Buchtipp

Unser Buchtipp im DK vom 16.5.22

Anne Hoffmann - Es geht ja bloß um den Rest meines Lebens

Es geht ja bloß um den Rest meines Lebens

Magellan Verlag, 288 Seiten, 17,00 €

Ein Lehrerkind – das ist Elisa! Beide Eltern arbeiteten an „ihrem“ Gymnasium, und als ob das nicht schon schlimm genug wäre, ist ihre Mutter darüber hinaus auch noch die Direktorin dieser Schule.

Wenn Ihnen jetzt amüsante Assoziationen zu Lehrerkindern kommen, so sind diese hier völlig fehl am Platz. Eli, wie ihre Freunde sie nennen, hat keine lustigen Anekdoten über ihren Alltag zu berichten. Sie fühlt sich seit einiger Zeit immer müder, hat keine Lust, etwas mit Helena und den anderen Freunden zu unternehmen. Die Aussicht auf die Vorprüfungen zum Abitur lösen Ängste bei ihr aus. Wie kann sie da alles geben? Ihre Ergebnisse sollen doch der Grundstein für ihre Zukunft sein?

Leider ist die Panikattacke, bei der Leo sie auf dem Jungs-Klo erwischt, nicht der Gipfel, sondern erst der Anfang ihrer Schwierigkeiten. Die schnell erfundene Ausrede holt sie bald wieder ein, und so lügt sie immer mehr Menschen in ihrer Umgebung an. Keiner soll merken wie es um sie steht!

Kann sie so überhaupt ihr Abitur machen? Wird Elisa allein aus dieser Situation herausfinden können?

Anne Hoffmann hat mit „Es geht ja nur um den Rest meines Lebens“ ein beeindruckendes Buch über psychische Erkrankungen bei jungen Erwachsenen geschrieben, die leider immer noch stigmatisiert werden. Durch den Roman verstehen die Lesenden besser, wie auch ein junger Mensch immer tiefer in diese Erkrankung hineinrutschen kann und allein kaum noch herausfindet.

Ein sehr lesenswerter Roman für Menschen ab 14 Jahren.

Das Ende der Geschichte ist trotz alledem positiv, wenn auch anders als gedacht. Hinzu kommt eine hilfreiche Auflistung von Hilfsangeboten für betroffene Jugendliche.

Von Luise Harloff



Unser Buchtipp im DK vom 9.5.22

Thomas Montasser - Der Club der Bücherfeen

Der Club der Bücherfeen

Thiele Verlag, 319 Seiten, 22,00 €

Victor Jordanescu ist Komponist, wenigstens hat er Komposition studiert. Leider momentan eine brotlose Kunst, so dass er seinen Lebensunterhalt daher gezwungenermaßen als Paketbote verdienen muss. Unumgänglich lernt er bei seiner Arbeit viele Menschen kennen und manchmal ist er verblüfft über deren Vorlieben. Eine Adressatin interessiert ihn besonders. Seit ihre Bücherlieferungen von einer Lieferung mit Dessous unterbrochen wurden, lässt sich seine Phantasie kaum noch zügeln. Wer mag die schöne Unbekannte sein? Entschlossen ihre Bekanntschaft zu machen, versucht er, sie zu treffen, was sich jedoch als schwieriger erweist als gedacht. Dafür lernt er auf der Suche nach einem Präsent für die schöne Unbekannte eine Bücherfee kennen, die ihre Buchhandlung äußerst kenntnisreich führt und für jeden Besucher das jeweils passende Buch zu finden schient. Überhaupt gestaltet sich Victors Leben, seit er fast einen Hund überfahren hat, den niemand zu vermissen scheint, mehr als seltsam. Er lernt einen kleinen Jungen namens Leon kennen, der ihn als Transporteur und Ersatzvater adoptiert. Dieser bringt den studierten Komponisten auf ganz neue Ideen, indem er ihm aus seinen Lieblingsbüchern vorliest.

Bücher und ihre Geschichten haben schon immer die Kraft besessen das Leben der Menschen zu verwandeln. Warum sollte es also bei Victor, Leon und der schönen Unbekannten anders ausgehen?

Tauchen Sie ein in den Club der Bücherfeen. Sie werden ebenso verzaubert werden, wie die Protagonisten, denn eines ist gewiss – lesen macht glücklich!

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 2.5.22

Louis Bayard - Der denkwürdige Fall des Mr. Poe

Der denkwürdige Fall des Mr. Poe

Insel Verlag, 492 Seiten, 16,00 €

Im Oktober 1830 wird Augustus Landor, Polizist im Ruhestand, gebeten einen Todesfall in der West Point Militärakademie aufzuklären. Was zunächst wie ein Selbstmord durch Erhängen aussieht, wirft schnell Fragen auf, da der Leichnam vom Fundort verschwindet und dann mit geöffnetem Oberkörper und entferntem Herz wieder auftaucht. Leichenschändung oder doch etwas anderes? Der ehemalige Polizist sucht als Außenseiter im strengen Regime der Akademie nach einem Verbündeten und findet den jungen Kadetten Edgar Allen Poe. Aller militärischen Ausbildung zum Trotz auch jetzt schon ein Poet mit einer Neigung zu mancher düsteren Beobachtung, bildet er einen starken Kontrast zum realistischen Landor. Trotz ihrer unterschiedlichen Temperamente arbeiten die beiden effektiv zusammen. Es entwickelt sich sogar eine Freundschaft zwischen ihnen.

