Öffnungszeiten
Mo, Di, Do, Fr: 9 - 19 Uhr
Mi: 9 - 18 Uhr; Sa: 9 - 16 Uhr
Adventssamstage: bis 18 Uhr

Buchtipp

Unser Buchtipp im DK vom 19.2.18

Mary Basson - Die Malerin

Buchhandlung Sabine Jünemann

Aufbau Verlag, 425 Seiten; 12,99 €

Gabriele Münters Schicksal und Entfaltung als Malerin ist eng mit dem Wirken Kandinskys verbunden. Als junge Frau war sie seine Schülerin. Er lehrte sie, zu sehen und das Wirkliche darzustellen. Auch seine Entwicklung schritt voran. Immer abstrakter wurden seine Gemälde. Schon bald entwickelt sich auch die Beziehung zwischen Schülerin und Lehrer zu einer Schwärmerei weiter. Die Zuneigung, die die Beiden miteinander verband, war stark. Gabriele, Ella genannt, war sich der Zwänge, die es zu Beginn der 20sten Jahrhunderts gab, jedoch sehr wohl bewusst.

Die Nachricht, dass der von ihr so geliebte Mann verheiratet war, traf sie deswegen zutiefst. Trotzdem konnte sie sich nicht von ihm lösen. Lange Jahre hoffte sie, dass er sie nach der Scheidung von seiner ersten Gemahlin zur Frau nähme. Getreulich hütete sie nicht nur über den ersten Weltkrieg seine Bilder und Schätze. Als Ella dann Anfang der 20er Jahre erfuhr, dass Kandinsky bereits wieder verheiratet war und am Bauhaus in Dessau lehrte, brach für sie eine Welt zusammen.

Mary Bassons Roman über Gabriele Münter ist kenntnisreich und schwungvoll geschrieben und sehr lesenswert. Unterbrochen sind die einzelnen Abschnitte von den wunderbaren Bildbeschreibungen Johannes Eichners, ihres liebenden Gefährten, der ihr nach Kandinsky neuen Lebensmut gab.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 12.2.18

Nadia Hashimi - Hinter dem Regenbogen

Buchhandlung Sabine Jünemann

Bastei-Lübbe, 555 Seiten; 12,00 €

Die Autorin Nadia Hashimi ist Amerikanerin mit afghanischen Wurzeln. Erst spät lernte sie das Land ihrer Vorfahren kennen, dann aber so gut, dass ihr mit dem Roman „Hinter dem Regenbogen“ ein eindrucksvolles Porträt Afghanistans gelang. Nadia Hashimi erzählt die Geschichte einer afghanischen Familie über mehrere Generationen.

Das Mädchen Rahima ist neun Jahre alt und lebt mit ihrer Mutter und ihren Schwestern unweit von Kabul. Ihr Vater ist, seit er siebzehn Jahre alt ist, fast nur im Krieg gewesen und kämpft jetzt immer noch, inzwischen opiumsüchtig, für einen Warlord, der den Ort, in dem sie leben, schützt. Die Taliban sind auf dem Vormarsch, und die Mädchen dürfen nicht mehr zur Schule gehen. Da beschließt die ältere unverheiratete Schwester der Mutter, dass aus Rahima Rahim werden soll, damit die Familie einen Sohn hat, einen sogenannten Bacha Posh, der für sie in der immer gefährlicher werdenden Außenwelt unterwegs sein kann, um die Dinge des alltäglichen Lebens für sie zu erledigen. Nicht unüblich in Familien ohne Sohn, und schon Rahimas Ururgroßmutter Shekita, die um die Wende des 20. Jahrhunderts geboren wurde, übernahm mehr oder weniger freiwillig die Rolle des Sohnes in ihrer Familie. Die Geschichte der Beiden wird parallel erzählt und auch immer wieder miteinander verwoben, sodass wir Afghanistan hauptsächlich aus der Sicht von Frauen über einen langen Zeitraum kennen lernen.

Sehr beeindruckend erzählt und gleichzeitig erschreckend, wie wenig sich für Mädchen und Frauen in diesem Land über die Jahre verändert hat.

Von Karin Skrzypczak



Unser Buchtipp im DK vom 5.2.18

Peter Jacobi - Der Papamat

Buchhandlung Sabine Jünemann

Rowohlt Taschenbuch, 248 Seiten; 14,99 €

Philipps Eltern haben sich scheiden lassen. Der neue Freund seiner Mutter ist in seinen Augen ein alberner Clown, der nur zu gern Philipps Herz gewinnen möchte. Mit seinen peinlichen Witzen und den komischen Liedern, die er ständig singt, hat er dabei jedoch wenig Erfolg. Ein Papamat, also ein Vaterroboter, den man im Internet bestellen kann, scheint da eine gute Alternative zu sein. Zwar kostet das gute Stück 12.000,- Euro, aber Philipp hat schon eine Idee. Schließlich garantiert der Hersteller ein 14tägiges Rückgaberecht. So kann der automatische Papa ausgiebig getestet werden, bevor er wieder zurückbefördert wird.

Leider verfügt das Gerät neben dem sehr angenehmen Kumpelmodus auch über eine Erzieherfunktion, die das Zusammenleben mit dem nachgemachten Vater zunehmend anstrengend werden lässt. Er zwingt seinen Schützling nicht nur zum Aufräumen und Lernen, sondern schmeißt sich auch massiv an Philipps Mutter ran, um seine Rücksendung an die Fabrik zu verhindern. Vielleicht wäre da Mamas alberner Freund doch die bessere Wahl gewesen. Ob es wohl gelingt, den Fehlkauf wieder loszuwerden und den Liebhaber aus Fleisch und Blut wieder zurückzugewinnen?

Der Papamat ist ein kurzweiliges und unterhaltsames Buch für kleine Leser ab acht. Die turbulente Geschichte voller Wendungen ist aber auch zum Vorlesen geeignet und lädt sowohl zum Lachen, als auch zum Mitfiebern ein. Viel Spaß also beim Vor- und Selberlesen.

Von Liisa Schmidt



Unser Buchtipp im DK vom 29.1.18

Andreas Izquierdo - Fräulein Hedy träumt vom Fliegen

Buchhandlung Sabine Jünemann

Insel Verlag, 525 Seiten; 14,95 €

„Dame in den besten Jahren sucht Kavalier, der sie zum Nacktbadestrand fährt. Entgeltung garantiert.“ Diese Anzeige in der Lokalpresse schlägt ein wie eine Bombe. Die Erschütterung, die in der so genannten besseren Gesellschaft dadurch ausgelöst wird, bringt die feinen Leute der kleinen münsterländischen Stadt ganz schön durcheinander. Die Einzige, die sich durchweg unberührt zeigt, ist die Inserentin selbst, Hedwig von Pyritz, liebevoll auch Hedy genannt.

Die alte Dame ist blitzgescheit, diszipliniert, wohlhabend - eigentlich sogar steinreich – und scharfzüngig. Im Alter von 88 Jahren hat frau ohnehin nicht mehr viel zu verlieren. Getreu diesem Motto setzt Hedy ihren Kopf durch, wo sie nur kann. Als sich über ihre Anzeige niemand finden lässt, tut es auch ihr Physiotherapeut Jan. Der weigert sich anfangs zwar, aber steter Tropfen höhlt bekanntlich den Stein. Als er endlich auf ihr Anliegen eingeht, erzählt sie ihm zum Ausgleich die wechselvolle Geschichte ihres Lebens. Sie lässt dabei weder Höhen noch Tiefen und vor allem keins ihrer tief verborgenen Geheimnisse aus.

Wieder einmal gelingt es Andreas Izquierdo, die Leser in seinen Bann zu ziehen und sowohl zum Lachen als auch zum Weinen zu bringen. Dieses Buch ist zum Schwelgen in einer Geschichte, die vor Lebenslust strotzt und gleichzeitig leicht wie eine Feder ist und dennoch so wuchtig wie das Gebirge des Atlas. Einfach Phänomenal!

