer hat Erica Spencer nun wirklich ermordet? Und gab es überhaupt einen Mord?

Ein bis zum überraschenden Ende spannender Thriller, der dazu anregt, einzutauchen und die Realität für kurze Zeit auf unterhaltsame Art und Weise hinter sich zu lassen.

Von Luise Harloff