Gemeinsam kommen sie einem Geflecht aus geheimen Organisationen und kultischen Treffen auf die Schliche und decken nicht nur diese, sondern auch manche ihrer persönlichen Geheimnisse auf.

Louis Bayards detailliert lebendige Figuren führen durch einen Fall, der nicht nur für die Leser, sondern auch für die Protagonisten selbst unerwartete Wendungen bereithält. Mit seiner fast poetischen Schreibweise kommt er dem Titelhelden in seinem Roman sehr nahe, und die dadurch erzeugt Spannung macht dieses Buch definitiv lesenswert.

Von Ariel V. Harloff



Unser Buchtipp im DK vom 25.4.22

Helen Frances Paris - Das Fundbüro der verlorenen Träume

Das Fundbüro der verlorenen Träume

dtv Verlag, 367 Seiten, 15,95 €

Dot Watson arbeitet im Fundbüro der Londoner Verkehrsbetriebe. Mit Anfang 30 hat sie sich zur Expertin für Verluste entwickelt, sowohl der haptischen als auch der gefühlsmäßigen.

Ihr eigener bitterer Verlust lässt sich nur schwer kompensieren, hinzu kommt ihre erkrankte Mutter, die ihre Töchter Philippa und Dot nur noch selten erkennt. So hat sich die junge Frau ganz in sich selbst zurückgezogen und in einen Sarkasmus geflüchtet, vor dem nur wenige Menschen sicher sind.

Als ein älterer Herr vor ihr steht und den Verlust einer honigfarbenen Damenhandtasche nebst fliederfarbener Geldbörse anzeigt, setzt Miss Watson alles daran, ihm sein Hab und Gut zurückzuerstatten. Ihre Suche danach verändert nicht nur ihre Arbeit, sondern vor allem ihr eigenes Leben.

Wie eine Blume, die aus ihrem Winterschlaf erwacht, beginnt Dorothy (so heißt Dot mit richtigem Namen) sich auf ihr eigenes Leben und vor allem ihre Träume und Wünsche zu besinnen.

„Das Fundbüro der verlorenen Träume“ ist der Debütroman von Helen Frances Paris, einer renommierten Theaterwissenschaftlerin, die ein Londoner Theater leitet. Manchmal herzergreifend und andererseits wunderbar komisch.

Ein Lesevergnügen von besonderer Art.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 19.4.22

Ralf Langroth - Ein Präsident verschwindet

Ein Präsident verschwindet

Rowohlt Verlag, 373 Seiten, 16,00 €

Die Gründung der Bundesrepublik liegt fünf Jahren zurück und hat bereits den einen oder anderen Anschlag auf ihr Rechtssystem hinnehmen müssen. Am 20. Juli 1954 soll zum ersten Mal gemeinsam mit der DDR des Attentats auf Hitler in Berlin gedacht werden. Anlässlich dieses zehnten Jahrestags ist auch Otto John als Präsident des Bundesverfassungsschutzes in Berlin. Am Abend dieses Tages ist er allerdings zunächst wie vom Erdboden verschluckt und unauffindbar. Einen Tag später taucht er in Ostberlin auf und wird dort als Überläufer präsentiert. Aber ist er das wirklich oder wurde er entführt?

Konrad Adenauer, der derzeitige Bundeskanzler, ist sich unsicher und zieht Philipp Gerber als internen Ermittler hinzu. Gerber, der in der Sicherungsgruppe als Personenschützer des Kanzlers arbeitet, ist die ideale Wahl dafür. Als ehemaliger Ritchie-Boy bzw. Mitarbeiter des Amerikanischen Militärgeheimdiensts, ist Hauptkommissar Gerber bestens dafür geeignet, die verworrenen Handlungsstränge im Fall des entschwundenen Verfassungsschutzpräsidenten zu lösen. Ob er dafür allerdings das Schwert benötigt, wie ehedem Alexander der Große beim Gordischen Knoten, sei hier nicht verraten.

Ralf Langroth vermittelt auf sehr spannende Weise ein Stück deutscher Zeitgeschichte. Lesenswert und informativ, für jeden der sich für die frühe Geschichte der Bundesrepublik interessiert.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 11.4.22

Cornelia Funke - Drachenreiter – Der Fluch der Aurelia

Der Fluch der Aurelia

Dressler Verlag, 432 Seiten, 20,00 €

Was gibt es schöneres, als junge Drachen? Bens Familie hat sich auf den Weg gemacht, um den Nachwuchs des Silberdrachen Lung kennenzulernen. Leider werden sie nicht so bald am Saum des Himmels ankommen, denn zuerst muss ein neues Abenteuer überstanden werden.

Aus der Tiefsee ist „die Aurelia“ unterwegs zur kalifornischen Küste. Das mächtige Fabelwesen in Form einer riesigen Qualle trägt vier Saatkapseln bei sich, je eine für die vier Elemente: Feuer, Wasser, Luft und Erde. Aus ihnen werden neue Fabelwesen entstehen. Jede der Kapseln muss von einem Wesen, das eines der Elemente repräsentiert, entgegengenommen werden. Bens Drache Lung ist beispielsweise dafür vorgesehen, die Kapsel des Feuers zu übernehmen. Die Prophezeiung sagt jedoch auch, dass falls die Aurelia sich bedroht fühle alle Fabelwesen verschwinden werden.

Schon bald erweist sich ein alter Bekannter als Gefahr für das riesige Lebewesen.

Eine Welt ohne magische Wesen? Das muss selbstverständlich verhindert werden! Und wer ist dafür besser geeignet als die Familie Wiesengrund und ihre fabelhaften Gefährten. Werden sie ihren alten Feind aufhalten können?