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 22.1.18

Caroline Wallace - Das Fundbüro der Wünsche

Buchhandlung Sabine Jünemann

Rowohlt Verlag, 347 Seiten; 9,99 €

Martha Lost ist Mitte der 70er Jahre eine Attraktion im Bahnhof Liverpool. Als Säugling wurde sie in einem kleinen Pappkoffer vor dem Fundbüro abgegeben. Dort lebt sie fortan bei ihrer Ziehmutter, der Leiterin des Fundbüros. Mittlerweile ist sie erwachsen und dreht täglich ihre Pirouetten durch die ganze, riesige Bahnhofshalle. Verlassen hat sie das Gebäude noch nie, denn sie fühlt sich gleich den Liverbirds auf dem Rathaus für die Stadt, als das Herz des Bahnhofs.

Eines Tages bekommt Martha einen Brief, in dem steht, dass der Absender wisse, wer sie sei. Vor allem aber kenne er ihre leibliche Mutter. Die junge Frau ist völlig fasziniert und macht sich sofort auf den Weg hinein in ihre Vergangenheit, die gleichsam rätselhaft und magisch ist. Bei ihrer Suche nach sich selbst begegnet sie nicht nur einem Mann, der behauptet, einen Koffer voller Beatles-Devationalien zu besitzen, deren Echtheit er in der en Heimatstadt genauestens prüfen lasse. Sie trifft auch viele weitere sonderbar wirkende Figuren wie etwa George, der stets als römischer Legionär daher kommt. Caroline Wallace hat eine zauberhafte Geschichte vom Suchen und Finden geschrieben. Sie versetzt ihre Leser in die eigene Jugend zurück, in der Träume Realität wurden, Wünsche in Erfüllung gingen und für die Fans der Beatles eine Welt zusammenbrach, als die Fab Four sich trennten. Strawberry Fields forever!

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 15.1.18

Volker Weidermann - Träumer - Als die Dichter die Macht übernahmen

Buchhandlung Sabine Jünemann

Kiepenheuer & Witsch, 288 Seiten; 22,00 €

Kriegsende 1918, es ist ein Ende mit Schrecken. Nicht nur im Königreich Bayern sondern auch im gesamten deutschen Kaiserreich stehen die Zeichen auf Sturm. In dieser Zeit des Umbruchs scheint alles möglich, die Menschen träumen von einem wirklichen Neuanfang. Im November des Jahres passiert dann das Unglaubliche. Die Revolution gelingt und die Räterepublik wird ausgerufen.

Träumer sind es wirklich, die in München ihre Ideale zur Realität werden lassen. Die geistige Elite des Landes, bestehend aus Dichtern wie Ernst Toller, Thomas Mann, Erich Mühsam, Rainer Maria Rilke, Gustav Landauer, Oskar Maria Graf und Viktor Klemperer schreiten zur Tat. Sie diskutieren, halten flammende Reden und entwickeln neue Ideen davon, wie das zukünftige Deutschland aussehen soll. Doch ihr scheinbar einfacher Sieg führt zu einer schweren Zeit voller Herausforderungen und Enttäuschungen.

Dann wird Kurt Eisner, einer der geistigen Vorreiter der Bewegung, erschossen. Diese Tat hinterlässt das Land tief gespalten: Die Einen zeigen sich verzweifelt angesichts dieses Verlustes, die Anderen sind erleichtert, dass damit der Spuk der Revolution gebannt ist. Tatsächlich besteht die neue Republik nur bis April 1919, dann müssen sich die titelgebenden 'Träumer' endgültig geschlagen geben.

Geschichtsinteressierte Leser finden hier ein gut recherchiertes Buch, dem man anmerkt, wie sehr Volker Weidemann das Thema am Herzen liegt. Es lädt tatsächlich zum Träumen darüber ein, was hätte werden können, wenn es den Schriftstellern von Damals gelungen wäre, ihre politischen Ziele auch dauerhaft durchzusetzen. Informativ und voller Wärme lässt dieses Werk den Leser eintauchen in die fast vergessene Zeit, in der so Vieles möglich schien und doch nur so wenig umgesetzt werden konnte.

Von Liisa Schmidt



Unser Buchtipp im DK vom 8.1.18

Armin Strohmeyr - Die leuchtenden Länder

Buchhandlung Sabine Jünemann

Piper Verlag, 344 Seiten; 11,00 €

Heutzutage ist Reisen nur noch selten gefährlich und allein reisende Frauen kaum mehr Aufsehen erregend. In früheren Jahrhunderten war das allerdings anders. Frauen wie Lady Hester Stanhope galten als Exotinnen und waren als Abenteurerinnen mit zweifelhaftem Ruf verschrien. Viele dieser Frauen wollten jedoch aus der Enge der euröpäischen Boudoirs und Salons, in denen sie sich langweilten, entkommen. Sie sehnten sich nach Wissen und Weite, Entdeckungen und Erkenntnissen.

Viele, die es wagten, auszubrechen, verarbeiteten ihre Eindrücke literarisch, so wie Vita Sackville-West oder Ella Maillard. Gelegentlich gelangen ihnen dabei bedeutende Studien zu Themen wie Archäologie oder Ethnologie, oder sie waren gar als Agentinnen tätig wie etwa Gertrude Bell.

Ironischerweise stellt uns in diesem Buch ein Mann, namentlich Armin Strohmeyer, eine höchst illustre Schar von Frauen vor, die es zu kennen lohnt. Vielleicht ist Ihnen die eine oder andere bereits begegnet, sei es literarisch, künstlerisch oder gärtnerisch. Falls nicht, folgen Sie den umtriebigen Damen und entdecken Sie ganz neue Aspekte am Reisen. Viel Vergnügen!

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 1.1.18

Erling Kagge - Stille – Ein Wegweiser

Buchhandlung Sabine Jünemann

Insel Verlag, 144 Seiten; 14,00 €

Erling Kagge ist nicht nur Anwalt, Verleger und Autor, sondern auch Abenteurer und, wenn ich ihn richtig verstehe, Philosoph. Seine spannenden Reisen führten ihn an die bekanntesten Enden der Welt, den Nord- und Südpol sowie auf die Spitze des Dachs der Welt, den Mount Everest. Die Erfahrungen, die er während dieser Reisen gesammelt hat, haben ihn erkennen lassen: Das, was der Mensch heute am wenigsten in seiner Umgebung findet, ist echte Stille. Stille, die einen zurückführt zu sich selbst.

Überall sind wir von Lärm in den unterschiedlichsten Lautstärken umgeben. Gibt es diese Ruhe und Stille also überhaupt noch? Brechen wie sie nicht selbst am meisten, indem wir ständiges Handyklingeln, Autolärm, Fernsehen und Radio nicht nur ertragen, sondern oft sogar aktiv suchen? Eingeladen, einen Vortrag vor Studenten zu halten, hat Erling Kagge sich mit diesem Thema auseinandergesetzt und versucht, den Begriff der Stille neu zu definieren.

Herausgekommen ist dabei dieser schmale, sehr lesenswerte Band, der den Leser einlädt, den eigenen Weg zu seiner persönlichen Stille zu finden. Eine wahre Versuchung, der jeder einmal in unserer laut gewordenen Welt nachgeben sollte, besonders zum Jahreswechsel. Wahrlich philosophisch und sehr eindrucksvoll.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 25.12.17

Friedbert Stohner - Ein Rentier kommt selten allein

Buchhandlung Sabine Jünemann

DTV – Reihe Hanser, 143 Seiten; 12,95 €

Wetekamps haben den Heiligabend gut überstanden und freuen sich nun auf geruhsame Weihnachtsfeiertage. Als es an der Tür klingelt, rechnen alle mit dem besten Freund von Lars, dem jüngsten Spross der Familie. Sie begrüßen dann allerdings einen älteren Herren mit weißem Bart und rotem Mantel. Sie ahnen es schon, bei diesem Besucher handelt es sich um den Weihnachtsmann, der samt Schlitten und Rentierherde einziehen möchte. Tatsächlich wohnt er nämlich nicht am Nordpol, sondern kommt jedes Jahr bei anderen Leuten unter, die ihn bis zur nächsten Adventszeit beherbergen müssen.