Wieder einmal ist Cornelia Funke eine spannende und fantasiereiche Geschichte für Menschen ab 10 Jahren gelungen, die auch für sich allein lesenswert ist. Andererseits macht sie auch Lust darauf, die anderen beiden Drachenreiter Bände kennen zu lernen.

Von Luise Harloff



Unser Buchtipp im DK vom 4.4.22

Bonnie Garmus - Eine Frage der Chemie

Eine Frage der Chemie

Piper Verlag, 462 Seiten, 22,00 €

Um es vorweg zu sagen: Dies ist das geistreichste und amüsanteste Buch zugleich, das ich seit langer Zeit gelesen habe. Bonnie Garmus Roman über eine junge Frau zu Beginn der 1960er Jahre ist genial! Klug und voll hintergründigem Humor beschreibt sie die Geschichte einer jungen Wissenschaftlerin namens Elizabeth Zott.

Miss Zott ist Chemikerin – und zwar eine hervorragende! Nur traut es ihr zum damaligen Zeitpunkt niemand zu. Im Gegenteil. Ihre Forschungsergebnisse werden gestohlen, man verweigert ihr die Promotion, usw.! Und das alles nur, weil sie eine Frau ist, die viel klüger ist als die meisten ihrer Kollegen, männlich versteht sich. Bis auf einen, Calvin Evans, auch er ein Außenseiter, Nobelpreiskandidat und einsamer Einzelgänger.

Er verliebt sich in Elizabeth und ihren analytischen Verstand, der noch schärfer ist als sein eigener. Dass Elizabeth Zott dann mehr Berühmtheit als Fernsehköchin erlangt, denn als Chemikerin, ist eine ganz andere Sache, denn schließlich muss der Mensch von etwas leben. Im Gegensatz zu ihrem Produzenten hat Miss Zott eine ganz andere Ansicht zur Gestaltung ihrer Sendung. Auch Kochen hat nämlich mit Chemie zu tun. Schließlich bedeutet auch Kochen die Veränderung der Zustände von Zutaten und führt manchmal zu ganz überraschenden Ergebnissen. Wer in diesem Roman welchen und wessen Zustand verändert sei hier nicht verraten.

Aber eines kann ich Ihnen voraussagen, Sie werden sich blendend unterhalten fühlen, zusätzlich noch etwas über Chemie lernen und so ganz nebenbei außerdem noch etwas über die Befreiung der Frau aus ihrem Rollenklischee!

Seien Sie gespannt.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 28.3.22

Tom Hillenbrand - Goldenes Gift

Goldenes Gift

Kiepenheuer & Witsch, 476 Seiten, 12,00 €

Der neue kulinarische Krimi von Tom Hillenbrand widmet sich dem Milliardengeschäft mit Honigbienen.

Nachdem ein Stadtimker, der auch den Restaurantbesitzer und Koch Xavier Kieffer mit extra für ihn produzierten exquisiten Honig beliefert, offensichtlich von Bienen zerstochen tot vom Dach eines Hochhauses gefallen ist, versucht der Koch noch ausstehende Honiggläser in seinen Besitz zu bringen. Er stößt bei seiner Suche dabei auf allerlei Ungereimtheiten, die ihn neugierig machen. Seine Freundin Valérie Gabin, Restaurantkritikerin für ein Online-Magazin, befindet sich gerade in Kalifornien und sieht dort zufällig auf dem Rückweg zu ihrem Hotel, wie in der Dunkelheit mehrere Männer Bienenstöcke aus einer Plantage mit Mandelbäumen entwenden. Nachdem diese aber am nächsten Tag wieder dort stehen, als ob nichts geschehen wäre, wird ihr Interesse geweckt, herauszufinden was passiert ist. Haben beide Vorfälle etwas miteinander zu tun? Nachdem zunächst jeder der beiden für sich forscht stoßen sie recht schnell auf Gemeinsamkeiten. Honig und die Bienen sind mittlerweile ein Geschäft geworden mit dem viele sehr viel Geld verdienen wollen.

Forscher, die resistente Bienen züchten, die nur bestimmte Blüten anfliegen, Firmen die den Honig mit Kunstsirup strecken, um noch mehr Profit zu machen. Ganz zu schweigen von den Großkonzernen aus China, die mafiös die Fäden in der Hand halten, um Europa als Spielwiese für ihre Experimente zu nutzen. Auf jeden Fall zu gefährlich für die beiden Hobbyermittler Xavier und Valérie, wie sie sehr bald feststellen müssen.

Alle, die gerne Honig mögen, werden nach dieser Lektüre nochmal genauer das Etikett ihres Honigglases studieren, bevor sie ihn weiterhin unbeschwert genießen möchten.

Von Karin Skrzypczak



Unser Buchtipp im DK vom 21.3.22

Rachel Lucas - Die kleine Buchhandlung im alten Postamt

Die kleine Buchhandlung im alten Postamt

Insel Verlag, 363 Seiten, 10,95 €

Hannah Reynolds hat es satt! Ständig ist ihr Mann beruflich unterwegs, ihr Sohn droht auf die schiefe Bahn zu geraten und sie selbst sieht sich einsam im Hamsterrad der Alltäglichkeiten gefangen. Als sie nach der Beerdigung ihrer Tante mit ihrer Cousine Beth ins Gespräch kommt, stellt sich heraus, dass jene endlich wieder in die Stadt ziehen will. Kurz entschlossen nimmt Hannah das Angebot ihrer Cousine, den Dorfladen zu übernehmen, an.