Lars, seine Schwester Lotte werden wie Vater und Mutter zum Schweigen verdonnert und stellen den Überraschungsgast bei Nachfragen einfach als Onkel Klaus vor. Doch nicht nur die Geheimhaltung bezüglich des besonderen Mitbewohners gestaltet sich schwierig. Regelmäßig passieren abenteuerliche, spannende, lustige und bemerkenswerte Dinge, die das Jahr mit diesem ganz besonderen Untermieter unvergesslich werden lassen.

Gedacht ist dieses Buch für kleine Leser ab 10, die selbst miterleben möchten, wie Weihnachtswichtel zu Besuch kommen und nächtliche Ausflüge mit dem fliegenden Schlitten gemacht werden. Genauso gut kann dieses Buch auch jüngeren Kindern vorgelesen werden, wenn Sie die amüsante und unterhaltsame Lektüre gemeinsam genießen möchten.

Von Liisa Schmidt



Unser Buchtipp im DK vom 18.12.17

Sabrina Janesch - Die goldene Stadt

Buchhandlung Sabine Jünemann

Rowohlt Verlag, 544 Seiten; 23,00 €

Sabrina Janesch, eine bereits mehrfach mit Preisen bedachte junge Autorin, stammt ursprünglich aus Niedersachsen. Schon als Kind schwärmte sie für Entdecker und ferne Länder, immer hoffend, ihr gelänge einst selbst eine große Entdeckung. Dies dürfte ihr mit diesem Buch gelungen sein, auch wenn es vielfach klingt wie eine der berühmten Geschichten, die der Baron von Münchhausen so wahrhaftig seinen Freunden am prasselnden Kaminfeuer zu erzählen pflegte.

Der Roman handelt von Rudolf August Berns, gebürtig aus Uerdingen bei Krefeld, der als junger Mann wie so viele seiner Altersgenossen der heimischen Tristesse zu entkommen suchte und auswanderte. Allerdings wollte er nicht wie alle anderen nach Nordamerika; ihn zog es nach Peru, dem Ruf des sagenumwobenen Eldorado folgend. Er reiste um die halbe Welt und trotze den Stürmen Kap Hoorns, um endlich Lima, die Hauptstadt Perus, zu erreichen. Hier arbeitete er als Ingenieur für die Eisenbahn und wurde Plantagenbesitzer. Schließlich diente er im spanisch-südamerikanischen Krieg als Artillerieoffizier, bevor er als Entdecker das Land weiter bereiste. Wer könnte den Geist des Abenteurers und Glücksritters wohl besser verkörpern als er?

Lesen Sie es selbst und folgen Sie dem zwischenzeitlich vergessenen Pionier auf seinen unwegsamen Pfaden. Diese Wege führten schließlich zur Entdeckung Machu Picchus, lange bevor der Amerikaner Hiram Bingham die goldene Stadt erreichte. Wer weiß, vielleicht sind sich die beiden sogar noch begegnet?

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 11.12.17

Sasha Marianna Salzmann - Außer sich

Buchhandlung Sabine Jünemann

Suhrkamp Verlag, 365 Seiten; 22,00 €

Der Debütroman von Sasha Marianna Salzmann, der zu Recht auch auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis stand, ist eine Familiengeschichte, in deren Mittelpunkt die junge Frau Ali und ihre Suche nach ihrem verschwundenen Zwillingsbruder Anton steht. Ihre frühe Kindheit verbringt sie mit ihrer Familie in Russland, wo sie als russische Juden das Land Richtung Deutschland verlassen haben, in der Hoffnung auf ein besseres, freieres Leben. In Deutschland werden sie anfänglich als Russen nicht gerne gesehen. Stets auf der Suche nach der eigenen Identität findet sich Ali in Istanbul wieder, einer Stadt voller Möglichkeiten, in der sie auch ihren Bruder vermutet. Die politischen Unruhen in der Türkei und die Aufstände erschweren aber allmählich auch hier das Leben.

Über viele Generationen und Länder erstreckt sich die Suche nach einem sinnerfüllten Leben in einer sich immer schneller wandelnden Welt.

Im Januar ist Sasha Marianna Salzmann zu einer Lesung in Bremen, für alle die Literatur gerne hautnah erleben möchten, ein zusätzlicher Tipp zum lesenswerten Buch.

Von Karin Skrzypczak



Unser Buchtipp im DK vom 4.12.17

Jenny Colgan - Weihnachten in der kleinen Bäckerei am Strandweg

Buchhandlung Sabine Jünemann

Piper Verlag, 357 Seiten; 10,00 €

Verdutzt stellt Polly fest, dass die Adventszeit begonnen hat. Arbeit hat sie in ihrer kleinen Bäckerei mehr als genug; schließlich will die ganze Insel Brötchen, Brot und alle möglichen anderen Leckereien von ihr. Ihre Zeit ist also so knapp bemessen, dass ihr das nahende Weihnachtsfest schlicht entgangen ist. Trotz aller Widrigkeiten widmet sie sich ihrer Freundin Kerenza. Deren Schwangerschaft kommt gänzlich ungelegen, zumal sie nicht weiß, ob ihr Mann Reuben wirklich der Vater ihres Kindes ist.

Hinzu kommt, dass Polly und ihr Freund Huckle sich nur noch selten sehen. Das Fröhlich-unkomplizierte ihrer Beziehung ist ein wenig verflogen. Deswegen hatten die beiden gerade geplant, sich ein paar faule Tage zu gönnen, alte Filme zu schauen und es sich gemütlich zu machen. Doch dann soll Polly das Catering für Reubens gigantische Weihnachtsparty übernehmen. Das Chaos scheint perfekt, als Polly auch noch erfährt, dass wenn nicht noch ein Wunder geschieht, das Gebiet der Papageientaucherkolonie bebaut werden soll. Weihnachten ist jedoch bekanntlich die Zeit, in der Wunder manchmal wahr werden...

Dieser zauberhafte Roman ist das Richtige für kuschelige Stunden auf der Couch. Mit einer heißen Schokolade und einer Leckerei von ihrem eigenen Leib-und-Magen-Bäcker lässt sich damit wunderbar entspannen. Falls Sie also noch ein Nikolausgeschenk benötigen sollten – greifen Sie zu, Sie werden es nicht bereuen.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 27.11.17

D.D. Everest - Archie Greene und das Buch der Nacht

Buchhandlung Sabine Jünemann

Loewe Verlag, 372 Seiten; 14,95 €

Archie Greenes Lehre als Buchbinder magischer Bücher nähert sich ihrem Ende. Als er von der heiligen Flamme ausgewählt wird, mit diesen Büchern zu arbeiten, war ihm nicht bewusst, wie viel Talent er für diese Aufgabe hat. Er kann wie kein anderer mit den Werken sprechen und neue Zaubersprüche schreiben. Allerdings deuten alle Zeichen in der magischen Bibliothek auf etwas Düsteres und Dämonisches hin. Die Zauberlehrlinge um Archie werden Zeugen, wie die gerade geschriebenen Sprüche mit schwarzer Flamme verbrennen. Außerdem geht das Gerücht um, dass das gefährlichste magische Buch gestohlen wurde, bevor es sicher in der Bibliothek eingeschlossen werden konnte.

Ob es da einen Zusammenhang gibt? Das herauszufinden, ist ein klarer Fall für Archie und seine Freunde vom 'Club der Alchemisten'. Ob es ihnen gelingen wird, die schwarzen Magier zu bezwingen und damit die Welt vor dem Verderben zu retten? Ein spannender Jugendroman für Menschen ab 10, die nicht genug davon bekommen können, in geheimnisvolle Zauberwelten einzudringen.

Von Liisa Schmidt



Unser Buchtipp im DK vom 20.11.17

Eleanor Brown - Die Lichter von Paris

Buchhandlung Sabine Jünemann

Insel Verlag, 388 Seiten; ca. 15,00 €

Madelaine hat scheinbar das große Los gezogen. Verheiratet mit einem erfolgreichen und gutaussehenden Geschäftsmann, kulturell interessiert, gebildet und ehrenamtlich im Chicago Museum of modern Art tätig, wirkt sie glücklich und zufrieden. Doch der Schein trügt. In Wirklichkeit hatten sie und ihr Mann nie etwas gemeinsam; sie lebt von Tabletten und isst wie ein Spatz, um ja kein Gramm zuzunehmen. Für ihre eigenen Wünsche und Pläne scheint kein Platz zu sein.

Wird Madelaine von einer Midlifecrisis gequält, oder plagt sie doch noch etwas anderes? Eine Reise zu ihrer Mutter nach Magnolia, ihrem Heimatort, gleicht einer Flucht. Dort angekommen erfährt sie, dass ihre Mutter den Verkauf ihres Elternhauses plant. Madelaine hilft ihr dabei zunächst widerwillig. Als sie jedoch bei den Aufräumarbeiten die Tagebücher ihrer Großmutter findet, ist sie wie vom Donner gerührt. Endlich erschließt sich ihr, warum sie und ihre Mutter einander so wenig gleichen, woher ihr Maltalent rührt, und wieso sie eine Vorliebe für einen so unkonventionellen Lebensstil hat.

Eleanor Brown beschreibt in ihrem Buch die Sehnsüchte und Träume von Frauen aus drei Generationen, die scheinbar gefangen sind in ihrem Leben und alles daran zu setzen versuchen, ihre Träume zu verwirklichen. Die beeindruckenden Charakterstudien machen diesen Roman so lesenswert und lassen uns teilhaben am Leben dieser so verschiedenen Frauen. Einfach hinreißend.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 13.11.17

Rodrigo Hasbún - Die Affekte

Buchhandlung Sabine Jünemann

Für einen Neuanfang geht die Familie Ertl aus dem München der Nachkriegszeit nach Bolivien. Hans Ertl sieht als ehemaliger Kameramann von Leni Riefenstahl für sich, seine Frau und seine drei Töchter keine Zukunft mehr in Deutschland. Auf der Suche nach immer neuen Herausforderungen lässt er seine Familie in der fremden Umgebung viel allein. Während die Töchter sich langsam einleben, fällt es der erkrankten Mutter umso schwerer, sich in La Paz zurechtzufinden. Nach dem Tod der Mutter und der Rückkehr einer der Töchter nach München zieht sich der Vater mit seiner Freundin aufs Land zurück. So bleiben Monika und eine ihrer Schwestern alleine in ihrem Haus in La Paz. Monika heiratet früh einen wohlhabenden Mann und errichtet anfänglich mehr aus Langeweile heraus mit einer Freundin ein Armenhaus. Über ihren Schwager, einen angehenden Mediziner, gerät sie in radikalpolitische Kreise und befindet sich bald im Umfeld von Che Guevara. Ihre Erfahrungen mit Gewalt und Folter in ihrem unmittelbaren Freundeskreis veranlassen sie später selbst in den Untergrund zu gehen und zu kämpfen.

Eine ungewöhnliche Familiengeschichte, die äußerst spannend das Leben ausgewanderter Deutscher in Südamerika von den Fünfzigern bis in die Siebziger beschreibt. Zeiten des Umbruchs in dieser relativ kurzen historischen Zeitspanne werden von Rodrigo Hasbún so erzählt, dass sie noch lange im Gedächtnis bleiben.

Von Karin Skrzypczak



Unser Buchtipp im DK vom 6.11.17

Skalecki, Rist - Frostkalt

Buchhandlung Sabine Jünemann

Gmeiner Verlag, 280 Seiten; 12,00 €

Adventszeit in Bremen. Der Weihnachtsmarkt lockt mit Glühwein und Geschenkartikeln, die Innenstadt glänzt im Schein der Festbeleuchtung, in den Bäckereien werden endlich Klaben und andere Köstlichkeiten angeboten. Die friedlichste Zeit des Jahres steht an, doch die Bremer Polizei hat trotzdem alle Hände voll zu tun.

In der Krippe am Dom wird ein ausgesetztes Neugeborenes gefunden, und von der Mutter fehlt jede Spur. In den Wallanlagen wird ein junges Mädchen zusammengeschlagen und dabei lebensgefährlich verletzt. Zu guter Letzt wird ein ortsansässiger Bäcker tot in seinem Laden aufgefunden. Die Untersuchungen laufen auf Hochtouren, doch je mehr Fakten ans Licht kommen, desto verworrener erscheinen diese drei Fälle.

Besonders der Mord in der Konditorei hält die ermittelnden Beamten auf Trab, denn je weiter sie in die Untiefen dieses Falles vordringen, desto mehr Verdächtige präsentieren sich ihnen. Jede der fraglichen Personen hat zwar ein gutes Motiv, aber kein stichfestes Alibi vorzuweisen. Am Ende geht es dann ganz schnell, und der geneigte Krimileser bekommt einen Täter präsentiert, den er von Anfang an auf dem Zettel gehabt haben könnte. Oder ist vielleicht doch alles ganz anders?

Dieser spannende Krimi voller Lokalkolorit passt perfekt in die nahende Vorweihnachtszeit und wird Sie von Anfang bis Ende gut unterhalten. Gönnen Sie sich ein Stück traditionellen Klaben, wärmenden Tee und dieses Buch für die kommenden dunklen Tage. Dann kann der Winter kommen, denn Sie werden ihre Couch nicht mehr verlassen, bis Sie diese Fälle mit den Ermittlern zusammen aufgeklärt haben.

Von Liisa Schmidt



Unser Buchtipp im DK vom 30.10.17

Tilman Röhrig - Die Flügel der Freiheit

Buchhandlung Sabine Jünemann

Pendo Verlag, 478 Seiten; 20,00 €

Bartholomäus Reiche ist im Auftrag Cranachs unterwegs zur Wartburg. Hier soll er Juncker Jörg geheime Post überreichen. Tatsächlich handelt es sich dabei natürlich um Martin Luther, der sich und seine Thesen missverstanden fühlt. Niemals hatte er die Absicht, das Volk gegen seine Herrscher aufzuhetzen.

Anders Thomas Müntzer, ein Radikaler, der die Menschen durchaus aufwiegeln möchte. Im Zuge dessen stachelt er sogar die Brüder und Schwestern in den Klöstern an und animiert sie zur Flucht. Letztendlich trägt er damit maßgeblich zu einem der ersten Bauernaufstände bei. Im Mai 1525 wird dieser blutig niedergeschlagen, die Aufrührer werden hingerichtet.

Auch Ottilie, die Ehefrau Müntzers, kann ihrem Schicksal nicht entkommen. Geschändet und missbraucht von den Siegern, verliert die Schwangere ihr Kind. Ihre Spur verliert sich in den Nachwirren des Aufstandes. Anders als Martin Luther und Katharina von Bora wurden die Müntzers von den Flügeln der Freiheit, die sie aus Luthers Thesen herausgelesen hatten, nicht getragen.