Endlich kann sie ihre eigenen Ideen verwirklichen, die Liebe zur Literatur ausleben und Ihren Traum von einer kleinen Buchhandlung im Dorfladen integrieren.

Der Erfolg ist überwältigend. Ein angenehmer Nebeneffekt ist auch, dass ihr Sohn in die örtliche Fußballmannschaft aufgenommen wird, die ein ehemaliger Profifußballer betreut und somit endlich wieder etwas vernünftig wird.

Fehlt nur noch ihr Ehemann. Ob der aber wirklich nötig ist? Je länger Hannah im kleinen Dorf in den Cotswolds wohnt, desto blüht sie auf. Und überhaupt – vielleicht lässt es sich ohne Mann doch besser leben. Und wie schon die Bremer Stadtmusikanten wussten: Etwas Besseres findet frau allemal?

Rachel Lucas hat mit Ihrem Roman „Die kleine Buchhandlung im alten Postamt“ eine zauberhafte Lektüre für entspannende Stunde geschrieben. Herzerwärmend, amüsant und ein wenig frivol.

Viel Spaß beim Lesen.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 14.3.22

Candice Fox - 606

606

Suhrkamp Verlag, 467 Seiten, 16,95 €

John Kradle saß lange Jahre unschuldig im Todestrakt eines Hochsicherheitsgefängnisses in Nevada. Plötzlich wird ihm durch einen unvorhergesehenen Massenausbruch unverhofft zur Freiheit verholfen. Diese neugewonnene Chance will er nutzen, um seine Unschuld zu beweisen und den ihm vorgeworfenen dreifachen Mord an seiner Familie aufzuklären. Natürlich werden die 606 Entflohenen - teils Schwerstverbrecher und Psychopathen - nicht einfach ihrem Schicksal überlassen. Fast alle Gesetzeshüter Amerikas sind hinter ihnen her.

U.S. Marshal Trinity Parker versucht mit allen Mitteln, die Entflohenen wieder hinter Schloss und Riegel zu bringen, während es sich Captain Celine Osborne, die Leiterin des Todestrakts, zur Aufgabe gemacht hat, John persönlich wieder einzufangen.

Zu alledem hat sich auch noch ein gefährlicher Entflohener an Johns Fersen geheftet, und dieser muss sein Bestes geben, um allen einen Schritt voraus zu bleiben.

Candace Fox gibt den Lesenden einen spannenden und ungeschönten Einblick in das Wesen der Entflohenen. Darunter sind Nazis ebenso wie Terroristen, Psychopathen und Serienmörder. Auch deren Verfolgerinnen haben so ihre Geheimnisse. Stück für Stück erhellen sich die Vergangenheit des Protagonisten und die Hintergründe des Ausbruchs.

Von Ariel V. Harloff



Unser Buchtipp im DK vom 7.3.22

A.J. Gnuse - Girl in the Walls

Girl in the Walls

Thiele Verlag, 397 Seiten, 22,00 €

Elise hat als kleines Mädchen ihre Eltern bei einem Autounfall verloren. Im Waisenhaus hält sie es nicht mehr aus und flieht. Sie versucht in ihr altes Zuhause zu gelangen, das alte verwinkelte Haus im Süden Louisianas nicht weit vom Ufer des Mississippis.

Zwar ist das Haus schon vor einiger Zeit an eine Familie mit zwei Jungen verkauft worden, Elise betrachtet es jedoch nach wie vor als ihr Zuhause! Sie hat sich eingerichtet. Auf dem Dachboden und in den Zwischenwänden. Keiner der Erwachsenen im Haus scheint sie zu bemerken. Die Kinder allerdings fühlen sich zusehends beobachtet: Playmobil-Figuren die an anderen Orten stehen als ursprünglich, Lieblingskleidungsstücke die verschwunden sind, Geschenke die nicht einzutreffen scheinen. Langsam wird den Jungen unheimlich zu Mute, weshalb sie beschließen den Geist ausfindig zu machen, an den ihre Eltern nicht glauben.

„Girl in the Walls“ hat etwas von einem viktorianischen Schauerroman und ist doch zugleich die Geschichte eines kleinen verlorenen Kindes auf der Suche nach einem Zuhause und ein wenig Zuneigung. Ein Roman für Erwachsene, der einem die Ängste von Kindern näherbringt, die wenn sie nicht beachtet werden ein dramatisches Eigenleben entwickeln können.

Dem amerikanischen Autor A.J. Gnuse ist hier ein spannender Roman gelungen, der mit der Fantasie seiner Leser:innen spielt und dabei dem kriminellen wie dem leichten Grusel ebenso Raum lässt, wie der Zuneigung zu den Kinderfiguren. Klug und berührend.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 28.2.22

Kirsten Boie - Heul doch nicht, du lebst ja noch

Heul doch nicht, du lebst ja noch

Oetinger Verlag, 192 Seiten, 14,00 €

Hamburg im Juni 1945. Drei Tage im Sommer dreier Kinder nach dem 2. Weltkrieg, im besetzten Deutschland.

Jakob versteckt sich schon seit Wochen in den Ruinen, damit er nicht auch abgeholt wird, wie seine jüdische Mutter. Er weiß noch gar nicht, dass der Krieg zu Ende ist. Traute ist die Tochter des Bäckers. Ihr Zuhause und die Bäckerei sind wundersamerweise nicht zerstört worden. Sie hat täglich mit den einquartierten Flüchtlingen aus Ostpreußen zu tun. Und Hermann, der sich nun um seinen Vater kümmern muss, da der als Soldat im Krieg seine Beine verloren hat.