'Die Flügel der Freiheit', wie Tilman Röhrig sie beschreibt, ist ein wahrhaft bildreicher Roman über die Anfänge der Reformation, die nicht ohne Qual und Gewalt auskam. Ihre kriegerische und zerstörerische Macht führte letztendlich zum 30jährigen Krieg ein Jahrhundert später und damit auch zu einer Neuordnung der bekannten Welt.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 23.10.17

David Walliams - Propeller-Opa

Buchhandlung Sabine Jünemann

Rowohlt-Rotfuchs, 464 Seiten; 14,99 €

David Walliams neues Buch erwarte ich jedes Mal ganz sehnsüchtig. Wenige Autoren vermögen es wie er, witzig und kindgerecht die Probleme der großen und kleinen Menschen zu beschreiben. Ganz zu schweigen von den witzigen Illustrationen Quentin Blakes. In Propeller-Opa schildert der Autor, wie Jacks Großvater immer mehr in der Dämmerung des Vergessens versinkt. Seit dem Tod seiner Frau, Jacks Oma, kann er nicht mehr alleine wohnen, so verwirrt, wie er ist. Jacks Eltern überlegen, den alten Mann in einem Altersheim anzumelden, wo man sich um ihn kümmern könnte.

Jack allerdings ist sich nicht sicher, ob das richtig ist. Sein patenter Opa hat ihm alles wesentlich Wichtige über das Leben beigebracht. Im Krieg flog er als Pilot bei der RAF Spitfires und hat heute als Spielkamerad eine ebenso wichtige Aufgabe. Dieser Mann soll in ein Pflegeheim, das auch noch Twilight Towers heißt? Irgendwas stimmt mit dieser Einrichtung und dem stets finsteren Personal dort nicht. Für Jack und seinen Großvater beginnt das größte Abenteuer ihres gemeinsamen Lebens. An dessen Ende Oberstleutnant Bunting, Jacks Opa, noch einmal zu Höchstform aufläuft.

Kindgerecht beschreibt David Walliams die Demenz eines alten Menschen und wie Kinder sie wahrnehmen und spielerisch verarbeiten, während Erwachsene nur Trauer und Entsetzen zeigen können.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 16.10.17

Arturo Pérez-Reverte - Der Preis, den man zahlt

Buchhandlung Sabine Jünemann

Insel Verlag, 295 Seiten; 22,00 €

Spanien während des Bürgerkriegs. Noch steht es unentschieden, Madrid noch umkämpft und belagert, gehalten von internationalen Brigaden. Franco, der Caudillo, beginnt allerdings, seine Macht zu festigen. In dieser undurchsichtigen Gemengelage agiert der Agent Lorenzo Falco. Er, das schwarze Schaf aus einer begüterten Familie, ist ebenso charismatisch wie undurchsichtig und lebt erst auf, wenn das Leben am seidenen Faden hängt.

Sein Auftrag führt ihn nach Cartagena an die Mittelmeerküste. Hier soll er, getarnt als Mitglied der Roten Front, einem Mitglied der Falange zur Flucht aus deren Fängen verhelfen. Mit von der Partie ist eine junge Frau von rätselhafter, androgyner Schönheit, ebenso anziehend wie abweisend. Schon bald geht es um Leben und Tod, da muss man anderen blind vertrauen können. Doch wie ist es um die Verlässlichkeit aller Beteiligten bestellt?

Arturo Pérez-Reverte beherrscht sein Handwerk, nicht umsonst ist er Mitglied der königlich-spanischen Akademie. Hinzu kommt seine langjährige Tätigkeit als Kriegskorrespondent. Seine Romane sind hervorragende Charakterstudien und gleichzeitig packend und spannend zu lesen.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 9.10.17

Robert Menasse - Die Hauptstadt

Buchhandlung Sabine Jünemann

Suhrkamp Verlag, 458 Seiten; 24,00 €

„Die Hauptstadt“ ist ein Roman über Brüssel, die EU und ihre dort lebenden Beamten und Beamtinnen, die es dank Frauenquote inzwischen auch dort in etwas größerer Anzahl gibt.

Eine von ihnen ist die Griechin Fenia Xenopoulou, die für Kultur und Bildung in leitender Position verantwortlich ist. Wenig anerkannt und unbeliebt, da kaum Geld zur Verfügung steht, aber gerade richtig für die Griechen, wie man munkelt, da sie ohnehin nicht mit Geld umgehen können. Für Fenia ein Abstellgleis, von dem sie möglichst schnell wieder runter möchte.

In den vielen kleinen Gruppen innerhalb der EU findet ein reger Informationsaustausch statt. Wie zum Beispiel bei den fahrradfahrenden Beamten und Beamtinnen, die mit Hilfe eines Personal Trainers ihren täglichen Weg durch die Stadt zu überleben lernten. Neid und Missgunst, zwischenmenschliche Beziehungen, die ausgenutzt werden zum beruflichen Weiterkommen, Lobbyismus und das Bestreben, die EU gut darstellen zu wollen, prägen den Alltag in Brüssel.

Als dann noch ein Toter im Hotel gefunden wird und ein Schwein die Straßen der Stadt unsicher macht, wird aus dem Hauptstadt-Roman eine höchst amüsante, spannende und tiefgründige Geschichte, deren unzählige Handlungsstränge am Ende doch noch zusammengeführt werden.

Von Karin Skrzypczak



Unser Buchtipp im DK vom 2.10.17

Lucas Grimm - Nach dem Schmerz

Buchhandlung Sabine Jünemann

Piper Verlag, 316 Seiten; 16,99 €

Hannah Gold ist eine ebenso begnadete Cellistin, wie egozentrisch, paranoid und völlig unfähig, Schmerzen zu empfinden. Außerdem ist sie erfüllt von einer panischen Angst vor der Vergangenheit. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass sie als Kind nicht nur die Folterung ihres Vaters mit ansah, sondern auch selbst gefoltert wurde. Seitdem ist nichts mehr, wie es war. Zu viel ist in jener Nacht vor dem Mauerfall geschehen. Ihr Bruder ist seither in der Klapse, ihre Mutter tot. Trost bringt ihr nur das Cellospiel und der Konsum diverser illegaler Rauschmittel.

Nicht viel anders geht es dem ehemaligen Topjournalisten David Berkhoff. Auch er betäubt sich nach den traumatischen Erlebnissen als Kriegsreporter mit Drogen verschiedenster Art. Seine Suche nach den Rosenholzdateien, denen er schon seit der Wende hinterherjagt, war bisher kein Erfolg beschieden. Dabei handelt es sich um Daten der Stasi, die die Klarnamen aller Ostagenten im Westen enthalten. Sämtliche Geheimdienste in Ost und West würden ein Vermögen bezahlen, um eben dieser Namen habhaft zu werden.

Sei 27 Jahren treibt die Suche nach diesen Unterlagen nicht nur die Nachrichtendienste, sondern auch Forscher, Journalisten und Politiker fast in den Wahnsinn. Hannah Gold will von alledem nichts wissen. Als sie jedoch ihren totgeglaubten Vater in ihrem bundesweit einzigen Konzert in Berlin sitzen sieht, beschleicht sie eine dumpfe Ahnung, dass ihr früheres Leben doch noch nicht vorüber ist.

Dieser Thriller entführt den Leser in die deutsch-deutsche Vergangenheit und lässt den kalten Krieg, der längst vergessen schien, wieder auferstehen. Brillant und raffiniert spielt der Autor mit seinen Figuren und deren Ängsten. Damit zieht er seine Leser in seinen Bann bis zum explodierenden Finale. Absolut lesenswert!

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 25.9.17

Candice Fox - Fall

Buchhandlung Sabine Jünemann

Suhrkamp Verlag, 470 Seiten; 15,95 €

Frank Bennet von der Mordkommission Sidney hat bereits viele Opfer gesehen. Er ist seinen Weg trotz eigener Verletzungen und Verluste gegangen. Gerade im Moment hat er das Gefühl, vor der größten Herausforderung seit langem sowohl im Job als auch in seinem Privatleben zu stehen. Bisher konnte er sich immer auf seine Partnerin Eden verlassen, doch deren Rekonvaleszenz ist nach ihrer letzten Zusammenarbeit noch nicht abgeschlossen.

Als die Leiche einer Joggerin mit zerschundenem Gesicht in einem der großen Parks in Sydney gefunden wird und kurz darauf zwei weitere Tote entdeckt werden, ist eins klar: Ein Serienmörder treibt in der Stadt sein Unwesen. Insgeheim sorgt sich Bennet jedoch mindestens ebenso sehr um Eden wie um den Killer. Er weiß um ihre Gefährlichkeit, und eines Nachts bewahrheiten sich seine Befürchtungen. Bisher ist ihr noch niemand sonst auf die Schliche gekommen, aber was ist, wenn sie sich von jemandem unter Druck gesetzt fühlt? Wie wird sie sich dann entscheiden?

Fall ist der bisher letzte Band der Reihe um die Kinder des Hades. Was aus ihnen geworden ist, passt gerade richtig in den jetzt beginnenden Herbst, ist er vielleicht doch auch der Beginn des Herbstes in Frank Bennets Leben. Dieser Krimi ist tiefgründig und von einer Spannung, die unter die Haut geht.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 18.9.17

Ursula Poznanski - Aquila

Buchhandlung Sabine Jünemann

Loewe Verlag, 424 Seiten; 16,95 €

Nika verbringt ein Auslandssemester in Italien und genießt ihren Auslandsaufenthalt in vollen Zügen. Als sie nach einem Samstagabend verkatert und übernächtigt erwacht, nimmt sie an, mal wieder ein wenig zu viel getrunken zu haben. Sie beschließt, den restlichen Sonntag zum Erholen zu nutzen und sich zukünftig mit dem Feiern zurückzuhalten. Schnell jedoch stellt sie fest, dass es bereits Dienstag ist und ihr mehr fehlt, als die Erinnerung an die vergangenen zweieinhalb Tage. Hausschlüssel, Handy und Ausweis sind weg, und auch ihre Mitbewohnerin ist nirgends zu finden.

Stattdessen entdeckt sie Drohungen am Badezimmerspiegel, blutige Kleidung in der Schmutzwäsche und enigmatische Notizen in ihrer Hosentasche. Verzweifelt und voller Angst begibt sich Nika auf eine Reise in das Dunkel ihres allumfassenden Gedächtnisverlusts. Je tiefer sie in die Vergangenheit vordringt, desto deutlicher wird es: Etwas grauenhaftes ist geschehen. Eins ist schnell klar: Die deutsche Austauschstudentin hat etwas mit den mysteriösen Ereignissen zu tun. Dabei geht es offensichtlich um etwas sehr viel schwerwiegenderes, als ein paar Gläser Wein zu viel...

Mal wieder ist es Ursula Poznanski gelungen, einen Spannungsroman zu schreiben, der junge Leser ab 15 genauso in seinen Bann zieht wie erwachsene Thriller-Fans. Bis zum Schluss fiebert man der Auflösung dieses atemberaubend packend geschriebenen Krimis entgegen und fragt sich wie die Protagonistin selbst, welche Schuld die junge Frau auf sich geladen haben mag. Lassen Sie sich diesen Titel nicht entgehen!

Von Liisa Schmidt



Unser Buchtipp im DK vom 11.9.17

John Boyne - Der Junge auf dem Berg

Buchhandlung Sabine Jünemann

Fischer Verlag, 304 Seiten; 16,99 €

Die Schrecken des 1. Weltkriegs haben lange Schatten auf Pierrots Leben geworfen. Der Junge ist 7 Jahre alt, als er zuerst seinen Vater und kurz darauf auch seine Mutter verliert. Seither ist nichts mehr so, wie es einmal war. Es gibt keine Familie mehr, an die er sich halten kann. In seiner Heimatstadt Paris kann ihn keine der Nachbarsfamilien aufnehmen, da sie selbst kaum genug zum Überleben haben. So landet Pierrot in einem Waisenhaus bei Orleans.

Hier, bei Adele und Simone, lebt er unter Gleichaltrigen, auch wenn er außer Josette keine Freunde hat. Wie glücklich ist er, als er eines Tages erfährt, dass er zu einer Tante ziehen darf. Sie wohnt allerdings nicht in Paris, sondern weit weg auf einem Berg. Einen ganzen Tag wird die Reise dauern, von Orleans über Mannheim und München nach Salzburg, wo er abgeholt wird. Hier wird der Junge von nun an also auch auf diesem Berg leben, wo seine Tante für den Führer arbeitet, der auf keinen Fall gestört werden darf, besonders nicht von einem Kind.

Es dauert eine Weile, bis Peter, wie Pierrot hier gerufen wird, sich eingewöhnt. Je mehr er allerdings vom Herrn des Berghofes lernt, desto mehr verändert sich sein Wesen. Er wird herrisch und genießt seine Macht, die er, obwohl noch ein Kind, durchaus auszunutzen weiß. Sollte die in Peter angelegte Saat Wurzeln in ihm schlagen? Wir wollen es nicht hoffen.

John Boynes Buch ist die Geschichte einer Verführung. Exemplarisch beschreibt er am Schicksal seiner Hauptfigur die Indoktrination einer ganzen Generation, die am Ende des zweiten Weltkriegs noch Halbwüchsige waren. Dieses Buch ist Mahnung und Warnung zugleich und daher gleichermaßen wichtig und lesenswert. Es spricht wie schon die anderen Titel des Autors sowohl Kinder als auch Erwachsene an und animiert zur generationsübergreifenden Debatte.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 4.9.17

Taran Bjornstad und Christopher Grav - Der Krokodildieb

Buchhandlung Sabine Jünemann

Beltz & Gelberg, 127 Seiten; 6,95 €

Odd reimt sich auf Birnenkompott!

Das ist noch der netteste Scherz, den sich seine Klassenkameraden mit ihm erlauben. Da sein Kopf wie eine Birne aussieht und „Odd“ auf englisch sonderbar bedeutet, ist der kleine Odd ein gefundenes Fresse für seine Klassenkameraden. Auch zu Hause hat er es als Jüngster nicht leicht.

Sein großer Bruder ist Kapitän der Fußballmannschaft und ein wahrer Torgarant und seine Schwester ist ein Ass in Biologie, darf einen Hamster ihr Eigen nennen und ist außerdem noch eine gute Reiterin. Klar, das Odd sich da minderwertig fühlt.

Erst die Begegnung mit Rolf, dem reptilienkundigen Tierpfleger, verhilft ihm zu mehr Selbstbewusstsein. Als Odds Klasse den Zoo besucht ist Odd der Einzige, der sich traut, einen Glattstirnkaiman zu streicheln. Mette, ein Mädchen aus seiner Klasse ist schwer beeindruckt und bringt Odd damit auf eine sehr ausgefallene Idee. Ahnen Sie welche?

Für Odd beginnt das aufregendste und gefährlichste Abenteuer seines jungen Lebens. Endlich fühlt er sich krokodilstark und weiß sich auch gegen die dummen Sprüche der übrigen Klassenkameraden zur Wehr zu setzen.

Amüsant und gleichzeitig lehrreich zu lesen, vermittelt das Buch aufmunternde Gedanken für alle kleinen Jungen, die sich immer wieder zurückgesetzt fühlen.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 28.8.17

Annika Brockschmidt, Dennis Schulz - Goethes Faust und Einsteins Haken

Buchhandlung Sabine Jünemann

Rowohlt Verlag, 216 Seiten; 9,99 €

Welches akademische Gebiet ist nutzbringender und spannender: die Naturwissenschaft oder die Geisteswissenschaft? Naturgemäß haben Physiker auf diese Frage eine ganz andere Antwort als Germanisten. Ob die jeweilige Sichtweise jedoch objektiv richtig ist, möchte dieses Buch gerne klären. In 11 Kapiteln lassen Annika Brockschmidt und Dennis Schulz verschiedene Forscher, wissenschaftliche Theorien, Irrlehren, Schriftsteller und bedeutende Zitate gegeneinander antreten. Am Ende wird sich zeigen, wer sowohl auf den verschiedenen Gebieten, als auch insgesamt die Nase vorn hat.