In diesen drei Tagen vom 23. bis zum 25. Juni erzählt Kirsten Boie von den Kindern, deren Leben und Sicht auf die Welt sich völlig verändern.

„Heul doch nicht, du lebst ja noch“, soviel sei verraten, diesen Satz wird Jakob im Laufe der Geschichte hören. Einfühlsam erzählt Kirsten Boie die Gedanken und Gefühle der Kinder. Aus ihrer Sicht wird ein Bild von Deutschland in der Besatzungszeit gezeichnet, und Leserinnen und Leser erfahren darüber hinaus, wie es hier vor dem Krieg zuging.

Durch dieses Buch können Menschen ab 14 Jahren mehr über die Nachkriegszeit erfahren, auch wenn Augenzeugen aus dieser Zeit einmal ganz verschwunden sind. Der unverstellte, manchmal auch kindlich egoistische Blick der Drei, macht Kirsten Boies „Heul doch nicht, du lebst ja noch“ wichtig und unbedingt lesenswert.

Von Luise Harloff



Unser Buchtipp im DK vom 21.2.22

Damhnait Monaghan - Neuanfang in Little Cove

Neuanfang in Little Cove

Insel Verlag, 376 Seiten, 11,00 €

Rachel O’Briens Vater war ein äußerst beliebter Lehrer. Nach dessen Tod kann sie nicht länger in Toronto bleiben und bewirbt sich um eine Stelle auf der Insel Neufundland als Französischlehrerin. Die Schule in dem kleinen Ort Little Cove ist gerade richtig für eine junge noch nicht ganz so erfahrene Lehrkraft. Voller Elan richtet sie ihren Klassenraum für ihre Schüler her und ist gespannt darauf wie diese auf ihre neue Lehrerin reagieren werden.

Auch auf Rachel wartet eine Überraschung. Ihr war nicht klar, dass die Insel einen eigenen Sprach-Dialekt hat. Ein Dialekt der mit seiner geographischen und geopolitischen Lage zu tun hat. Lange Zeit noch gehörte Neufundland zu Großbritannien, erst eine Abstimmung Mitte des 20. Jahrhunderts sorgte dafür, dass Neufundland sich Kanada anschloss. Ein wenig vielleicht vergleichbar mit dem deutsch-dänischen Grenzgebiet.

Das Interesse ihrer Zöglinge an Französisch ist nicht sehr ausgeprägt, doch mit ihrer Französisch-AG trifft sie ins Schwarze. Nach und nach findet sie Zugang zu der Lebensweise ihrer neuen Nachbarn und ihrer Schüler. Vor allem als sie selbst auch noch etwas lernt, von dem sie meint es nie und nimmer richtig zu lernen. Dabei hätte sie es besser wissen können. Denn erstens ist man nie zu alt um etwas Neues zu lernen und zweitens hatte Musik immer schon die Kraft Grenzen zu überwinden.

Neuanfang in Little Cove ist ein perfekter Stimmungsaufheller für trübe Tage, ein wahrer Seelentröster!

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 14.2.22

Hermann Schulz - Therese – Das Mädchen das mit Krokodilen spielte

Therese – Das Mädchen das mit Krokodilen spielte

DTV Verlag, 298 Seiten, 17,00 €

Therese ist, was man heute People of Color nennt. Sie wird 1900 in Wuppertal geboren. Ihr Vater ist der Anführer einer Gruppe von Togoern, die auf Völkerschauen auftreten. Um dem Baby die Strapazen einer bald bevorstehenden Reise zu ersparen, gibt er es dem Ehepaar Hufnagel in Pflege. Die selbst kinderlosen Pflegeeltern Fritz und Helene kümmern sich liebevoll um das Kind, so als wäre es ihre eigene Tochter.

Therese erhält eine gute Schul- und Berufsbildung und wächst zu einer selbstbewussten jungen Frau heran. Nur selten macht ihr ihre Hautfarbe im täglichen Leben Probleme. Erst als es in der 30er Jahren für alle Menschen in Deutschland, die anders sind, schwierig wird, ändert sich auch ihr Alltag. Soll sie im für sie unter diesen Umständen gefährlichen Deutschland bleiben?

Therese entschließt sich zu gehen und begibt sich auf Spurensuche nach ihren leiblichen Eltern. Wird sie diese im fernen Afrika finden?

Hermann Schulz hat Therese William selbst in Afrika kennengelernt. In seinem Roman für Menschen ab 12 Jahren berichtet er über ihr Leben und gibt dabei auch einen Einblick in die deutsche Kolonialgeschichte. Spannend, lehrreich und sehr lesenswert.

Von Luise Harloff



Unser Buchtipp im DK vom 7.2.22

Jacky Durand - Die Rezepte meines Vaters

Die Rezepte meines Vaters

Rowohlt Verlag, 186 Seiten, 10,00 €

Ein Mann sitzt am Bett seines sterbenskranken Vaters. Fasziniert sieht er zu, wie sich dessen Hände tanzend durch die Luft bewegen – grazil und schön, als würde er Brot backen.

Während Julien seinem Vater zusieht schweifen seine Gedanken zurück. Die gemeinsame Vergangenheit in der Küche des Restaurants, in dem Monsieur Henri seinem Sohn zeigte wie man gute Brioches buk und ihn in die Geheimnisse der Küche einweihte. Alles ohne Rezepte, die hätte man als guter Koch gefälligst im Kopf zu haben. Schließlich heißt es bei Georges Simenon „Erinnerung ist die beste Küche“. Trotzdem existiert ein Buch mit Rezepten. Julien weiß es, hat er es doch selbst bereits in Händen gehalten. Irgendwann jedoch war es verschwunden, laut Aussage des Vaters ist es verbrannt.