Wenn Sie selbst parteiisch sind in der Frage nach dem besseren Zweig der Wissenschaften, können sie mit diesem Titel überprüfen, ob Sie wirklich im Recht sind. Sind sie jedoch ganz offen, lassen Sie sich doch einfach überraschen, auf welche Seite Sie sich schlagen sollten. 'Goethes Faust und Einsteins Haken' ist ein abwechslungsreich geschriebenes Sachbuch, dass wahrlich zum Schmökern einlädt.

Jeder, der vielseitig interessiert ist, wird hier zahlreiche spannende und unterhaltsame Anekdoten finden. Auch Menschen, die sonst eher wenig lesen, werden sich mit diesem Buch sehr wohlfühlen: Jede einzelne 'Kampfrunde' ist genauso fesselnd wie knapp geschrieben, so dass sie alles Nötige erfahren, ohne dass sich die Abschnitte in ausufernden Erklärungen ergehen. Hierfinden Sie die wissenschaftlich bedeutsamsten Themen knackig auf den Punkt gebracht. Also Ring frei!

Von Liisa Schmidt



Unser Buchtipp im DK vom 21.8.17

Elisabeth Hermann - Stimme der Toten

Buchhandlung Sabine Jünemann

Goldmann Verlag, 544 Seiten; 20,00 €

Judith Kepler jagt Gespenster. Es sind die Geister ihrer Vergangenheit, die sie als kleines Mädchen traumatisiert und verstört zurückließen. Als erwachsene Frau fristet sie ihr Leben als Putzfrau und Tatortreinigerin. Was soll sie auch anderes tun, hat sie doch ihre Kindheit und Jugend vergeudet.

Als ihr Chef Dombrowski sie zu ihrem neuen Einsatzort beordert, ahnt Judith nicht, dass dies ihr Leben gehörig durcheinanderwirbeln wird. Die Spuren des Toten, die sie beseitigen soll, erweisen sich als nicht die einzigen. War es also kein Selbstmord, sondern Mord?

Durch einen Hinweis an die Polizei gerät die Cleanerin jedoch selbst ins Fadenkreuz der Mächtigen. Ihr bleibt nichts anderes übrig, als ihren Mentor Quirin Kaiserley anzurufen, der ihr bereits früher aus der Patsche geholfen hat. Dass sie damit allerdings auch die Toten aufschrecken würde, wäre ihr im Traum nicht eingefallen. Geschweige denn, wie weit die Verstrickungen reichen. Bis in die rechte Szene, den wieder erstarkenden kalten Krieg und die technischen Möglichkeiten der Computerfreaks hinein - und bis zu ihrer eigenen Familie, deren letzte Überlebende sie, soweit es ihr bekannt ist, ist.

Ein Stück Zeitgeschichte, dessen grausame Spannung bis zur letzten Zeile fesselt.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 14.8.17

Anne Gesthuysen - Sei mir ein Vater

Buchhandlung Sabine Jünemann

Piper Verlag, 419 Seiten; 11,00 €

Mit 15 Jahren landet Lilie als Gastschülerin in einem winzigen Kaff bei Xanten am Niederrhein. Hier wirkt die junge Pariserin wie ein Paradiesvogel unter Krähen. Trotzdem wird ihr ihre Gastfamilie mehr zugetan sein, als ihre eigentlichen Eltern es je sein werden. Sie fühlt sich geborgen und sicher, so dass sie den Vater ihrer Gastschwester Hanna eines Tages fragt, ob sie ihn auch Vater nennen dürfe.

Jahrzehnte später erfährt Lilie von Hanna, dass der Mann, der ihr näher stand als ihr eigener Erzeuger, Krebs im Endstadium hat und bald sterben wird. Kurz entschlossen reist sie an den Niederrhein, im Gepäck eine zusammengerollte Leinwand mit einem Gemälde ihres Vorfahren George Augutte.

Kurz vor der erschreckenden Nachricht wurde in ihre Pariser Wohnung eingebrochen und das Bild sollte gestohlen werden. Durch ihre verfrühte Heimkehr wurde der Täter gestört und das Bild beschädigt zurückgelassen.

Was mag dieses Bild wert sein? Lilie war bisher über ihre malenden Vorfahren nicht sonderlich gut informiert. Hannas Vater empfiehlt ihr, einen befreundeten Restaurator und stürzt sich mit Tochter und Ziehtochter in das letzte große Abenteuer seinen Lebens. Frei nach dem Motto: Wir haben keine Chance? Nutzen wir sie!

Anne Gesthuysens Roman erzählt mit einfühlsamen Worten die Geschichte dieser Patchworkfamilie, die ihren Beginn mit der einfachen Bitte „Sei mir ein Vater, mein eigener hat kein Interesse“ nahm.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 7.8.17

Sue Monk Kidd - Die Erfindung der Flügel

Buchhandlung Sabine Jünemann

btb Verlag, 494 Seiten; 9,99 €

Der Roman „Die Erfindung der Flügel“ entführt den Leser nach Charleston, USA, in die Zeit von 1803 bis 1838, als die wenigen Weißen die Schwarzen, die eigentlich in der deutlichen Überzahl waren, als Sklaven hielten. Es wird abwechselnd aus der Sicht von Sarah, der anfangs elfjährigen Tochter eines Richters am Obersten Gericht von South Carolina, und der zehnjährigen Hetty, Tochter einer im gleichen Haus als Näherin dienenden Schwarzen, erzählt. Sarah bekommt trotz ihres massiven Widerstands Hetty zum Geburtstag geschenkt. Beide Mädchen sind Außenseiterinnen in ihrer jeweiligen Welt, und das verbindet sie mehr als normalerweise in der damaligen Zeit zulässig war. In ausdrucksstarken Bildern wird das Leben in dieser Zeit beschrieben, die brutale Behandlung der Dienenden durch ihre Herrschaften ebenso wie die Schwierigkeiten besonders von Mädchen und Frauen, dem Ganzen etwas entgegenzusetzen. Ein Buch für alle, die Geschichten über starke Frauenpersönlichkeiten mögen und sich zusätzlich gern in die Vergangenheit entführen lassen.

Zusätzlich erfährt man im Anhang auch etwas über die fast vergessene Geschichte der wahren Sarah und ihrer Schwester Angelina, die für die damalige Zeit radikal für Frauenrechte sowie für die Abschaffung der Sklaverei kämpften.

Von Karin Skrzypczak



Unser Buchtipp im DK vom 31.7.17

Gail Honeyman - Ich, Eleanor Oliphant

Buchhandlung Sabine Jünemann

Ehrenwirth Verlag, 528 Seiten; 20,00 €

Eleanor gilt als sonderbar und wird von ihren Kollegen gemieden. Das stört die junge Frau nicht besonders, denn sie liebt es, für sich zu sein. Nachdem sie als 10-Jährige einen Wohnungsbrand überlebt hat, war ihre Kindheit vom Leben in verschiedenen Pflegefamilien geprägt. Nach Erreichen der Volljährigkeit darf sie endlich in eine eigne Wohnung ziehen und ist froh, nur bei der Arbeit auf andere Menschen zu treffen.

Als sie ausnahmsweise doch mal ein Rockkonzert besucht, ist es um sie geschehen. Der charismatische und gut aussehende Sänger hat es ihr angetan. Sie entscheidet sich, an ihren sozialen Fähigkeiten und ihrem Aussehen zu arbeiten. Nebenbei recherchiert sie alles über das Objekt ihrer Begierde, was es zu finden gibt. So will sie ihren vermeintlichen Seelenverwandten für sich gewinnen. Nach einer ausführlichen Typberatung mit neuem Styling sowie einigen Übungstreffen mit ihrem Kollegen Raymond fühlt sie sich endlich bereit für ihren Eroberungsfeldzug.

Das geplante Treffen mit dem Künstler auf einem seiner Konzerte endet jedoch ganz anders, als Eleanor es sich erträumt hatte. Es steht nicht am Beginn einer erfüllten Beziehung, sondern ist für sie vielmehr Anlass zu einer Reise in die eigene Vergangenheit. Miss Oliphant muss sich lang verdrängten Wahrheiten stellen und findet dabei Dinge heraus, nach denen sie niemals suchen wollte. Wie gut, das Raymond sich dabei als besserer Freund erweist, als Eleanor es sich je hätte vorstellen können.

Von Liisa Schmidt



Unser Buchtipp im DK vom 24.7.17

Elizabeth Bard - Meine zauberhafte Eisdiele

Buchhandlung Sabine Jünemann

Fischer Verlag, 461 Seiten; 9,99 €

Eine Amerikanerin in Paris? Damit beginnt für Elisabeth Bard nur ihr Leben in Frankreich. Sehr schnell verschlägt es sie in die Provence. Als junge Frau hätte sie sich nicht träumen lassen, dass sie dort eine Eisdiele ihr Eigen nennen würde. Ihre Gedanken gingen eher in Richtung Pariser Maisonettewohnung in guter Wohnlage und vor allem mit reizendem Ehemann samt Nachwuchs.

Das Interesse ihres Gemahls für einen widerständigen Literaten der Resistance ist jedoch der Anlass für eine Reise in das pittoreske Dorf Céreste in der Nähe von Avignon. Es ist Liebe auf den ersten Blick! Dann erfährt das junge Paar auch noch, dass das Wohnhaus des berühmten französischen Dichters René Char zu verkaufen ist. Nach kurzer Bedenkzeit schlagen sie zu. Vorerst war es nur als Sommeridylle gedacht. Manchmal allerdings ändern sich die Lebensumstände, so dass das Paar dauerhaft in die Provence zieht.

Dieser zauberhaften Romanbiographie ist man als Leser sofort verfallen. Das liegt nicht nur an den kuriosen Erlebnissen, die der Kauf des alten Hauses auf dem Lande mit sich bringen. Genauso wunderbar sind die Rezepte, die nach jedem Kapitel zum Kochen einladen. Mein Favorit ist das Dessert aus weißen Pfirsichen mit Blaubeeren und Rosensirup. Einfach zum dahinschmelzen. Wer weiß, vielleicht werde ich im nächsten Leben Köchin?

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 17.7.17

Kelly Doust - Aimées geheimer Wunsch

Buchhandlung Sabine Jünemann

Kiepenheuer & Witsch, 410 Seiten; 9,99 €

Ende des 19ten Jahrhunderts bestickte eine junge Frau anlässlich ihrer bevorstehenden Vermählung den Kragen ihres Hochzeitskleides selbst mit Perlen, Pailletten und glitzernden Kristallen. Ihr verarmter Vater hatte ihr einen Ehemann ausgesucht, in der Hoffnung, durch diese Verbindung wieder zu Ansehen zu gelangen. Über hundert Jahre lang wird dieser Kragen von Generation zu Generation weitergereicht. Er gelangt von Europa nach Asien und von dort einmal um die ganze Welt zurück nach England.

Hier erwirbt ihn schließlich die Auktionarin Maggie als Bestandteil einer Ramschkiste für fünf britische Pfund. Nach einer Reinigung erstrahlt das zunächst unscheinbare Stück in voller Pracht. So erregt er die Aufmerksamkeit der jungen Frau mit dem Faible für den Vintagelook und einem Auge für Qualität. Sogleich versucht sie das Geheimnis ihres Fundstückes zu ergründen. Ihre Spurensuche führt sie auf den Portobello Market und immer tiefer in die Geschichte hinein, die sich um dieses Stückchen Stoff rankt. Zusammen mit dem Leser stößt sie auf ein Geheimnis, das in seinem Inneren verborgen ist.

Schmerz und Liebe gehen mit dem Besitz dieses Kragens einher, der Begierde genauso ausgelöst hat wie Leid und Verlust. Er ist Symbol für den Wunsch einer jungen Frau, die sich verzehrte nach dem Gefühl, geliebt und begehrt zu werden („Iss mich, trink mich, liebe mich“) und doch so ganz anders leben musste.

Wer weiß, vielleicht gelingt es Ihnen den geheimnisvollen Inhalt des Kragens zu erraten.

Von Sabine Jünemann



Unser Buchtipp im DK vom 10.7.17

Cay Rademacher - Gefährliche Côte Bleue

Buchhandlung Sabine Jünemann

Dumont Verlag, 314 Seiten; 15,00 €

Für alle, die gut geschriebene Kriminalromane lieben, ist soeben ein neuer Provence-Krimi von Cay Rademacher erschienen. Der vierte Fall für Kapitän Roger Blanc spielt diesmal an der Côte Bleue, einem Küstenstreifen, der im Schatten der Côte d’Azur steht und neben zerklüfteter Küsten mit vielen versunkenen Schiffen auch nicht so schöne, aber allmählich verfallende Industrieanlagen bietet. Zum Schutze von Tauchern der Regierung wird Kapitän Blanc mit seinem Kollegen Lieutenant Marius Tonon von seinem Chef in diese Region geschickt.

Während er noch die Idylle der Landschaft vom Wasser aus genießt, taucht im Meer ein toter Taucher auf, der durch eine Harpune starb. Was anfangs noch wie ein Unfall eines Schatztauchers aussieht, entpuppt sich rasch als Mord, der sich im Umfeld von Umweltschützern, Industrieabfällen und einer Olympiabewerbung für diese Küstenregion abspielt. Noch mit der Aufklärung des ersten Mordes beschäftigt, kommt es zu einem zweiten Todesfall, und Roger Blanc hat es abermals mal mit einer brisanten Ermittlung zu tun. Spannend wie immer und mit dieser besonderen Liebe zur Landschaft und der dort lebenden Menschen ist auch dieser Roman wieder sehr empfehlenswert.

Von Karin Skrzypczak



Unser Buchtipp im DK vom 3.7.17

Jenny Colgan - Sommer in der kleinen Bäckerei am Strandweg

Buchhandlung Sabine Jünemann

Piper Verlag, 449 Seiten; 9,99 €

Polly Waterford hat endlich auf der geliebten, der cornischen Küste vorgelagerten Insel als Bäckerin Fuß gefasst. Ihr Leben könnte kaum besser sein, denn endlich scheint sie ihr Glück gefunden zu haben. Doch mit dem Tod ihrer alten Vermieterin ändert sich schlagartig alles. Die Erben wollen die Bäckerei selbst betreiben, so dass Polly vor dem Nichts steht. Wovon soll sie nun ihr Heim, den Leuchtturm, abbezahlen und womit überhaupt ihre Brötchen verdienen? Guter Rat ist teuer.

Zumal ihr Freund Huckle zuhause in Amerika gebraucht wird. So steht Polly vorerst allein vor ihrem Berg von Problemen. Auch wenn die Insulaner ihr zu helfen versuchen, es dauert eine Weile, bis die junge Frau sich berappeln kann und ihr die passende Idee kommt.

Sie wird einen Foodtruck kaufen und ihre Ware mobil anbieten. Ehe sich diese neue Geschäftsidee umsetzen lässt, müssen allerdings diverse Schwierigkeiten überwunden werden. Außerdem ist da auch noch Neill, der Papageientaucher, der für ein Wildtier viel zu zutraulich ist. Statt zu fliegen watschelt er lieber auf dem Boden herum; nicht ganz ungefährlich für den kleinen Vogel! Schließlich gehört ein Papageientaucher in seine Kolonie und sollte gefiederte Freunde um sich haben.

Aber das sollten sie lieber alles selbst lesen. Dieses Buch ist eine kurzweilige Sommerlektüre, gerade richtig für den Strandkorb oder den Sonnenstuhl im Garten.

Von Sabine Jünemann