Auch wenn Henri sein Restaurant und die Küche liebt, keinesfalls soll Julien in seine Fußstapfen treten. Darin ist er wie alle Väter, die wollen das es ihren Kindern besser geht. Doch wie so oft hat das Schicksal eigene Pläne.

„Die Rezepte meines Vaters“ ist mehr als nur eine bezaubernde Vater-Sohn-Geschichte. Sie ist sowohl eine Liebeserklärung an das Kochen und die Küche mit hausgemachten Rezepten, als auch eine Liebeserklärung an die Väter und ebenso Anregung zum Nachkochen der am Schluss aufgeführten Rezepte und vor allem eine Aufforderung seiner Leidenschaft nachzugehen.

Der Autor Jacky Durand ist einer der renommiertesten Gastrokritiker Frankreichs. Sein erster Roman lässt auf mehr hoffen.

Ein Buch zum Genießen.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 31.1.22

John Ironmonger - Das Jahr des Dugong

Das Jahr des Dugong

S. Fischer Verlag, 136 Seiten, 14,00 €

Nach seinem Roman „Der Wal und das Ende der Welt“, der sich thematisch mit einer Pandemie und der Bewältigung einer Krise beschäftigt hat, geht es im neuen Buch von John Ironmonger um die Bedrohung der Erde und alles was auf ihr lebt durch den Klimawandel.

In einer nicht zu fernen Zukunft erwacht in einer ihm völlig fremden Umgebung ein reicher, älterer Mann. Menschen mit seltsamen Namen in schlichter Kleidung bringen ihm Nahrung, die ganz anders ist als alles, was er gewohnt ist. Seine Forderung nach einem Handy und anderen Dingen, die sein bisheriges Leben prägten und das er auch hier mit viel Geld wieder herstellen möchte, stoßen auf Unverständnis und lösen Gelächter aus. Er soll angeklagt werden, stellvertretend für alle Menschen, die den Klimawandel verursacht haben und für das Ende der Tiere, Pflanzen und fast sämtlicher Ressourcen der Erde verantwortlich sind.

Aber wieso soll ausgerechnet er dafür verantwortlich sein? Und wie ist er an diesen Ort gekommen? Fragen deren Antworten nicht nur für diesen Mann von existentieller Bedeutung sind, sondern darüber hinaus auch jeden einzelnen von uns betreffen.

Noch haben wir die Chance, bevor alles zu spät ist etwas zu verändern, wir müssen es nur wirklich wollen.

Von Karin Skrzypczak



Unser Buchtipp im DK vom 24.1.22

Charlotte Leonard - Die Verwegene

Die Verwegene

Aufbau Verlag, 396 Seiten, 14,00 €

Hedi Kiessler ist eine junge, bildschöne Schauspielerin am Wiener Theater von den Männern umschwärmt. Der den sie schließlich heiratet, ein Waffenfabrikant, legt Hedy zwar die Welt zu Füßen, doch ansonsten ist er zu keinen Zugeständnissen bereit. Die junge Frau plant ihre Flucht. Über Umwege gelangt sie nach Hollywood und die MGM-Studios nehmen sie unter dem Namen Hedy Lamarr unter Vertrag. Sie spielt die geheimnisvollen Schönen und gilt als Stilikone. Die wenigen Rollen, die das Studio seiner Mitarbeiterin zuteilt, füllen jene nicht aus, und lassen sie ihre Hobbys aus Kindertagen (filigrane Reparaturarbeiten und technische Feinheiten) wieder entdecken. Die schlechten Nachrichten aus Europa erfüllen Hedy Lamarr mit Sorge, sind ihr die Nazis doch noch aus eigener Erfahrung widerlich.

Sie arbeitet an einem Kommunikationssystem, das die Steuerung von Torpedos verbessern soll und meldet diese zusammen mit ihrem Partner zum Patent an. Wie wichtig dieses Patent noch werden soll, ist Hedy Lamarr und George Antheil zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar. Erst Jahrzehnte später, mit der Entwicklung des Internets wird ihre Erfindung wichtig.

Hedy Lamarrs verborgene Seite zu entdecken ist interessant und sehr lesenswert. Sie war nicht nur eine Stilikone sondern auch eine hochintelligente Frau, die zu ihrer Zeit komplett unterschätzt wurde.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 17.1.22

Ursula Poznanski - Shelter

Shelter

Loewe Verlag, 432 Seiten, 19,95 €

Was geschieht, wenn Du einen Gedanken in die Welt setzt der sich nicht mehr stoppen lässt?

In Feierlaune entsteht eine Idee, die ein wenig an den Klassiker „Krieg der Welten“ erinnert. Die letzten Gäste der Geburtstagsfeier von Bennys Freund Nando albern zunächst nur herum. Doch Liv, die Soziologiestudentin unter ihnen, möchte das Ganze als Thema für ihre Masterarbeit nutzen. So kommt es, dass Benny und seine Freunde sich ausdenken, was Leute im Internet aufschnappen und eventuell glauben könnten, dass Außerirdische auf der Erde gelandet sind. Es wird ein Logo konzipiert und mit Fake-Accounts das Gerücht in den sozialen Medien verbreitet. Das erfundene Logo sprühen und malen sie dann den Rest der Nacht lang in der ganzen Stadt möglichst so auf, dass sie nicht wegen Sachbeschädigung belangt werden können.

Sie erwarten nicht wirklich, dass jemand daran glauben könnte doch leider werden sie schnell eines Besseren belehrt! Schon am nächsten Tag taucht das „Zeichen der Außerirdischen“ in anderen Städten der Republik auf. Was zunächst Stolz bei ihnen auslöst wird bald zum Problem. Wie stoppt man etwas, über das man die Kontrolle verloren hat? Das hatten sich die Freunde doch ganz anders vorgestellt.

Wieder gelingt es Ursula Poznanski ein aktuelles Problem in eine spannende Geschichte zu verpacken. Ein packender Roman der fantastischen Jugendbuchautorin über die Fallstricke von Verschwörungstheorien.

Geeignet für alle Menschen ab 14 Jahren.

Von Luise Harloff



Unser Buchtipp im DK vom 10.1.22

Maxine Wildner - Hilde Knef und das Lied des Lebens

Hilde Knef und das Lied des Lebens

Insel Verlag, 256 Seiten, 14,00 €

Stellen Sie sich vor Sie säßen in einem Kino. Es läuft eine Hommage an Hildegard Knef mit ihren größten Filmen. Und plötzlich – wie in einem Film von Woody Alan – entsteigt die Darstellerin der Leinwand und bittet Sie den Abend mit ihr zu verbringen! Surreal - aber Sie sind gefesselt und versuchen nun mehr von Ihrer Diva zu erfahren.

Wer sie war und wie sie zum Film kam, ob sie sich wirklich „Rote Rosen“ gewünscht hat oder doch lieber etwas ganz anderes wollte.

Die Autorin lässt interessierte Leser:innen teilhaben am Leben einer Frau, die als „Sünderin“ verdammt wurde und doch eine geniale Charakterdarstellerin war. Eine Sängerin ohne Stimme, wie sie von sich selbst sagte, und außerdem eine sehr kluge Frau.

Kurzweilig und spannend zu lesen vermittelt dieses Buch jenen, die sie nicht kannten informative Einblicke in das Leben einer Frau, die auch im hohen Alter noch andere Künstler zu inspirieren vermochte.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 3.1.22

Armando Lucas Correa - Die verlorene Tochter der Sternbergs

Die verlorene Tochter der Sternbergs

Eichborn-TB im Lübbe Verlag, 348 Seiten, 12,00 €

„Sie haben die Nation in einen Abgrund geführt, aus dem sie unmöglich wieder emporsteigen kann. Eine Generation nach der anderen wird versuchen diese Niedertracht wieder gut zu machen, aber es wird nicht gelingen!“ Welch prophetische Worte einer jungen Frau und Mutter an ihre Freundin. Amanda Sternberg versucht den letzten Willen ihres Mannes umzusetzen um sich und ihre Töchter zu retten. Die Mädchen sollen per Schiff nach Kuba reisen und sie selbst bei einer befreundeten französischen Familie unterschlüpfen.

Das Schicksal will es anders. Die Mutter lässt nur das älteste Mädchen fahren, während sie die kleinere Schwester bei sich behält.

So geraten Mutter und Tochter Sternberg in die Hände der Vichy-Regierung und somit nach dem Einmarsch der Deutschen in Frankreich in die Mühlen der Vernichtungsmaschinerie, auch wenn sie zwischenzeitlich einen anderen Namen tragen. Nur Lina, genauer gesagt Elise, wie sie von ihrer neuen Familie genannt wird, ist auf sich selbst gestellt nachdem ihre Mutter abgeholt und danach nie wiedergesehen wurde. Elise überlebt mithilfe eines französischen Geistlichen, der sich für die Unterdrückten einsetzt. Das Dorf, dem dieser Pater auf so vielfältige Weise geholfen hat trägt einen berüchtigten Namen, der für die Unmenschlichkeit der Besatzer steht. Oradour-sur-Glane. Nach dem Krieg gelingt ihr das scheinbar Unmögliche – sie gelangt nach Amerika. Doch zu welchem Preis?

Es ist eine tragisch-spannende Familiengeschichte die Armando Correa hier aufdeckt und die Nachwelt aufhorchen lässt. Er verleiht den letzten Überlebenden eine Stimme, die sie nicht mehr selber erzählen können oder wollen, um der Nachwelt die Gräuel der Vorväter vor Augen zu führen. Dem Autor gelingt mit diesem Roman eine Weiterführung (in gewisser Weise eine Fortsetzung) des Buches „ das Erbe der Rosenthals“ in welchem er ein weiters Schicksal der Verdammten beschreibt, die mit der MS St. Louis zu einer Irrfahrt von Europa über Kuba und zurück führte, für viele von ihnen ins Verderben.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 27.12.21

Anne Helene Bubenzer - Das Weihnachtswunder des Henry N. Brown

Das wunderbare Weihnachtswunder des Henry N. Brown

Thiele Verlag, 126 Seiten, 10,00 €

Henry hat nach einem langen, abenteuerlichen und aufregenden Leben seinen Ruhesitz bei Flora Sommer gefunden. Flora ist Schriftstellerin. Ihr hat Henry seine Memoiren erzählt. Diese erzählt ein Bär schließlich nicht irgendwem, sondern nur einer besonderen Vertrauensperson. Beide freuen sich auf ein ruhiges und friedliches Weihnachtsfest, das wider Erwarten sehr turbulent wird.

Unvorhergesehen einfallende Gäste wirbeln Floras und Henrys Leben gehörig durcheinander. Was zuerst als riesiges Chaos erscheint, entpuppt sich letztlich als eines der schönsten Feste seit langem für Mensch und Bär.

Wieso Bär fragen sie sich?

Ganz einfach, Henry N. Brown ist ein Teddybär mit einem Herzen so groß wie der Ozean und so liebenswürdig wie nur geliebte Bären sein können.

Eine zauberhafte Geschichte über Liebe und Glück. Gerade das richtige für die Zeit zwischen den Jahren zum Genießen und Wohlfühlen. Einfach zauberhaft!

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 20.12.21

Lucie Castel - Ein ganz besonderes Weihnachtsfest

Ein ganz besonderes Weihnachtsfest

Thiele Verlag, 301 Seiten, 16,00 €

Seit Scarlet und William sich am Vorabend des Weihnachtstages in einem Schneesturm am Londoner Flughafen Heathrow kennenlernten, träumt die junge Frau von einer Hochzeit an eben diesem Tag. Jetzt zwei Jahre später ist es soweit. Der 24. Dezember und gleichzeitige Hochzeitstag rückt näher, und Scarlet empfängt frohgelaunt ihre Familie, um sie mit der Familie ihres Liebsten bekannt zu machen. Just in diesem Augenblick platzt die Nachricht ins Haus, dass der gebuchte Hochzeitsplaner plötzlich verstorben ist und ihre geplante große Feier ins Wasser zu fallen droht.

Scarlet ist einer Panik nahe. Wenn nicht noch ein Wunder geschieht, wird es nichts mehr mit der vorgestellten Märchenhochzeit. Scarlet betet um ein Wunder! – Ein Mirakel wie es nur an besonderen Tagen wie Weihnachten möglich ist.

Eine herrliche Screwball Komödie mit französischem Esprit und britischem Witz. Was macht es da schon, wenn einem der Heimweg von einer scheinbar toten Kuh versperrt wird.

Viel Spaß beim Lesen und Entspannen.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 13.12.21

Anthony Trollope - Weihnachten auf Thompson Hall

Weihnachten auf Thompson Hall

Insel Verlag, 94 Seiten, 14,00 €

Weihnachten um 1870 in Paris. Schnee, der in Matsch übergeht, und alles ist grau in grau. Winter von seiner hässlichsten Seite. Ein englisches Ehepaar befindet sich auf dem Weg nach England in einem Hotel in Paris und möchte das erste Mal nach acht Jahren wieder Heiligabend auf dem Familiensitz der Frau verbringen. Die Schwester der Frau möchte Weihnachten ihren Verlobten vorstellen und hatte geschrieben, wenn sie auch in diesem Jahr nicht kommen wollen, brauchen sie gar nicht mehr zu kommen. Der Mann kränkelt und möchte am liebsten Frankreich nicht verlassen und im Hotel bleiben. Seine Frau versucht alles, um ihn zu überreden doch zu fahren. Sie begibt sich auf seinen Wunsch nachts mit einer Kerze in der Hand durch die dunklen Gänge des Hotels, um ihm Senf zu besorgen für einen wärmenden, heilenden Wickel. Welche Abenteuer sie dabei erlebt, während ihr Mann bei langsam ausgehendem Kaminfeuer im eiskalt werdenden Hotelzimmer auf sie wartet, und ob sie es doch noch schafft mit ihrem Mann Thompson Hall zu erreichen, ist in dieser klassischen englischen Weihnachtserzählung aus dem Jahr 1876 wunderbar erzählt.

Ein Lesevergnügen der besonderen Art.

Von Karin Skrzypczak



Unser Buchtipp im DK vom 6.12.21

Felicity Pickford - Willkommen im kleinen Grandhotel

Willkommen im kleinen Grandhotel

Goldmann Verlag, 428 Seiten, 16,00 €

Von Vorfreude auf Weihnachten kann bei Charlotte Williams, Londonerin und Kinderbuch-illustratorin, gerade keine Rede sein. Hat sie sich nicht nur vor kurzem von ihrem Freund getrennt, fehlt ihr zu allem Überfluss auch noch der entscheidende Schwung bei ihren Illustrationen, und der Abgabetermin rückt bedrohlich näher.

Dann fängt es in London an zu schneien, was dort ebenso ungewöhnlich ist wie hier bei uns in Norddeutschland. Am selben Tag flattert ihr eine ungewöhnliche Einladung Haus. Sie darf die Zeit vom 20. bis 31. Dezember im kleinsten Grandhotel der Welt auf der Isle of Skye verbringen! Kostenlos?! Da muss doch ein Haken daran sein, oder?

Sie überwindet ihre Zweifel und macht sich auf den Weg in den Norden. Und wirklich, der zauberhafte Urlaub bringt ihr die weihnachtliche Stimmung zurück. Charlotte lernt in der familiären Atmosphäre des kleinen Hotels besondere Menschen kennen, denen sie sonst nie begegnet wäre.

Welche Geheimnisse mag das kleine Grandhotel bereithalten und wird sie sie diese lüften können? Wie wird ihre private und berufliche Zukunft aussehen? Lesen Sie selbst!

Felicity Pickfords „Willkommen im kleinen Grandhotel“ ist ein zauberhafter Roman, der uns Leser:innen, in diesen Zeiten, die Freude über Weihnachten zurückbringen kann. Lassen Sie sich in das romantische Schottland entführen, oder verschenken Sie diese kleine Flucht aus dem Alltag.

Von Luise Harloff